Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1482 Martha hatte ihn einmal brieflich aufgefordert, endlich Ernst zu machen, und als Bewerber um ihre Hand aufzutreten, hatte ihn aber gleichzeitig versichert, daß sie geduldig und. treu warten wolle, im Falle er es noch nicht an der Zeit fände, und wenn es noch so lange dauern sollte. Diesen Brief mußte Hellmann beantworten. Er danlte ihr herzlich für das ihm geschenkte Vertrauen, welches ihn hoch beglücke, zumal er genöthigt sei, es für unabsehbare Zeit in Anspruch zu nehmen, nachdem nicht daran zu denken, daß er jetzt das Jawort des erzürnten Vaters erhalte, und ohne das er niemals glücklich sein könne. Der Segen des Vaters, so schrieb er weiter^ baue den Kindern Häuser und das Haus, das er zu gründen hoffe, dürfe der festesten Grundlage, des väterlichen Segens nicht entbehren. Er habe sich das Ziel vorgesteckt, in seiner Gemeinde segenbringend zu wirken und daselbst derart festen Fuß zu fassen, daß die Stimmung des erbitterten Vaters zu seinen Gunsten umschlage, und wenn ihm dieses hier nicht gelänge, es in einer anderen Gemeinde zu versuchen. Dann bat er sie noch einmal auf's Dringendste, ja nicht mehr zu schreiben, oder einen Brief von ihm zu erwarten, da er in seiner Stellung mit keinem Mädchen, und wäre es auch seine zukünftige Frau, korrespondiren wolle. Wenn sie die Gattin eines Mannes werden wolle, welcher mit Leib und Seele seinem Gotte und seiner. Gemeinde dienen und letzterer als ein Muster von Frömmigkeit, Anstand und altjüdischer Sitte voranleuchten soll, so müsse sie sich jetzt schon an Entbehren und Entsagen gewöhnen. Wenn es an der Zeit sein werde, so werde er schon ohne vorherige Aufforderung grad und offen um sie werben. Jetzt könne dies noch nicht sein, jedoch ein heimlicher Briefwechsel sei für einen Mann seines Standes undenkbar. Trotz seines ausdrücklichen Verbotes beantwortete Martha auch diesen Brief mit einigen Zeilen, in denen sie seinen Ausführungen vollkommen beistimmte und .j» versprach, sich in Erduld fügen zu wollen.? Dem alten Brauche folgend nahm Hellmann auch an diesem ersten Pessachtage als Thema seiner Predigt einen Theil des Hohenliedes. Nie vorher hatte er mit. soviel Begeisterung in diesen Blättern gelesen, als dieses Jahr. - Die Liebesworte an Sulamith gerichtet, nahmen häufig Leben und Gestalt an, er glaubte, diese Worte seiner Martha zuzurufen, beziehungsweise sie von ihr/ zu vernehmen. Wußte er ja, daß sie mit gleicher Liebe und Sehnsucht seiner dachte, wie Sulamith ihres königlichen Geliebten. Jndeß jede persönliche Regung mußte dem Bestreben weichen, diesmal besonders gut und eindringlich zu seiner Gemeinde zu sprechen, denn es lag ihm ungemein viel daran, das einigermaßen gelockerte Verhältniß mit seiner Gemeinde zu befestigen. Er wußte nicht, woher es kam, aber das Vertrauen der Gemeinde zu ihm, dem einst so hochverehrten Seelsorger, war geschwunden^ Nicht wie früher hatten seine Predigten ein aufmerksames Auditorium. Er bemerkte gar oft ein höhnisches, beleidigendes Lächeln in den Zügen mehrerer und gerade der unwissendsten Gemeindemitglieder. (Fortsetzung folgt.) Wschen-Kslenöer. Mittwoch, 3. September. 1. Elul, n*Yi 2 W a . Trettag, 5. September. 3. Elul. Sabbat-Anfang in Mainz und Frankfurt a. M. 6 Uhr 30 Min Samstag, 6. September, 4. Elul. d'llws Sabbat-Ausgang in Mainz und Frankfurt am Main 7 Uhr , 50 Min. — Berlin 7 Ubr 29 Min. — München 7 Uhr 25 Min. — Hannover 7 Uhr 40 Min. — Stuttgart 7 Uhr 38 Min. — Prag 7 Uhr 15 Min. — Straßburg 7 Uhr 40 Min. — Posen 7 Ubr 17 Min. - Stettin 7 Uhr 28 Min. Der „ZSrarNt- «fHZst Eteetega maü EXMHaeffsÄ&fjB, {s&eSeel tu mindestens tzwei Bogen. Preis pro Vierteljahr Lei der Post S Mark ohne Bestellgeld. Ausland entsprechend höher. 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