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Der Israelit · 1902-09-04 · Heft 71 (4.9.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 71 (4.9.1902)
Date
1902-09-04
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Central-Organ für das orthodoxe WM Matter für die 4. Sept.. 1SVL.1 ü Mr 18. Lokak-, Schrift- und AuchkennLniß Aus dem Rax'üel der Anschauung. ' -!' Was man unter Lokalkenntniß versteht, weiß wohl ein Jeder. Es ist die Kenntniß der uns täglich . umgebenden Dinge und Personen, mit denen wir uns im gleichen Raum, am gleichen Orte (loco) befinden. Daher der Name oder die Bezeichnung Lokalkenntniß. Wo wir auch immer uns aufhatten mögen^ gewinnen wir nach einiger Zeit'die Kenntniß dieser unserer Umgebung und zwar ganz von selbst. Das Auge bildet unaufgefordert den freiwilligen. Führer, und ebenso prägt sich von selbst ein Eindruck nach dem andern in unsere Seele. Die gesammelten Eindrücke bilden den Schatz der „Erinnerungen", die später sich reproduziren lasten. Je länger wir bei den verschiedenen Dingen und Personen verweilt, je mehr und je öfter wir sie angeschaut, desto besser, desto deutlicher hat sich ihr Bild unserem Innern eingeprägt. Und wir gewöhnen uns nicht nur an sie, wir fühlen uns sozusagen mit ihnen verwachsen; sie scheinen ein Theil unserer selbst, unseres eigenen Jch's geworden zu sein. So wirkt die Lokalkenntniß aber auch auf unser Gemüth ein. Daher die Erscheinung, daß wir. uns von unserer Heimath nur schmerzlich trennen, ebenso aber auch im späteren Leben von jeder Stätte, an der wir einige Zeit gelebt und wo es uns .wohlgefiel.' Ubi bene ulii patria. Der Mensch ist eben, wie der Volksmund es derb ausdrückt, ein-Gewohnheitsthier. Durch die Gewöhnung an unsere Umgebung, durch die Lokalkenntniß nehmen wir aber natürlicherweise auch jedwede Veränderung wahr,, die dort getroffen wird, mag diese sich auf das Erscheinen neuer oder auf das Verschwinden alter, früherer Dinge beziehen, oder auch mögen Farbe, Zahl und äußere Beschaffenheit der bisher, gekannten Wesen sich andern: immer wird es uns bewußt, wird uns „auffallen." „Warum ist dieses Haus nicht mehr dch welches früher hier stand," fragen wir, so wir den leeren Bauplatz erblicken, an dem vor einiger Zeit noch das Gebäude sich erhob. Hier bemerkt der heimkehrende Sohn, der eine längere Reihe von Jahren abwesend war, eine neu aüft geführte Mauer, wo früher ein Gitterzaun gewesen; dort fällt ihm ein neuer Steg, eine verlegte Straße auf, er staunt über den Zuwachs an Gebäuden,, die alle das bisher im Innern festgehaltene Bild einigermaßen der-; ändern. Freilich, den heimathlichen.E i n w o h n e r n sind auch diese Veränderungen .längst ein Altbekanntes. Der Blick hat sich seit Jahren. daran gewöhnt. Ihnen, den beständig Anwesenden, ist es nicht mehr auffallend, daß verschiedene Häuser neue'Stocks - Werke erhielten, daß die Anstrichfarbe -der einen gewechselt, bei anderen der Eingang verlegt ward. Dem Fremden aber, bezw. dem aus der Ferne Heimkehrenden muß alles verändert erscheinen. Sein Auge muß sich erst daran gewöhnen, selbst wenn das Neue quantitativ und qualitativ das Vergangene weit übertrifft und überragt. Die aus der Erinnerung an das Frühere bestehende Lokalkenntniß fragt in diesem Falle nichts nach ästhetischen Gesichtspunkten? Auch an Personen, die wirtäglich oder' doch öfters sehen, um Gelegenheit zu haben, ihr Bild in uns aufzu^ nehmen, bemerken wir gar leicht'und häufig eine-Veränderung im äußeren Auftreten,' einen - Wechsel bei jüngeren Leuten, die wir in der Entwickelungsperiode: längere Zeit nicht trafen und die wir eben d'arüm uns nur nach dem alten Bilde vorstellen . konnten. ' Wir sehen mit Verwunderung das ' greisenhafte? Aussehen eines Mannes, den wir früher im blühenden Mannesalter gekannt. Immer ist es der Kontrast zwischen dem-

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