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Der Israelit · 1902-09-11 · Heft 73 (11.9.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 73 (11.9.1902)
Date
1902-09-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1090 haben die Kosten des Verfahrens zu tragen. Bei der Strafbemessung habe das Gericht berücksichtigt einmal, das; Graf Pückler allerdings sich damals in begreiflicher Aufregung befunden habe, andererseits aber auch, daß. Gerichtsverhandlungen und Sachverständige eines größeren Schußes bedürfen. Graf Pückler erklärte zum Schluß noch, daß er gegen das^Urtheil „Berufung einlege." Strasrbrrrg) 9. Sept. Eine große Auszeichnung ist kürzlich einem jungen jüdischen Gelehrten zu Theil geworden. Herr Dr. Israel Friedländcr ist als Privatdozent an der Universität Straßbnrg zugelässen worden. Diese Auszeichnung ist um so bemerkenswerther, als Herr Friedlander, der erst vor Kurzem zum Doktor promovirt, Ausländer ist und durch die Beschränkungen, denen unsere Glaubensgenossen in Rußland unterworfen sind, verhindert war. einen offiziell anerkannten Abschluß seiner Gymnasialstudien zu erhalten. Es ist hier wiederum der Beweis erbracht, wie große Schätze an Geisteskräften in diesem gewaltigen Reiche ungehoben bleiben und wie schwere Wunden sich dies Land selber schlägt, durch die Unbill, dir cs seinen jüdischen Bürgern 'zufügt. Herr Dr. Friedländcr war in seiner Kindheit ein ''bs wie sie in Rußland nicht selten sind. Da er am Gymnasium hätte tzv bbna sein müssen, so mußte er seine profane Bildung im Privatunterricht sich aneignen. In wenigen Jahren ist cs ihm dann gelungen, sich einen Namen auf den verschiedenen Gebieten des Wissens zu machen. Er ist ciner der besten Kenner der neuhebräischen Litteratur, der langjährige Leiter der hebräischen Sprachkurse in Berlin, der Mitbegründer des hebräischen Konversationsvereins nvs» rni-a' Er hat den bedeutendsten hebräischen Schriftsteller Rußlands. Achad Haam. in Deutschland bekannt gemacht durch Uebersetzungen und eine Reihe von Artikeln. Und wie das Hebräische, so beherrscht er auch, das Russische und Deutsche mit seltener Meisterschaft. Seine Ucbertragung der Jüdischen Geschichte - von Dubn.ow ist ein Kabinettstück der Uebersehungskunst. Seine umfassenden Kenntnisse auf dem Gebiete seiner Spezialwissenschaft ergeben sich aus dem Umstand, daß er in so jugendlichem Alter die vania. los'o.ncki erhalten hat. Daneben ist er aber ein feinsinniger Kenner fast aller bedeutenden Erscheinungen der Weltlitterätur. Möge der junge Gelehrte auch fernerhin eine Zierde des Judenthums bleiben, wie.er es bisher gewesen. Er ist eifriger Zionist und konservativer Jude. Das ortho- . doxe Judenthuni wurde dem Zionismus anders gegenüberstehen. wenn er Biele feines Gleichen in seinen Reihen hätte. t a n t x e i4 . Paris, 8. Sept. Da der Schab von Persien augenblicklich in Paris weilt, hat Herr Zadoc Kahn diese Gelegenheit benutzt, um die Aufmerksamkeit des asiatischen Herrschers auf die traurige Lage der in ' -p.'C . £1>-7: ' feinem Reiche lebenden Juden zu lenken. In Persien gibt es ungefähr 25,000 Juden, davon 5000 in Teheran selbst. Die meisten arbeiten in Seidenfabriken, und verdienen so wenig, daß sie nur recht kümmerlich ihr 'Leben fristen. Trotzdem ist dort dank einem unerklärlichen. Atavismus der Bevölkerung, der Judenhaß sehr stark. Der Großvezier, der den Schah auf seiner Reise begleitet, hat Herrn Zadoc Kahn dem Monarchen vor-. - gestellt. Mit der ihm eigenen Beredtsamkeit und Ueberzeugungstreue hat der Großrabbiner von Frankreich die durchaus traurige Lage der persischen Juden geschil< dert. Der Schah, der Herrn Zadoc. Kahn, einen.sehr., liebenswürdigen Empfang bereitet hatte, antwortete, daß er schon früher versprochen habe, die persischen Juden zu schützen, daß er dieses Versprechen jetzt erneuere und daß er dieses Versprechen auch halten werde/ Durch diese That hat Herr Zadoc Kahn bewiesen, wie bnch er seine Aufgabe aiisfaßt. Dem Oberrabbiner von Frankreich ist selbst das Schicksal der. persischen Juden nicht gleichgiltig. denn überall, wo jüdische Seufzer ertönen und jüdische Thränen fließen, halt er es . für seine heilige Pflicht, mit seiner ganzen Persönlichkeit ihre Sache zu ergreifen. Herrn Zadoc Kahn gebührt, die Dankbarkeit seiner Glaubensgenossen. Doch es hieße Herrn Zadoc Kahn schlecht kennen,, wollte man behaupten, er thue etwas, um Anspruch auf Dankbarkeit erheben zu dürfen. Das Bewußtsein, seine Pflicht treu, erfüllt zu haben, ist für ihn die allerhöchste und schönste Belohnung. i:.o;• Pi. p - Paris, 4. Sept. ' Heute wurde eine Delegation des Centralkomitees der „Alliance isr. univers." vom Schah von Persien empfangenwelche ihm eine Adresse überreichte, in welcher dem hohen Fürsten . der gebührende Dank ausgesprochen wird für den mächtigen Schutz, den er seit seiner Thronbesteigung seinen israel. tlnterthanen und den von der „Alliance isr. nnivers." in den persischen Städten gegründeten isr. Schulen zu Theil werden läßt, ~-v n;; - »>■- v Der Schah bereitete den Delegirten einen freundlichen Empfang. In seiner Antwort auf die Adresse bob der Schah hervor, daß er, wie seit Beginn seiner Regierung, auch in der Zukunft die Israeliten seine- Reiches beschützen und denselben sein Wohlwollen bezeugen werde. Er fügte hinzu, daß er Kenntniß von den Schulen der „Alliance isr." habe, daß er sie würdige und hoffe, daß dieselben dazu beitragen werden, die isr. Bevölkerung in Persien zu heben. Marseille, 4. Sept. Unsere Cbewra Aschkenasim bat letzten SabbatRei^ das neu errichtete Beth hakne-. setl, eingeweihß womit ein großer Fortschritt für die Hiesigen Verhältnisse zu' bezeichnen..W''-'? Der Zufall begünstigte uns. Herr Rabbiner I. F r i e d m a n n. der durch nahezu - zehn Jahre in der „Cong. Chewra Kadischa Talmud Thoca" in Rew- Fork als Rabbiner fungirte, und aus der Reise von

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