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Der Israelit · 1902-09-11 · Heft 73 (11.9.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 73 (11.9.1902)
Date
1902-09-11
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1549 Besseres mehr zu thun, als ihre Reformtempel zu schließen und ihre jüdischen Pfarrkinder in den Tempel der Freimaurer zu führen. Dahin haben in der Thal die Consequenzen der Reform schon längst diejenigen geführt, welche die Predigten der jüdischen Geistlichen —. gegen die Absicht dieser Letzteren — au serieiix nehmen, wie Sie als Frankfurter Kind am besten wissen müssen, — und mit welchen talmudischen Redeblumen man auch nachträglich, als es zu spät war, die Fusionsrhctorik ausgeschmückt hat, man mußte es sich gefallen lassen, vor leeren Bänken zu predigen. Unsere jüdischen Rationalisten, die so wenig Grund für ihr Verbleiben im Judenthum, als die christlichen Rationalisten für ihr Verbleiben im Christenthume haben, sind ebenso erfinderisch, wie diese letzteren, um Scheingriinde für den Fortbestand einer Religion zu entdecken, welche für sie keine raison d'etre mehr hat." (A. a. O. S. 53.) Man bedenke, das hat ein hellsehender Kopf im Jahre 1862 geschrieben, wo die Dinge noch im ersten Keime lagen. Damals hatte die Reform bei ihrem planmäßigen Borgehen, das Judenthum der Auflösung zuzuführen, es nur erst zuwege gebracht, den Abfall des Einzelnen von der jüdischen Denk- und Lebensart zu erwirken. Das Leben der Gemeinde und ihre öffentlichen Einrichtungen waren noch zum großen Theile unangetastet. Die vier Jahrzehnte, welche seit dew Erscheinen der Schrift des Dr. Moses Heß verstrichen, haben aber auch auf diesen Gebieten, mit wenigen Ausnahmen, alles der Verheerung und Verwüstung zugeführt. Auf dem Wege zum Abgrund gibt es eben leine Ruhestationen! Was würde ein Mann wie Heß, der das Judenthum im Grunde doch nur mehr instinktmäßig noch fühlte, erst heute zu sagen haben? (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Corresponvenzen. Deutschland. Ltuttgart, 1. Sept. (Die k lein ste hebr. Bibel.) Der württembergische bekannte neutestamentliche Forscher Eberhardt Nestle, las jüngst eine Bücherannonce: „Biblia hebraica", nach genauem masoretifchen Text, herausgegeben Von Menachem ben Chaim Scholtz (Diamantausgabe), Berlin (605 Seiten. 16). geb. in Leinwand 1.60." Dr. Nestle ließ sich die Miniaturbibel -kommen, und freute sich über das auch für dir Bibliofilie wegen seines Formates, so daß man cs in die Westentasche stecken konnte, und seines geringen Gewichtes von nur 90 Gr. interessante Büchlein. In der That verdiente solcher selbstständige Druck auch die Beachtung der Bücherfreunde. Aber, wie wir jetzt in ■ -' " ' ' ' f' ' l - - „The Expository Times" lesen, die litterärische Merkwürdigkeit hat doch ihr Häkchen. Dr. Nestle fand weder den Drucker, noch den Verleger genannt; dagegen fiel ihm auf, daß die Signaturen dieses 16-Büchleins nach Oktavo zählten. Und siehe da, es war einfach ein mechanisch reduzirter Druck der für die British Bible Society von Trowitsch in Berlin in Oktavformat Ledruckten hebräischen Bibel, und statt Meier Lcvi Letteris wurde Menachem ben Chaim Scholtz als Texthersteller genannt. Die englische kirchliche Monatsschrift verlangt Aufklärung, in wie weit diese mechanische Reduktion unter die Nachdruckgesetze fällt. R u m ä n i c n. Bukarest, 1. Sept. Es wird Ihre Leser sicher interessiren, einen Ueberblick über die Massenauswanderung unserer Glaubensgenossen aus Rumänien zu erhalten, denn anders läßt sich die jetzige Auswanderung nicht mehr bezeichnen. Dieselbe wächst von Monat zu Monat immer stärker an und selbst die offiziösen Organe der gegenwärtigen Regierung, die gern alles ver» heimlichen möchten, müssen jetzt doch die riesigen Ziffern registriren. Die Gruppen von jüdischen Handwerkern etc., welche sich vor einigen Monaten gebildet und Fonds für die Auswanderung gesammelt haben, treten jetzt.ihre Reise über das große Wasser an, nachdem sie unter unglaublichen Anstrengungen die nöthigen Gelder mühsam zusammengebracht haben. Unsere Ziffern beziehen sich meist auf Bukarest, weil aus den anderen Städten die Berichterstattung nur sehr dürftig ist. Am 29. Juli verließen Bukarest 260 Auswanderer, am 1. August Galatz 30. am 2. August Bukarest 217, am 3. August weitere 136, am 10. August reisten über Predeal weitere 260 Juden, diesmal aus kleineren Gemeinden, in der Woche vom 10. bis zum 16. August verließen 370 die Hauptstadt, am 17. August folgten abermals 70, davon gingen 30 nach Argentinien. In der Woche vom 17. bis 24. August wunderten aus Bukarest 320 Juden nach Amerika aus und am 26. August sind weitere 300 gefolgt. Am 26. August trafen dann eine Gruppe von 130 Bukarester Juden und eine Gruppe von ca. 800 aus der Moldau in Predeal zusammen, so daß an diesem einzigen Tage fast 1000 Israeliten sich eine neue Heimath zu suchen auszogen. Die Auswanderung wird immer Noch zunehmen, denn in den nächsten Wochen wird die Gruppe der Desperados aus Bukarest, das sind 2700 Seelen, ferner aus Jassy eine Gruppe von 1800 Personen, endlich aus Braila eine Gruppe von 1600 Personen auswandern. Aber auch wenn man von diesen Gruppen absieht, beträgt die Ziffer der hier aufgezählten Emigranten während des August schon ca. 2900 Seelen. Und dabei sind wir über die Auswanderung aus der Provinz nur ganz mangelhaft unterrichtet und wir können sicher annehmen, daß von dort eine noch viel größere Ziffer auswandern wird. Die hauptstädtische

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