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Der Israelit · 1902-09-11 · Heft 73 (11.9.1902) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 73 (11.9.1902)
Date
1902-09-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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1582 •' ' ' - T,. '* befestigt er ste und erweitert er den Abstand zwischen sich und allen Thieren. Was Vorzügliches in ihm ist. was ihn an Gestalt, Gliederung und Beweglichkeit auszeichnet. der aufrechte Gang, die Richtung des Hauptes und des Auges, alles strebt nach dem Einen, was dem Menschen feine größere Bedeutung vor allen Geschöpfen aus Erden gab, daß er ein redendes Wesen sei. I" der ihm vom Allgütigen verliehenen Befähigung zum Wort bat der Menschengeist seinen Ursprung und erhält sich in der Betätigung des Wortes. Den Kern und Inhalt des Menschthums, die Scheidegrenze gegen die Thiere bildet, daß der Mensch in feinem Wollen und Streben nicht haften bleibt an der Befriedigung gewisser Triebe und Vedürfniffe, welche die Natur ihm anwies. In diesen engeren Kreis sind die Thiere eingebannt. Nahrung, Zeugung und Aufzucht der Brui, damit auch diese sich erhalte und'fortpflanze, ist ihnen angewiesenes Ziel. Ein jedes ist ausgerüstet mit den Mitteln seiner Zweckbestimmung, und es handhabt sie, um die Naturtriebe zu erfüllen und so viel Behagen und Bequemlichkeit sich zu bereiten, als in den enggezogenen Grenzen eingeschlossen liegt und die Gelegenheit gestattet. Aus der Erfahrung lernt allmählich der Züchter des Haus- und Weidethieres, was dieses zu feiner besten Erhaltung' und seiner besten Pflege oder besten Verwerthung braucht, richtet die Wartung darnach ein und verändert sie nur, wenn er eine ihm passendere .Verwendungsweise dadurch erzielt. Die sich frei überlassenen Thiere aber suchen nach einer genügenden Nah- 'rungsssätte, und sobald sie diese gefunden, schließen sie die Regeln ihres Haushaltes ab; nur eine neue über sie kommende Noih: Futtermangel/ Wechsel des Klimas oder bis dahin ungekannte Verfolgung veranlaßt sie, die Lebensweise zu ändern, vernachlässigte Anlagen besser auszubilden. Der Mensch dagegen bleibt nicht bei der ' niedrigsten Nothdurst stehen, folgt nicht allein dem Zuge des Behagens und der Bequemlichkeit. Gewaltige Triebe erregen in ihm Wünsche, welche über Noth und Behagen weit hinausgehm, erwecken entgegengesetzte Begierden, welche sogar in Kampf gegen einander gerathen. Er aber ist mit Freiheit ausgestattet, durch eigenes Wollen und Thun diese oder jene Anlage zu verstärken oder zu mäßigen, diesen oder jenen Antrieb zur Leidenschaft anzufachen oder zur Ruhe zu bändigen, und er kann die Richtung seines Thuns und Wollens wechseln. So steht er beobachtend, prüfend, entscheidend in der Mitte seiner eigenen Gefühle und Kräfte, gleich befähigt, durch Ueber macht und Wechsel-sich heftig zu erschüttern, durch Entsagung in leidenschaftslose Ruhe zu gerathen, durch Einseitigkeit sich bis hart an die Grenze des Thierlebens oder noch tiefer herabzudrücken. Im Durchschnitt aber veranlaßt Ununterbrochene Gedankenarbeit den Menschen zum Wechsel zwischen Fortschritt und Gleichgewicht, und n dieser ihm eigentümlichen llebung dehnt das Geschlecht immer weiter aus, was es wünscht,, was es durch Glück erhascht, in Besitz nimmt und als unentbehrlichen Gebrauch sich aneignet. Von wie vielen Nothwendigkeiten des menschlichen Daseins sprechen wir nicht heute, welche unsern Vorfahren gänzlich unbekannt waren und den gegenwärtigen Menschen, eines niedrigeren Kulturznstandes noch unbekannt sind. Manche Einrichtung in der heutigen bescheidenen Hauswirtschaft ist kostbarer, großartiger, bequemer, als die, worüber Fürsten der Vorzeit verfügten, und wir zählen sie doch zu den unentbehrlichsten Bedürfnissen des gemeinen Lebens. Soweit und so hoch hat die Gabe der Sprache die Gesammtmenschheit gefördert, wodurch ist aber nun Israel vor den übrigen Nationen bevorzugt? Dadurch, daß es das kostbare Geschenk der Sprache nicht allein zur Erhöhung des Genusses und des verfeinerten Lebens benutzt, sondern daß es durch sie thätig ist, in der Ausübung der Pflichten, die es, als es reif war, zu verstehen und zu hören, am Sinai in der heiligen Sprache gelehrt bekam. Es benutzt die Sprache, um die heilige Lehre zu lernen und auszuüben. Freiwillig entbehrt es, freiwillig vermehrt es feine Bürde, weil die Gedankenblitze vom Sinai ihm den Weg zu größerer Vollkommenheit gewiesen, die Aussicht auf einen zukünftigen, höheren, reineren Genuß zeigt ihm beglückendere Hoffnungen, als alle irdischen Genüsse erweckt haben. Freiwillig wählt es die Unlust, um sie zu überwinden, oder durch den Zwang der Vorstellung in eine für es allein empfindsame Lust umzuwandeln, vv'wvz m djwpi Indem ihm das Gesetz verkündet wurde, eröffnete sich ihm die endose Linie, in welcher Israel bis heute sich fortgebildet hat und die künftige Entwickelung mit Neberdaner aller Geschlechter und Völker fortsetzen wird. In immer wiederkehrenden Perioden der Geschichte hatten die Völker vor der Offenbarung am Sinai ihre Gesetze, diese konnten aber auf die Dauer ihre Völker nicht erhalten, denn im Grunde waren sie nur auf Erhöhung des irdischen Genusses gerichtet. Erst als uns das Wort am Sinai gegeben wurde, lernten auch die Nationen die Pflichten ahnen, die ihre Kreise weiter und höher ziehen und die nur ihren Ursprung im Göttlichen haben können. Wenn erst die ganze Welt voll sein wird von Erkenntniß, dann werden auch die Nationen an unseren Gott, den persönlichen Gott glauben, den Schöpfer und Lenker des Weltalls. An dieser Verheißung wollen wir sesthalten auch in trüben Zeiten, die der Erreichung dieses Zieles vorangehen, vorangehen müssen. Denn wir wissen, daß Seine Liebe nicht weichen und der Bund seines Friedens nicht wanken wird. . V Im Plan der Weltenschöpfung liegt die höchste Vollendung des Menschen, durch das Wort gelangten wir zur Pflicht. Durch die treue Erfüllung seiner- Pflicht wird Israel seine hohe Ausgabe, die ganze Menschheit zur isrkenntniß Gottes zu führen, gelangen können.'!? '^'-5 >T

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