Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 72 (8.9.1902)
- Date
- 1902-09-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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1520 diesem Gebiete nicht die ausnahmlose Geltung mathematischer Gesetze beanspruchen können. Fast ebenso verschrieen wie der Armenier ist der Grieche; wir glauben, mit Unrecht. Man bat von dieser Nation in den Tagen, da Müller seine Griecheniiedec sang, da Lord Byron sein erheirathetes und ersnngenes .Vermögen in den Dienst der hellenischen Sache stellte, . von diesem Volke zu viel erwartet. Als die übertriebenen Erwartungen dann nicht in Erfüllung gingen, wurde man hart und ungerecht und ließ dem Volke, das manch' deutscher Professor nur durch die altklassisch gefärbte Brille philologischer Schulweisheit, zu betrachten beliebte, kein gutes Haar. Sicherlich ist der griechische Pöbel die mit Recht verrufene Palikaria, ein lasterhaftes, gesetzloses Gezücht; mit den gebildeten Griechen aber läßt sich ganz gut leben. Sie sehen sich zumeist gleich in der Hochschätzung gelehrter Bildung und denken mit Stolz an die große Zeit ihrer Nation, da ein Themistokles, da ein Miltiades in ihrer Sprache redeten. Und recht oft sind es doch „die ehemals geliebten, still redenden Züge des Ahnherrn," Mit griechischen Schülern habe ich recht gute Erfahrüngen gemacht. Sie sind zumeist intelligent und fleißig. Die älteren von ihnen besitzen zumeist auch Nationalstolz und Ehrgeiz und möchten sich vor dem von ihnen geachteten Lehrer gern in möglichst günstigem Lichte zeigen. Namentlich zeigen sie nicht die Abneigung der Armenien gegen solche Fächer, die sie aus irgend einem Grunde für praktisch werthlos halten, und eignen sich deßhalb zumeist eine-.weitaus gleichmäßigere Bildung an. Ick bin überzeugt, daß die deutschen Landsleute im Läufe der Zeit ihr Urtheil über dieses Volk noch vielfach ändern-werden; der Meinung, die mir persönlich überall entgegentönte, kann ich durchaus nicht beipflichten. Ein Grund zu dessen Gebühren wurde dem Derem 5 bis heute nicht gegeben, sondern es zeigt sich immer deut- .7 licher, daß deren Anschauungen einen rein antisemiti- . schen Charakter tragend Zur Wahrung unserer Interessen ist es deßhalb jedes isr. jungen Mannes heilige .Pflicht, für die Gründung der Vereine einzutreten, um - unfern Gegnern alsdann beweisen zu können, daß ibtr; durch ein dem Kaufmannsstande würdiges' Benehmen dennoch zu dem erstrebten Ziele gelangt jinK .. . Ich bemerke ausdrücklich, daß die Gründung dieser •. Vereine das gute Einvernehmen mit unseren christlichen. Kollegen (und nicht Anhänger dieses „D. H.-B."V in keiner Weise beeinträchtigen kann; es wird uns vielmehr von dieser Seite zu. unserem Vorhaben beigepflichtet. Trotzdem dieser „D. H.-V." sich derartige Tendenz - zur Aufgabe gemacht, gibt es viele seiner Anhänger, die in jüdischen Häusern konditioniren. - An dieser Stelle möchte ich gleichzeitig an die diesbezüglichen Herren Prinzipale die ergebene Bitte richten, ' bei vorkommenden Vacanzett die eingehenden Offerten ihrer Glaubensgenossen möglichst zu berücksichtigen! Um günstige Resultate zu erhalten,'ersuche ich Euch, Kollegen, für diese Sache zu agitiren und sich nicht, etwa von jungen Leuten, welche sich um das Wohl Anderer wenig kümmern, abhalten zu lassen. S. W. F e u U l c t 0 tu, UüHende Nohtem Novelle von Babette Fried—Prag. l« S p re ch s a a l. Stuttgart, im September. . ' Meine Aufmerksamkeit wurde erst nachträglich auf einen in Nr. 68 Ihres geschätzten Blattes erschienenen Artikel betr. Gründung „Jüdischer Handlungs-Gehilfen-Vereine" gelenkt. Ich gestatte mir, für diese gute Sache Stellung zu nehmen. Denn durch die Verwirklichung dieser Idee würde die so lang gehegte. Hoffnung vieler isr. junger Leute endlich zur Thatsache gelangen. Veranlassung zu dieser Anregung wurde, wie in dem jüngst erschienenen Artikel bereits bemerkt, dadurch gegeben, daß man das- Treiben des in Deutschland eristirenden „D. H.-V." nicht länger. stillschweigend dulden kann. . ". Wie allgemein bekannt, ist das edle Bestreben dieses Vereins dahin gerichtet, unsere kaufmännischen Kräfte möglichst zu verdrängen, und um zu diesem Ziele, zu gelangen, agiiirt derselbe dafür, vacante Posten in christlichen Häusern uns, wenn irgend ausführbar, unzugänglich zu machen. „Genau dasselbe dachte auch ich mir. Nur kann ich - mich nicht zu ihm begeben. Wir beide sind uns niemals grün gewesen. Erstlich sind wir einmal Concurren- . ten gewesen, dann kann er es mir nicht vergeben, daß ich' zum Kultusvorsteher gewählt wurde, während er'vergeblich eine geringe Ehrenstelle anstrebt; ich fürchte, sehr, daß er sich einer Gemeinde zu Liebe, die sich beharrlich. von ihm wegwendet, zu keinerlei Opfer entschließen wird, es müßte ihm dies denn von einem beredteren, ' Munde, als dem meinen, empfohlen sein, von Ihnen zum Beispiel." -; : ::;Y V „Herr Vorsteher! Das, was Sie mir da' ansinnen, muß ich rundweg ablehnen. Die patriarchalischen Zeiten Y sind vorbei, wo der Rabbiner der Vertraute seiner Gemeinde war, welche ihn nicht nur als ihren Lehrer und' Seelsorger, sondern' auch" als ihren Rathgeber , in , 'schwierigen, ihren Friedensstifter in strittigen Fällen ' ' betrachtet. Auch mir hat eine solche erhabene Stellung vorgeschwebt, als ich den Posten hier antrat,- und - ich Y Y war bestrebt, sie zu erreichen, aber all mein bestes Wollen -. -Y