Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 75 (18.9.1902)
- Date
- 1902-09-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449865--56686-2519369- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1576 Wenn nun das irdische Erbe erst ererbt, d. r. erworben werden must, auf daß in der Durchdringung des Irdischen mit dem Himmlischen, des Zeitlichen mit dem Ewigen der Menschheit Heil erblühe, um wieviel mehr ist es erst erforderlich, daß wir das uns überkommene geistige Gut uns zu eigen machen muffen, um es als Ava *iii als „Vlüthe meiner Pflanzungen* zu besitzen. ' ' ' . „Rabbi Jose pflegte zu sagen: Bereite Dich vor. die Thora zu erlernen, da sie Dir nicht als Erbschaft zu Theil wird.* Welch' erhabenes Erbtheil ist. uns doch in der Thora geboten, wie würdig, ein wahrer Besitz, ein dauerndes^ bleibendes Eigenthum zu werden. Schätze von Erkenntniß und Weisheit, von Erfahrung und Bildung, die wir überkommen aus uralter Vergangenheit, aber heute noch so neu, wie vor Jahrtausenden, fortgeerbt von Geschlecht zu Geschlecht bis auf unsere Zeit. Welch'ein köstliches Erbgut Hai doch das Mische Volk empfangen von den Vorfahren in den Weissagungen der Propheten, den Büchern der Gelehrten, in Mischnah und Talmud, in Sprüchen, Legenden und Erzählungen bis auf unsere Zeit. Wo wäre dies köstliche Erbe, wenn es nicht stets Männer gegeben, die es denkend in sich aufnahmen und selbstthätig sich aneigneten, indem sie siel) versenkten in den Geist der heiligen Lehren, als Bildungsmittel und Vorbild ihn aus sich wirken ließen und dann, was sie selbst sich erworben, anwendeten im Dienste der Menschheit, es verwertheten zum Nutzen und Frommen ihres Volkes und das Erbtheil, das sie einst erhalten, der Nachwelt Hinterlieben!; Und wir, wir sollten dieses Erbe nicht zu erwerben suchen,, sollten nicht- "ou die erhaltenen Blüthen fortpslanzen? .. Das sei fern von uns. ifrp TO*«a tob iH rrat min Die Thora, die uns Mofcheh befohlen, ist ein Erbtheil der Gemeinde Jakobs. Niemals wird die Thora der Gemeinde Jakobs verloren gehen, aber der Einzelne muß sie erringen und es wird immer Männer geben, die sie errungen haben und immer weiter lehren bis zu der Zeit, die der Prophet vorausgeschaut, da jede Verwendung irdischer Habe zur Förderung von Menschenglück und Menschenwohlfahrt, das Irdische selbst der Vergänglichkeit enthoben und Theil nimmt an der Ewigkeit der heiligen Zwecke: „Blüthe meiner Pflanzungen. Schöpferwerk meiner Hände, mich zu verherrlichen.* . . . SNkWgsNachrlchte« ««- Eorrespovdnrze«. Deutschland. Berlin, 14. Sept. In würdiger und feierlicher Weise wurde heute die Einweihung der Jüdischen Arbeiter-Kolonie und des Asyls in Weistensee unter zahlreicher Betheiligung der Gemeindebehörden und der Mitglieder der hiesigen jüdischen Gemeinde vollzogen. In der Synagoge des Asyls hielt zunächst Herr Berge! eine zu Herzen gehende religiöse Ansprache an die Kolonisten. Die eigentliche Feier leitete alsdann nach einem Cborgesang „Wie schön sind deine Zelte, Jakob* im oberen Saale der Vorsitzende des „Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes, Herr Professor Dr. Martin Philippson, ein. Er gedachte in warmen Worten des verstorbenen Oberamtmanns Ludwig Meyer, der das große Terrain, auf dem die Kolonie errichtet ist. dem Bunde überwiesen hat, und des ebenfalls verstorbenen geistigen Begründers des . Asyls, Herrn Eugen Rosenthal, und sprach seinen Dank allen Gebern und Spendern aus, vor allem der „I. C. A.", die 150,000 Mark zum Ausbau und Einrichtung zur Verfügung stellte, dem Gemeindevorstand in Weißensee und dem Vorstande der jüdischen Gemeinde. Er charakterisirte unsere Zeit als eine sozial stark bewegte und lobte im Gegensätze zu der herrschenden, auf dem Darwinismus beruhenden, fozial-wirthschaftlichen Anschauung die Tendenz des Judenthums, welches gerade die Schwachen aufrichte. Mit Nachdruck hob er die Vortheile der organijirten Armenpflege gegenüber der Armenpflege des guten, gerade bei den Juden so lebhaft schlagenden Herzens hervor, die nicht immer zu einer glücklichen Lösung führe. (Das entspricht, wie schon öfters ausgeführt, nicht unserer Anschauung. Red. d. „Jsr.*> Herr Maurermeister Marcus A d l e r, der unermüdliche Förderer des Asyls und jetzige Vorsitzende des Vereins „Jüdische Arbeiter-Kolonie*, gab in'längerer Ausführung die Entwickelung und Einrichtung des Heims. In humoristischer Weise legte er dar, daß das Asyl auf die gute Empfehlung seitens der Kolonisten bereits starke „Kundschaft" bekommen hätte. In herzlichen Worten dankte er den Förderern der Idee, der Stadtverwaltung und den Ministerien, allen voran aber in ehrfurchtvoller Weise unserem Kaiser, der weitblickend den Frieden fördere unß die ehrliche Arbeit schütze, unter dessen starkem Szepter die Anstalt gedeihen und gute Früchte tragen werde, und brachte eia von der Versammlung begeistert aufgenommenes Hoch auf den Kaiser aus. . Alsdann gab Herr Rabbiner Dr. M a y b a u m dem Hause die religiöse Weihe. In dieser Weihe erblickte der Redner die Anerkennung des Grundsatzes,