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Der Israelit · 1902-09-11 · Heft 73 (11.9.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 73 (11.9.1902)
Date
1902-09-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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f! 1533 ZettmrgS«aHrrchte« und Correspondenze«. Deutschland. Hamburg, 10. -Sept. In den Tagen vom 4.—10. September tagte hier der dreizehnte Internationale Orientalistenkongreß und waren zu demselben aus ganz Deutschland, Belgien, Frankreich, Oesterreich- Ilngarn, Italien, Amerika, Japan etc., kurz, wo gelehrte Gesellschaften auf diesem Gebiet bestehen, Vertreter hier eingetroffen. Nach den letzten Zusammenkünften in Genf, Paris und Rom war es sehr gewagt, Hamburg als nächsten Vorort zu wählen, doch werden alle Kongreßbesucher den Eindruck empfangen haben, daß Hamburg die Interessen der Orientalisten hochgehalten hat und für die Ehre dankbar war, die sie ihr durch ihre Zusammenkunft hier bewiesen haben. Auf die großen, abwechslungsreichen festlichen Veranstaltungen einzugehen, ist hier nicht der Platz, erwähnen wollen wir nur. daß unter den Gelehrten ein nicht unbeträchtlicher Theil Glaubensgenossen sind. So sahen wir u. A. Oberrabbiner Dr. Gaster-London, Oberrabbiner Simonsen-Kopenhagen, Prof. I. Barth-Berlin, Prof. I. Oppert-Paris, membre des academies Dr. A. Marburg - Hamburg,. Dr. I. Halevy - Paris, Dr. M. Peritz-Liegnih, Dr. Grünwald-Hamburg und viele andere. Wir können an dieser Stelle auf die Einzelheiten der hochinteressanten Vorträge nicht eingehen und nur noch den Wunsch ausdrücken, daß die Zeit nicht mehr fern sein möge, wo der Orient' wieder wie dereinst zu unserer Heimath werde und sich erfüllt der Satz aus der am letzten Sabbat verlesenen Hafthora: Die Stimmen Deiner Wächter, sie erheben ihre Stimmen, allzumal jauchzen sie, wenn der Ewige nach Zion zurückkehrt, pjn pj> '2 um nn» bip '.xtw “pctt hip px‘ p’X "i 2ibo I. M. Posen, 9. Sept. Die „Posener Kaisertage" könnten auch für die Antisemiten nützlich sein, wenn diese Braven etwas lernen könnten. Gar manches Wort, das der Kaiser in Posen sprach, sollten die Antisemiten beherzigen. Das Königreich Preußen, sagte der Kaiser u. A., setzt sich aus vielen Stämmen zusammen, welche stolz sind auf ihre frühere Geschichte und Eigenart. Das hindert sie jedoch nicht, vor allen Dingen brave Preußen zu sein, lleberlieferungen und Erinnerungen können ruhig bestehen. Der Kaiser bekannte sich auch zu dem vielcitirten Worte seines großen Ahnherrn, der erklärt hat, ein Jeder solle auf seine Faoon selig werden. — Diese Versicherungen sind allerdings den Polen und Katholiken gegeben, aber sie gelten mit vollem Recht auch den Juden. — Die Antisemiten scheinen überhaupt nicht nur die Juden, sondern auch die Polen auf's Korn zu nehmen und beide als eine nichtgermanische Masse zu verdächtigen und zu denunciren. Man weiß, was der Kaiser in Posen vom 6. Armeecorps, von den Kriegervereinen in Posen Liebes und Lobendes gesagt hat. Man weiß auch, wie den Polen vor dem ganzen Lande von berufener Seite schon früher die ehrende Anerkennung zu Theil geworden ist, daß sie sich im Kriege brav geschlagen haben. Damit vergleiche man, was die „Deutsche Hochwacht" insinuirt: ‘-fyiv*j „Ein Kriegsteilnehmer von 1870/71 — schreibt sie — berichtet, daß, als er in die Gefangenschaft der französischen Bourbaki'schen Armee gerathcn war, in der zahlreiche Polen gegen Deutschland fochten, einer dieser Polen an ihn herangetreten sei und gefragt Haber „Wo stehen die polnischen Regimenter der preußischen Armee?" Später in der Gefangenschaft auf der Insel Oleron, fiel diesem Kämpfer der ausfallend hohe Prozentsah der Polen unter den deutschen Gefangenen auft und er ahnte, was jener Pole hatte sagen wollen. Vielleicht gibt dieses Erlebniß, dessen Glaubwürdigkeit außer Frage steht, hier und dort Gelegenheit zum Nachdenken." : - - - > •; Gelegenheit zum Nachdenken allerdings, nämlich über den in Gefangenschaft gerathenen Berichterstatter, der hinter dem Busch Polen suchte, weil e r dahinter stand und über die Leichtfertigkeit der Antisemiten, Derartiges ohne nähere Prüfung zu verbreiten, obwohl es im direktesten Widerspruch steht zu Aeußerungen allerberufenster Autoritäten.' Aber genau so verfahren sie auch gegen die Juden. Päpste, Kardinale, Kaisen Könige, Gelehrte aller Confessionen, der gesunde Menschenverstand mögen Hunderttausendmal hoch und heilig betheuern und Nachweisen, es gibt keinen jüdischen Ritualmord, steht aber irgend ein confuser Kerl auf, der in seiner Dummheit, oder ein Schlaukopf, der, weil er triftige persönliche Gründe dazu hat, das Gegentheil behauptet, dann folgt ihm die antisemitische Meute und bellt und Heult. Wie kann man solchen Leuten Vernunft beibringen! Ww fürchten, das Ist nicht nur schwer, sondern so unmöglich wie ein Quadratur des Cirkels zu finden. ' i Uebrigens bitten wir, sich unseres. Artikels „Der Antisemitsmus und die polnische Bewegung'" erinnern zu wollen. ~ ’; /i:v/' Caffel, Anfangs Sept. (Unlieb verspätet.) In den letzten Tagen des vergangenen Monats feierte daS rühmlichst bekannte Pensionat der Frau Hermine Heine sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Was die Leiterin der Anstalt bei deren Gründung ^versprochen, der schulentwachsenen Jugend neben gründlicher Fortbildung in den allgemeinen Wissenschaften eine Erziehung im streng religiösen Sinne angedeiben zu lassen, hat sie redlich gehalten. Es konnte - daher nicht ausbleiben, daß Frau Heine an ihrem Freuden^ und Ehrentage von ihren ehemaligen und jetzigen Zog-

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