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Der Israelit · 1902-09-04 · Heft 71 (4.9.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 71 (4.9.1902)
Date
1902-09-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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dem sie ohne Konzession machen zu wollen, festhielten an dem, was sich durch alle Jahrhunderte hindurch bewährt hatte. Ohne den Standpunkt dieser Strengkonservativen zu theilen, muß man doch anerkennen, daß sie viel eher die Palme des Sieges für sich in Anspruch nehmen können, als die Gesammtreform; und Samson Raphael Hirsch. Israel Hildesheimer. Bär Bamberger, die Plato's, Lehmann und wie sonst die Hauptführer in der damaligen Gegnerschaft der gesammten Reformrabbiner heißen, haben sich eine Gefolgschaft erhalten, um-welche sie das Reformjudenthum beneiden könnte. In der Synagoge sind schließlich doch sie Sieger geblieben. Auch in ihren Bethäusern wird deutsch gepredigt, wird mit Chor gesungen und die Ordnung ist dort manchmal nicht weniger gut, als in den Reformtempeln, wo die paar Dutzend Leute, die alle Sabbat einmal dahin wandeln, auch mit dem besten Willen nicht so viel Geräusch machen können, wie dort, wo die Menschen dicht gedrängt die Plätze ausfüllen.*) Mögen sich diese Leute und ihr Anhang.auch gegenwärtig noch ablehnend, hier und da sogar feindselig gegen den Zionismus stellen, so muß man ihnen dennoch und nicht nur obgleich, sondern weil wir Zionisten sind, das Geständrnß machen, daß nicht sie es sind, welche die Lebenskraft der jüdischen Nation bezweifeln und daß sie, gleich uns, in der Assimilation den Untergang unserer Rasse erblicken. Die Reform hingegen hat das Jüdenthum geschwächt, es sich selber entfremdet und mit Mißtrauen gegen sich selbst erfüllt. Sie hat das Judeniüum in Sümpfe geführt, in denen es versinken muß. Die Reform hat das Judenthum an den Abgrund der Degeneration geführt, sie hat dem Judenthum seine Lebenskräfte ausgesogen, — aber Israel wird nicht verwaisen." ZeUrmgAKSchrrchten «rsd Ssrrewsrrdsrrze«. Deutschland. Berlin, 1. Sept. Der „Verein selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens" Hierselbst, eroffnete am 25. v. Mts. in seinem Vereinslokale, Droesels Festsäle. Reue Friedrichstraße 25, seine diesjährig? Wintersaison mit einer überaus zahlreich besuchten Propaganda-Versammlung, in der Herr Dr. Julius Moses in einem kurzen Vortrage über die von ihm vorgeschlagene Agitation berichtete. Es sollen zunächst die jüdischen hiesigen Handwerker in dem Rahmen des obigen Vereins in umfassender Weise organisirt werden. Es sollen ferner alle hierorts existirenden jüdische Handwerkervereine gleichzeitig mit dem Verein für Arbeits- *) Das find dock, keme Reformen, gepredigt wurde von jeder in nicktdebraiswor Sprache, früher im Hargon/jetzt Hochdeutsch; non Männern und Knaben ist auch stets in der Synagoge gesung en Vorder,; ob das nun »Chafan, Singer und Bah" genannt w,rd. oder..Männerterzett". ist doch Mr dre Sache gleichgiltig. Red. Nachweis an einen neu zu gründenden Centralverband jüdischer Handwerkervereine angesckloffen, dann aber auch die Agitation in den großen Städten und Gemeinden Breslau, Posen, Hamburg, Frankfurt a. M., Köln, Miinchen u. s. w. hineingetragen werden. Die Vorarbeiten zu diesem letzteren Schritte sind bereits im vollen Gange, überall hat der Verein Vertrauenspersonen zu gewinnen gesucht, so daß diese auswärtige Agitation mit der einheimischen gleichen Schritt hält und unmittelbar nach den hohen Festtagen die erste große Propaganda-Versammlung in Breslau einberufen werden wird. Im Laufe des Winters wird dann hier in Berlin ein Delegirtentag der jüdischen Handwerker-Vereine aus ganz Deutschland stattsinden, in der dann über einen ganz Deutschland umfassenden Central- Verband berathen werden soll. Die Versammlung erklärte sich nach lebhafter Diskussion allseitig mit diesem Programm einverstanden und nahm folgende Resolution einstimmig, an: „Die heute in Droesels Festsälen tagende Versammlung des Vereins selbstständiger Handwerker jüdischen Glaubens beschließt in einer energischen Propaganda zur Förderung des jüdischen Handwerkerstandes behufs Schaffung eines über ganz Deutschland sich erstreckenden Central-Verbandes einzutreten und ersucht den Vorstand schleunigst die dazugeeigneten Schritte zu unternehmen. ' Story." Königsberg i. Pr. In der Vereinssitzung am 24. Juni er. des „Verein jüdischer Lehrer und Lehrerinnen zu Königsberg i. Pr." hatte den Vortrag des Abends Herr Lehrer Gutm dnn übernommen, der über „Gedächtnißpflege und Religionsunterricht" sprach. Referent erging sich zunächst in allgemeinen Ausführungen über das Wesen, die Bedeutung, die Fähigkeit, und die Arten des Gedächtnisses, um dann in spezieller Erörterung die Anwendung der verschiedentlichsten Gedächtnißregeln und -Bedingungen auf den Religionsunterricht zu zeigen. Redner wies darauf hin, wie der Begriff „des Lernens" bei den alten Juden ureigentlich in dem Begriffe „wiederholen" lag (Etymologie von .NZ«» und. daß die wörtliche, gedächtnißmäßige Uebermittelung eines beträchtlichen Wissensstoffes mit zu den Bedingungen eines erfolgreichen Religionsunterrichtes gehöre, der ebenso nothwendigen Gemüthsbildung im Religionsunterrichte nicht nur keinen Abbruch thue, sondern erst in der Verbindung mit dieser den rechten Erfolg des Religionsunterrichts schaffe. Die Behandlung bot eine reiche Fülle praktischer Anweisungen und Beispiele aus allen Gebieten des jüdischen Religionsunterrichtes und gestaltete sich solcher Art besonders fruchtbar für eine folgende allgemeine Diskussion, die sich auch in umfangreichem Maße an den Vortrag knüpfte. — Als Zeitpunkt der nächsten Sitzung wurde der Anfang September in Aussicht genommen. Herr Kantor Wolfs wird

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