Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 73 (11.9.1902)
- Date
- 1902-09-11
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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1548 erhalten. Ohne Zweifel würde ich. wenn ich Einfluß auf die Synagoge hätte, zur Verschönerung des jüdischen Kultus beitragen und vor allem für jüdische Lehrer und Prediger sorgen, die auf der Höhe der modernen Wissenschaft stehen und für ihr Amt Talent und Beruf haben; ich würde also—- wenn Sie das so nennen wollen — zu Reformen die Hand bieten (der Verfaffer bewegt sich hier entschieden in einem Jrrthum; Verschönerungen des Kultus im Nahmen des jüdischen Netigionsgesetzes sind leine Reformen und wurden daher von dem überlieferungsmäßigen Judenthume nie angefeindet, sondern ganz im Gegentheil entschieden befürwortet, ja, als Erfordernisse des religiösen Pflichtenlebens gefordert, nwa» wth nst:nn) aber sicher zu ganz anderen, als den von unseren Religionsreformatoren beliebten, flach nivellirenden. Kein altehrwürdiger Gebrauch sollte mir äbgeschafft, lein hebräisches Gebet verstümmelt, oder nur in deutscher Uebersetzung vorgetragen werden, kein Festtag, lein Sabbat verkürzt, oder gar auf einen christlichen verlegt werden. Vorbeter und Sänger dürften mir keine seelenlose Instrumente sein; ich würde vielmehr streng darauf halten, daß die Gebete und Gesänge von frommen Männern und Knaben vorgetragen würden, vie nicht nur den Ansprüchen der Kunst, sondern auch der Religiongenügten. Das Bethaus ist kein Theater und die Vorsänger wie die Prediger sollen etwas anderes, als gute Komödianten sein. Was nicht aus dem Herzen kommt, kann nicht zu den Herzen gehen. Die Gebete, Gesänge und Predigten solcher, die unseren heiligen Nationalkultus für eine veraltete Institution halten, können nicht erbauen; sie erregen in mir stets nur einen unüberwindlichen Ekel. Kurz, ich würde alles begünstigen, was zur Erbauung und Belehrung der Gemeinde beitragen kann, ohne unseren alten Kultus zu untergraben. Im Schoße meiner eigenen Familie würde ich streng darauf halten, daß unsere Traditionen beobachtet würden, wenn ich auch keinem dogmatischen Eiferer nach christlichem Zuschnitt das Recht einräume, mir seine Satzungen oder Glaubenssätze auszudrängen. Hiermit wäre dem Frieden in den jüdischen Gemeinden und dem religiösen Bedürfnisse jedes Juden, gleichviel zu welcher Lebensanschauung er hinneigt, ein besserer Dienst erwiesen, als mit Reformen, die jeder geistliche Stümper nach eigenem Muster zuschneidet und die schließlich auf den „inhaltlosen Nihilismus und die schrankenlose Anarchie" hinauslaufen, welche nur Verwüstung in allen jüdischen Gemüthern anrichten und unsere jüngeren Generationen mehr und mehr dem Judenthume entfremden." - (Rom und Jerusalem S. 42.) „Die Reform hat nichts weiter gethan, als die an sich bodenlose Negation zum Prinzip erhoben, oder, wie gesagt, den Unglauben konstatirt.. Man tonnte ihr diesen Ruhm lassen, wenn sie sich nicht dabei die Miene gegeben hätte, auch ein Positives in petto zu haben, wenn sie nicht, die christlichen Reformatoren einer früheren Zeit nachäffend, die Bibel im Gegensätze zum Talmud als ositive Norm für das regenerirte Judenthum aufgestellt, l urch diesen Anachronismus, der obendrein ein Plagiat, — ein Plagiat fremder Geistesbestrebungen ist, mit welchem das Judenthum nichts anzufangen weiß, — Ich lächerlich gemacht hatte." (A. a. o. S. 43.) „Die modernen Religionsformationen und Religionsfabriknten sind Sektirer ohne Sekten. Jeder von unseren jüdischen Protestanten hat seinen eigenen Codex." <Das. S. 52.) „Sie sind im Jrrthum, liebe Freundin, wenn Sie glauben, nur unsere sog. Aufgeklärten hätten sich, mit der Kultur und Wissenschaft der Zeit vertraut gemacht; unter den frommen Juden dagegen herrsche noch greifbare ägyptische Finsterniß. die der Wiedergeburt unserer Nation mindestens ebenso nachtheilig, wie der moderne Jndifferentismus. Seitdem ich mich der Sache meines Volkes widme, habe ich, theils durch persönlichen Umgang, theils durch ihre Schriften, fromme Juden kennen gelernt, sowohl der älteren, wie der jüngeren Generation, welche keinem aufgeklärten an wissenschaftlicher und litterarischer Bildung nachstehen, dabei aber die nationale Vergangenheit und Zukunft unseres Volkes besser zu würdigen wissen, als jene aufgeklärten Köpfe, welchen der philosophische Geist und der historische Sinn fehlt." (A. a. O. S. 47.) „Es ist noch immer die alte Misere, die gleich nach Mendelssohn's Auftreten zum Vorscheine kam und diesen SKaiin selbst oft genug schmerzlich berührte. Denn schon zu den Lebzeiten Mendelssohn's tauchten jene „Neumodischen" auf, die ihren Bildungsgrad nach dem Grade ihres Abfalles vom Judenthume ermessen und zuletzt in einem „Taufscheine ihr Zeugniß der Reife für Staatsstellen empfangen." Aus jenen ersten Zeiten der jüdischen Aufklärung zirkulirt eine Anekdote, die bezeichnend für diese (und noch für unsere gegenwärtige. Vers.) Epoche ist. Ein Jude kam zu Mendelssohn und rühmte ihm die philosophischen Anlagen seines Sohnes. Auf die Frage des Berliner Philosophen, worin denn die Leistungen des jungen Mannes bestünden, antwortete der glückliche Vater, sein Sohn lege schon seit Monaten keine „Thephillin" mehr." (Das. S. 50.) „Weit aktueller sind die Bestrebungen derjenigen Fusionisten, welche sich, wie mein Freund Hirsch aus Luxemburg, des Freimaurerthums bedienen möchten, um die verschiedenen historischen Kulten zu verschmelzen. Der Luxemburger Rabbiner, der.Antipode seines Frankfurter Namensvetters, hat in den vortrefflichen Vorträgen, die er in der Luxemburger Loge hielt und unter dem Titel: „Die Humanität als Religion" herausgab, die Idee der Fusion so gründlich entwickelt, daß mit seiner Arbeit diese Richtung als abgeschlossen betrachtet werden kann. Die jüdischen Geistlichen haben nun nichts