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Der Israelit · 1902-09-08 · Heft 72 (8.9.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 72 (8.9.1902)
Date
1902-09-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ij i ji 1521 s' r KV und Streben scheiterte an einem, ernsten Männern gänzl. lich unwürdigen Dinge, dem ganz gemeinen Klatsch. Die Aufnahme meiner letzten Predigt hat meine schon - früher gemachte Vermuthung bestätigt, und als Urheber ' des, mein Ansehen und meine Ehre schädigenden Gerüchtes habe ich alle Ursache, .die Beiden anzusehen: Honig und Piesen." ’ 1 „Herr Rabbiner, Sie mögen Recht haben in Allem, wie immer. Ich sehe ein, daß Ihnen Unrecht geschehen - ist, und Sie sollen volle Genugthuung haben. Aber zeigen Sie jetzt, daß sich Ihr Charakter über den der Menge erheben kann, daß Sie, der eigenen Beleidigung nicht achtend, Ihre Hand zu einem guten Werke bieten, . . und gehen Sie noch heute zu Honig. Wie mir Mar sagte, hat nur der Umstand, daß er den Seder noch abwarten wollte, seinen Vater vermocht, seinen Weg zur Staatsanwaltschaft aus beute zu verschieben. Sie müssen daher noch heute zu ihm gehen/. »Ich muß? Wo steckt da das „Muß", Herr Vor/!. sicher?". „Ich habe mich vielleicht nicht richtig ausgedrückt. Ich nahm an, daß Ihnen die Pflichterfüllung vor jeder persönlichen Empfindung geht; in diesem Sinn war das '• //-• „Muß" gemeint." . „So ist es auch. Dasjenige, was ich für meine Pflicht ansehe, geht mir wirklich über alles andere. Aber das Einmengen in die Privatangelegenheit Hönig's ■ betrachte ich nicht als. eine Handlungwelche zu meinem ' Pflichtenkreise gehört." > - „Doch, doch, Herr Rabbiner! Wegen des Piesen und Honig hätte ich kein Wort verloren. Es steht hier mehr auf dem Spiele, die Ehre unserer Gemeinde und . was bei Ihnen vielleicht schwerer in die Wage fällt: Die öffentliche Beschimpfung eines Juden, mithin in den Augen Andersgläubiger, des ganzen Judenthums." Rabbiner Hellmann kämpfte einen schweren Kampf mit sich selber. Er konnte sich nicht verhehlen, daß der : Vorsteher im Grunde Recht habe, daß cs seine Pflicht * sei, an Hönig die Macht seiner Beredtsamkeit zu erproben, und daß man seine Weigerung als Racheakt be- ' trachten könnte. Andererseits aber kostete es ihn einen schweren Entschluß, das Hönig'sche Haus wieder zu betreten, welches er unter solch' eigenthiimlichen Umständen verlassen hatte. Daß er bei dieser Gelegenheit seinem Feinde das Wort reden sollte, kam ihm nicht einen. Augenblick in den Sinn, dazu war er zu edel veranlagte Und so, wie immer in seinem Leben und Berufe, hatte auch diesmal bei Julius Hellmann das Pflichtgefühl - den Sieg über sein individuelles Empfinden davongetragen. Er willigte ein und führte seinen Entschluß / sofort aus. ' . •’ V' ■ Die kurze Strecke Wegs zu dem Hause Hönig's / . batte er bald zurückgelegt. Er trat in's Zimmer Hönig's ' ' als dieser eben mit der Znrüstung zu einer kleinen Reise .. beschäftigt war.. / , . / . . Was verschafft mir die Ehre Ihres Besuches,- Herr: V Doktor?" war die Frage Hönig's. .V „Wenn ich nicht störe, möchte ich Sie üm eine Unterredung bitten, Herr Honig!" . '. „Ich bin allerdings sehr pressirt, wie Sie wohl,/ sehen werden, jedoch auf einige Augenblicke soll es mir nicht ankommen." .. ■■■■■ - „Wenn die Angelegenheit, wegen der ich zu Ihnen gekommen bin, in einigen Augenblick erledigt wird, soll/ es mich sehr, freuen, doch fürchte ich, daß es etwas länger dauern wird, und so muß ich im Vorhinein um Entschuldigung wegen des Aufenthaltes, den ich Ihnen verursache, bitten."/ •; jStctt einer Antwort schob Hönig seinem Besucher einen Stuhl hin, während er sich selber ihm gegenüber niederließ „Nun?" fragte er gespannt./ „Herr Hönig! Niemand fühlt mehr den Verlust, , der Ihnen bevorsteht, wenn Sie gegen den unglücklichen Piesen Gnade ergehen lassen, wie ich selber, und trotzdem komme ich, bei Ihnen Fürbitte für ihn einzulegen. ' .' Wenn Sie strenge gegen ihn Vorgehen, so benehmen Sie ihm für immer die Gelegenheit, Ihnen einmal, wie er sich es gewiß vorgenommen hat, Ersatz zu bieten, denn seine Existenz ist dann vernichtet. Strecken Sie ihm. aber die nothwendige Summe vor, indem Sie, den falschen Wechsel zur. Verfallzeit einlösen, so; haben Sie denjenigen vom Untergange gerettet, den Sie einst fürwürdig befunden halten, ihn Ihren. Sohn .zu nennen. Es können sich doch. Ihre Gefühle für diesen Unglücklichen nicht so verändert haben, um ihn jetzt der strafenden Gerechtigkeit zu übergeben?" - - . „Sie sprechen ihm das Wort, Sie?" / . „Dies braucht Sie nicht zu wundern, Herr Hönig! Friede stiften, die Eintracht Herstellen, gehört zu den Obliegenheiten eines jüdischen Seelenhirten.- Handle ich nicht demgemäß, so habe ich eben nicht meine Pflicht / erfüllt, und das erwarten Sie wohl nicht von mir/ „Nein, das erwartete ich nicht von Ihnen, daß Sie sich zu einer Bitte an mich.entschließen und daß Sie Piesen das Wort sprechen werden. Ich bin von Ihrem Edelmuthe gerührt, Herr Rabbiner, beim besten Willen kann ich Ihnen aber nicht zü Gefallen, sein. Piesen hat. es weder an Ihnen, noch an mir verdienß daß. er verschont werde." ‘".V:. -■ /,/ ./V.; „Was er mir zugesügt, das verzeihe ich gerne, habe es ihm eigentlich schon längst vergeben. Sie aber möchte ich an das Bibelwort erinnern:.. „Lo sikanm weloh sitor!" Du sollst keinen Haß nachtragen und,Dich nicht rächen!" /. ° - /' „Herr Rabbiner! Wenn Sie. wüßten, wie er mich bei der Abrechnung geschraubt hat,, wie. - ich, schwitzen j mußte. > Jeden Schritt, den er während seines Braut- Z standes unternommen hatte, mußte ich ihm mit Gold I aufwiegen, und jetzt soll ich noch 6000 Gulden für ihn 1 dahingcben? Warum, lvie komme ich dazu?" ' \ I

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