Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 75 (18.9.1902)
- Date
- 1902-09-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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43» Jahrgang. M 78. t Em Kentrat-Hrgan für das orthodoxe ZudenLhum. Begründet von^ Df-l&ftmcitm in l^Uiinf. - Donrrerftag, den 18. September ZOLL (L99L). Da mit dem 1. Oktober 1902 ein neues Quartal beginnt, so erlauben wir uns, die ger Ir—^ / ehrten Abonnenten darauf aufmerksam zu Utacheit, daß namentlich bei der Post das Abonnement frühzeitig erneuert werden muß, damit die Versendung keine Unterbrechung erleide. In der Postzeitungsliste pro 1902 eingetragen unter Nr. 3792. Neu eintretende Monnenten (Postabonnenten gegen Vorlage der Postquittung) erhalten das Blatt bis Ende dieses Monats gratis. Die Erbschaft der Erde. Mainz, 16. September. Der Prophet Jesaias schildert in der Haphthorah ■ des kommenden Wochenabschnittes, wie es sein wird, wenn Israel am Ende der Zeiten das ihmgesteckte Ziel erreicht haben wird. Der vorletzte Vers dieser Haphthorah lautet: .•wenn!? n» nwra ^oo ist; p# wi" D'pns ob» „Und Dein Volk find allesammt Pflichtgetreue, für ewig erben sie die Erde, als Blüthe meiner Pfanzungen oder als Schöpferwerk meiner Hände mich zu verherrlichen." Bei oberflächlicher Betrachtung dieses Verses wird es auffallen, 'daß der Prophet, der nicht genug die geistige Mission Israels rühmen und verherrlichen kann, die Erbschaft der Erde weissagt. Ist denn die Erde das erstrebenswerthe Ziel Israels? Sind denn; nicht Himmlisches und Irdisches, Geistiges und Welt-. liches. Göttliches und Menschliches unversöhnliche Gegensätze? Gehen wir einmal auf das Wesen der „Erbschaft" näher ein, so werden wir finden, daß hier durchaus lein Gegensatz besteht. Ist jedes Erbe schon ein wahrer, unbestreitbarer Besitz? Nein, es ist zunächst nur ein . vorhandenes Gut, ein äußeres todtes Eigenthum, ein Eigenthum, dessen Werth allein durch den Erben bestimnlt wird. Das klingt unwahrscheinlich, ja wie ein Widerspruch, jedoch ein einziger Griff hinein in's volle Menschenleben, eine aufmerksame Beobachtung dessen, was sich täglich unseren Äugen darbietet, wird uns bald die Wahrheit des Dichterwortes: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen," erkennen lassen. ' Wie verschwenderisch, wie sinnlos sehen wir nicht , häufig Kinder mit ihrem Erbgute umgehen, mit dem: Gute, das der Väter Mühe und Arbeit ihnen erworben. Sie, die ohne ihr Zuthun jene Güter erlangt haben, sie-, die nicht wissen, wie sauer vielleicht ihren Eltern die Frucht geworden, welche sie spielend pflücken, achten dieselben nicht und verschwenden sie bald. Andere wiederum sehen wir dem entgegengesetzten, nicht minder gefährlichen Fehler anheimfallen. Mit Gütern und Schätzen überhäuft, sind sie weit entfernt, diese zu ihrem eigenen Genüsse anzuwenden, geschweige denn, dieselben im Dienste des Höchsten und ihrer. Mitmenschen zu verwerthen. Sie sind, wie auch jene ersteren. obwohl die Erben, dennoch nicht die Herren, sondern die Knechte ihrer Schätze, und mit Recht ruft Lessing einem Menschen dieser Art die Worte zu: " „Ich Dich beneiden? Thor! Erspar, ererb, erwirb, Hab' Alles, brauche nichts, laß Alles hier und — stirb." v Was führt nun zur richtigen Anwendung der wirklichen. „Erwerbung" der ererbten irdischer! Schätze? Es ist die Anerkennung und Ausübung des göttlichen Gesetzes. Der Zehnte (Maaßer) ist die Sicherung für den Reichthum. Das Gesetz nur kann uns auch unser irdisches Gut erhalten. .pfr ien« obvb v'pnn vbv *p7 Ist Dein Volk in allen seinen Gliedern pflichtgetreu. sind sie dem Göttlichen, der Thora gewonnen, dann haben sie die Erde nicht eingebüßt, in Wahrheit und auf ewig gewonnen haben sie damit die Erde. -