Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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genommen. Horch, er trampelt schon die Treppe herauf, nur bitte, keinen einzigen Laut!" Emma wollte es ihrer neuen Pensionärin für die Zukunft verwehren, ihre stille Wohnung zum Schauplatz eines.verliebten Abenteuers zu machen, als an die Thüre gepocht wurde, und auf das überlaut gerufene „Herein!" Maries ein Herr in's Zimmer trat mit den Worten: „Entschuldigen Sie, meine Herrschaften, ich suche Fräulein Martha Honig." Dem Sabbate zu Ehren brannte heute in dem hohen Zimmer keine Petroleumlampe, wie an anderen Abenden, nur die altehrwürdige, von der Mutter vererbte .Sabbatlampe verbreitete ein mildes, gedämpftes Licht im Zimmer, so daß der Angekommene nicht im ersten Momente die Anwesenden erkennen kennte. Jedoch bei dem Klange seiner Stimme wandte sich Emma erschreckt nach der Stelle um, woselbst der fremde Herr, den Hui' in der Hand haltend, stehen geblieben war, und sagte in weichem, aber ernsten Tone: „Sie irren, Herr Doktor! Hier wohnt keine Martha Hönig." Wie entgeistert, am ganzen Körper zitternd, starrte Piesen, denn er war der Angekommene, die Sprecherin an, dann blickte er sich ängstlich in dem Zimmer um und gewahrte die noch immer kichernde arme Verwachsene. „Ich habe mich augenscheinlich geirrt," stotterte er mühsam hervor und wollte zur Thüre gehen, um sich zu entfernen. Nein, das konnte er nicht ahnen, das nicht, daß seine Braut, Martha Hönig, bei dem von ihm verlassenen Mädchen Zuflucht gesucht und gefunden hatte. Er wußte nicht, wie weit der Zufalls wie weit Absicht im Spiele war, er wußte nur das Eine, daß sein schön znsamengesetzter Plan zu Wasser geworden, daß er selbst sich in der von ihm gelegten Schlinge gefangen hatte. Ein Zufall hatte ihm nach vergeblichem zweitägigen Herumstreifen durch die Straßen Prags, Martha begegnen lassen, der er gefolgt war. wie er glaubte, von ihr unbemerkt, bis hierher in die Wohnung, welche die beiden Schwestern inne hatten, und die er jetzt so schleunig als möglich zu verlassen wünschte. Jedoch Martha schnitt ihm entschlossen den Rückzug ab. - ' „Aus der beharrlichen Verfolgung, mit welcher Sie meine unbedeutende Person, beehrten,-erkenne ich. daß Sie. Herr Doktor, meinen Entschluß, den ich Ihnen am Dienstag Mittags in Ge'gentvart Hunderter von Zeugen geäußert habe, nicht ernst nehmen. Ich aber erkläre Ihnen heute in Gegenwart meiner beiden Ihnen wohlbekannten Freundinnen, daß ich niemals und unter keinen'Bedingungen die Ihre werde, daß Ihr schmählicher Verrath an Fräulein Kolinsky. diesem Engel an Sanftmuth und Güte, mir die Augen über Sie geöffnet und den letzten Rest von Achtung für Sie vernichtet hat. Jetzt gehen Sie!" Emma hatte sich von dem ersten Schrecken erholt; -- sie trat auf den ganz bestürzt und fassungslos Da-::- stehenden zu, reichte ihm die Hand und sprach! mit ihrer milden, sanften Stimme: „Setzest Sie sich' em wenig/'!. Herr Doktor, und ruhen Sie aus. Eine ordentliche???? Aussprache mit Ihrer Braut, die ich unter dem Namen Marie Herz als Pensionärin ausgenommen habe, wird hoffentlich das erwünschte Resultat haben. Man hat - Ihnen, liebes Fräulein," bei diesen Worten westdete sie-:; sich Martha zu,' „mein Verhältniß zum Herrn Doktor Piesen ganz anders dargestellt, als es in Wirklichkeit war. Er war frei, als er sich um Sie'bewarb.? . Ich : habe auf seine Hand freiwillig verzichtet',/nachdem:M-,^ bemerkt, daß er mich nicht so liebte, als ich es verlangen -? durfte. Meine Liebe zu Herrn Dr. Piesen ist erloschen. -? ich will bei meiner Betti bleiben und Sie, Herr Doktors? als meinen Jugendfreund betrachten, besonders wenn?- Sie der Gemahl meiner lieben .. Marie,will^-saM-/•' Martha werden." V :! ' V- / * V Eine abwehrende Handbewegung Martha'sstgch diesen Worten war dem wie ein Sünder dastehenden Doktor nicht entgangen. Er 'wußte, - sein Spiel war? verloren und jetzt hieß es einend wenn nicht ehrenvollen, , so doch nicht ganz lächerlichen Rückzug anzütreten? „Vielen Dank für Ihre Güte, Fräulein Emma, doch" gelüstet es wich nicht, länger noch zur Zielscheibe-des Spottes von Fräulein Hönig und Bettina's Bosheit - zu dienen.. Leben Sie wohl, Emma! und S i e werden von mir hören, Fräulein Hönig!"! ■? ‘ -• . ... 6. Die Predigt. '.'? '!?. „Der Winter ist vorüber/ die Regenszcit vorbei;? Blumen sprießen aus dem Boden; die Zeit der'Lieb? ist? gekommen, die Stimmender Turteltaube lockt-aüPder- Flur." ' Derjenige, der diese Worte voller Üiebe^ voll unendlicher Sehnsucht vor sich hinmurmelte,, das.. war... Dr. Hellmann, der junge Rabbiner von M. Mit d?m Ab-- fassen seiner Predigt zu dem bevorstehenden Peßachfeste begriffen, blätterte er ich Buche Schir-haschirin, um/ eine passende Stelle zum Texte zu finden. Dabei war. er auf die oben zitirte Stelle gekommen, welche so-ganz., zu seiner Gemüthsstimmung paßte.- Denn noch immer weilte seine geliebte Martha fern von ihmjn Prag.ilnd nicht einmal den schwachen Ersatz für,?ihre'Gegenwart''r war Dr. Hellmann beschieden.i denn. er -ha tte. frei willig-?', auf einen Briefwechsel,verfichtst, nachdem. n.ihnmst>> seiner Würde als Seelsorger ^MichiMAÄüL'WlarttU So mußte er warten.. mußte seine - Sehnsucht? .unters drücken, mußte sein Vertrauen in Martha stärken.'' Müs j ihn unter diesen? Verhältnissen?'vor'?? BetzlyMMgÄ schützte,?d'as.. war/eben.ein AÜMrüch^«s-/tzejxKN.tenA Sängers des Hohen LredesLr „Dtätk wie-.der/TöL'istiies . Liebe!" Seine große Liebe zu Martha, das Bertrauen in die ihre, machte ihn stark, den.Trennungsschmerz zu ertragen? . ... . . . > :