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Der Israelit · 1902-09-15 · Heft 74 (15.9.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 74 (15.9.1902)
Date
1902-09-15
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrgang. 74 DIB IE Mm. ÄMDtMtD-kmM. : Hamburg, 10. September. Zu Ehren unserer orientalistischen Gäste hat Herr Direktor Dr. Ällünzel, der rührige Leiter unserer Stadtbibliothek, im Journallesezimmer dieser Anstalt eine Ausstellung orientalistischer Handschristen - und Druckwerke veranstaltet, deren Besichtigung für den Kenner in hohem Grade lohnend und interessant ist. Wir finden dort zunächst eine hervorragende Sammlung von hebräischen Handschriften, die größientheils aus dem Besitz des 1739 gestorbenen Johann Christoph Wolf, des Verfassers der Bibliotheca Hebraicä, berstammen. Steinschneider hat sie in seinem Katalog der hebräischen Handschriften (Hamburg, Otto Meißner, 1878) beschrieben. Zu erwähnen sind davon besonders mehrere gute Bibelhandschriften, darunter zwei aus dem zwölften Jahrhundert, mit vielen Abweichungen von .der. Masora, von denen leider in der zweiten Handschrift die meisten allzu geschickt radiert sind. Zwei andere, aus dem 15. Jahrhundert stammend, sind durch ihre schöne Ausstattung ausgezeichnet. Unter.den Talmudhandschriften sind von besonderem Werth eine die drei ersten Ordnungen der Mischna mit Kommentar. des Maimonidcs umfassende und eine zweite aus dem Jahre 1164, die drei Baboth umfassend. Mehr als siebzig Sammelbände enthalten fynagogale Poesie. Ferner nennen wir eines der ältesten medizinischen Originalwerke in hebräischer Sprache von unbekanntem. Verfasser und die vielleicht älteste Handschrift der Orhoth Zaddiquim oder Sepher Hammidoth. * * * -Der erste Druck des „Hebräischen Pentateuchs in Hamburg." In der Sektionsschung der semitischen Abtheilung - des Orientalisten-Kongresses hielt Herr Oberrabbiner Dr. M. Gaster, London, einen Dortrag über obiges Thema. Redner legte eine Ausgabe der hebräischen Bibel aus dem Jahre 1663 vor, die hier in Hamburg in der Offizin von Rebelin gedruckt wurde. Die Ausgabe dieser Bibel ist äußerst selten, denn außer, in der Bibliothek in Oxford hat .Redner, bis jetzt noch kein zweites Exemplar entdeckt, und selbst Herr Dr. Behrmann sen. erwähnt in seiner Schrift „Hamburgs- Orientalisten" dieses Buches nicht. Auch die Hamburger Stadtbibliothek besitzt, wie Redner sich überzeugt hat, kein Exemplar dieses Werkes.'; . Als Herausgeber wird Tebele ben Benjamin aus Posen genannt, der hier 1700 gestorben und in Ottensen begraben, und aus dessen Grabstein sich die Angabe befindet, daß er der Herausgeber des ersten hebräischen Pentateuchs in Hamburg gewesen ist. Die r Ausgabe lehnt sich unzweifelhaft an die Bibelansgabe von 1632 an, die Joseph ben Israel. Sohn des berühmten Manasse ben Israel in Amsterdam herausgegeben hat. Am Schluß seines Vortrages theilte Herr Dr. Güster noch mit, daß er zur Erinnerung an den 13. internationalen Orientalisten-Kongreß die AusgäN bes ersten in Hamburg gedruckten Pentateuchs der .Hamburger Stadtbibliothek zum Geschenk gemacht habe, da diese das Werk bisher nicht besitzt; \ — lieber die „Hamburger portugiesischen und die hochdeutschen I u d e n" hielt in der V. Sektion des Orientalisten-Kongresses Herr Dr. M Grunwald, Hamburg, einen Vortrag: Am 3. September 1652 ist die.hiesige portugiesisch-jüdische Gemeinde gegründet worden. Die Einwanderertanzen zunächst aus Portugal, dafür sprechen Hamburger Urkunden zwischen 1603 und 1757. .. Ein weiteres Kontingent stellte Flandern. Wir kennen Familien, die aus Amsterdam, Antwerpen und' Dünkirchen stammen. Aus Flandern kam auch Abraham Teixera, der reichste Jude Hamburgs. Bedeutend ist der Zuzug aus Italien. Der Ritus der hiesigen Gemeinde, von dem der Amsterdamer wesentlich verschieden, lehnt sich an den von Livorno an. Außer Familien, wie Italiener, Ascoli und ähnlichen Familien, finden wir hier jene welche angeblich mit Titus nach Rom gekommen sind, so die de Rossi, Galego u. s. w. Än der Spitze der Gemeinde stehen anfangs bedeutende Gelehrte und Dichter, zu deren Biographie die Grabsteine des Altonaer Friedhofes viel neue Daten bieten. Der Friedhof überrascht durch die Pracht der Grabsteinbilder, welche dem biblischen wie nachbiblischen Gedankenkreis, - der Antike, wie der Renaissance, ihre Motive entlehnen. . Einmal findet sich sogar der Todtentcinz abgebildet, - p / Deutsche I n d e n sind erst seit 1582 in Hamburg nachzuweisen. 1614 wird etlichen, die sich vermuthlich seit vier Jahren daselbst aufgehallen,. das Asyl gekündigt. Erst von 1627 kann von. einer eigent- . lichen Niederlassung die Rede sein. In den dänischen Privilegien von 1641 werden Schuhjuden des Königs in Hamburg, Altona und. Wandsbeck genannt. 1644 fliehen die Altonaer vor den Schweden nach Hamburg, aber fünf Jahre später müssen alle deutschen Inden Hamburg verlassen. Einige blieben unter dem Titel „Dienstboten der portugiesischen Juden" im Schutzverbande der letzteren zurück: Aus ihnen entwickelt'sich die eigentliche Hamburger Gemeinde. An ihrer Spitze stehen 1667 drei Vorsteher und zwei Rabbiner. .1671

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