Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 71 (4.9.1902)
- Date
- 1902-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Frau Max Goldschmrdt, geborene Freiin von Rothschild, der hiesigen Gemeinde gemacht worden: 70,000 Franken, wovon 50,000 Franken zum Zwecke einer Alters- und Jnvalidenversorgungskaffe für die Gemeindeangestellten verwendet - werden, 10,000 Fr. dem Armenfonds St. Moritz und 10,000 Fr. dem Kreisspital zufließen sollen. Die Schenkung ist eine Art Jubiläumsgabe; sie wurde durch den Umstand veranlaßt, daß Frau Goldschmidt Heuer zum 25. Male den Bündner Kurort besuchte. Die St. Moritzer ehrten die Donatorin vor ihrer Abreise durch eine Serenade und Feuerwerke -• R u m 5 n I e tl Bukarest, 1. Sept. (ZurJudenfrage.) Eine große Anzahl von hiesigen israelitischen Notablen hat an den Minister des Innern eine Petition gerichtet, in welcher sie ihn bitten, die auf die israelitische Gemeinde in Bukarest bezüglichen Bestimmungen der Gesetze von 1843—1851 wieder in Kraft zu setzen. Diese Gesetze schreiben eine staatliche Kontrolle der von der israelitischen Gemeinde unterhaltenen. Schulen und Wohlthätigkeitsinstitute vor. Heute, so sagen die Unterzeichner der . Petition, hat diese Gemeinde neun Knabenschulen, vier Mädchenvolksschulen, ein Gymnasium und eine Gewerbeschule mit insgesammt 3200 Schülern zu erhalten, ferner ein Spital mit 30 Betten und ein Greisenasyl für 50 Greise. Die Gebahrung dieser Fonds ist aber keiner Kontrolle, durch den Staat unterworfen, was eine den Interessen dieser Institutionen schädliche Anomalie darstelle und es wünschenswerth erscheinen laste, daß die Gesetze von 1843 und 1851 wieder in Kraft tretend v: F e ir i l l e t o n. v Rtüßende Totzten. - Novelle von Babette Fried-Prag. Auch in der Schule, wo er mehrere Stunden täglich den Religionsunterricht leitete, begegnete er heftigem Widerspruch, theils von der durch Hetzereien vorlaut gewordenen Schuljugend selbst, iheils von dem Schulrathe, an dessen Spitze seit der letzten Wahl der Stadtarzt Dr. Piesen stand. Der Rabbiner glaubte nicht fehl zu gehen, wenn er den Umschlag in der Stimmung der Gemeinde gegen ihn dem Einfluß dieses Menschen zuschrieb, welcher in Gemeinschaft mit dem Exschwiegervater gegen ihn agitirte. Mit der Peßächpredigt wollte er versuchen, , sich die Herzen seiner. Zuhörer zurückzueröbern. - ' ' Als der Rabbiner später die zweite Thorarolle der fttiliora Öftbc LnlnüÜm iiferfcfkiuie tt mit eintm IBIicfe VT.1::» : u; **JV*IU/WH** ' Tri ./•(>' »Ti.-Prir.ir;-:?;*- wr.T JVden Tempel und bemerkte, daß der Sitz seines größten Widersachers, Dr. Piesen. leer war. Daran war im Grunde nichts Auffallendes. Ein Arzt konnte durch seinen Beruf am Tempelbesuch verhindert sein, - dies kommt sehr oft vor, aber der Sitz seines andern Gegners, des alten Honig, war auch leer, und dies gab ihm zu denken. Honig wollte um alles in der Welt für einen anständigen, wahrhaft frommen Juden gelten und dazu gehörte ja auch der-Tempelbesuch an einem so hohen Feste. Sollte er vielleicht erkrankt sein, und Piesen an seinem Krankenlager weilen? Der Gedanke lag nahe. Der Rabbiner erschrak dabei, Martha's wegen. Oderwaren sie. beide zu Martha gereist, um noch einen Versuch, sie umzustimmen, zu machen? Der Rabbiner hatte seine Predigt zu halten, durfte sich also keinen aufregenden Gedanken hingeben. Nie noch war seine Sprache eine solch' feurige gewesen, nie noch sprach eine solche Ueberzeugung aus seinen mit hinreißender Beredsamkeit vorgetragenen Worten, wie heute. EL^war unverkennbar, daß der junge Redner dort auf der Kanzel-das wirklich fühlte, lvas er sprach, das wirklich glaubte, was er verkündete. Der Prediger schloß seine wohldurchdachte Rede mit dem Aufruf an seine andächtigen Zuhörer, an der Treue und Liebe zu unserem mächtigen Beschützer festzuhalten für alle Zeiten. Ohne beim Nachhausegehen aufgeschaut zu haben, fühlte Hellmann die spöttischen Blicke, welche auf ihn gerichtet waren, ja, es erschien ihm, als habe irgend Jemand während seines Borübergehens den Namen „Martha Honig" gezischelt. Ja, er wußte es jetzt, was die Stimmung gegen ihn derart erregt hatte: sein Berhältniß zu Martha war bekannt geworden, war mißbraucht und mißdeutet worden. . Zu Hause angelangt, kam ihm seine alte Tante, welche ihm die Wirthschast führte, mit Vorwürfen entgegen. - „Hast Du denn kein anderes Thema zu Deiner Predigt gehabt, als diese alte Liebesgeschichte? . Du hättest nur sehen sollen, wie die Frauen in der Weiöerschul darüber gespöttelt haben, daß wir so einen verliebten Rabbiner haben, der sogar auf der Kanzel seine Amuren vorträgt, statt über den Seder oder die Gude und das Peßach-Machen nach altjüdischem Brauch zu predigen." „Lassen Sie das, liebe Tante, und regen Sie mich nicht noch mehr auf, als ich es schon ohnehin bin. Es kommt so etwas weiter nicht vor. Die lieben. M.. .er werden nie mehr an einer Predigt von mir etwas auszufetzen haben." . „Du beabsichtigst doch wohl nicht, wegzugehen und so einen guten Posten im Stiche zu lassen?" Hellmann winkte mit der Hand ab. In. seinem Kopfe jagten die Gedanken wirr durcheinander. Es