Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1480 der Mairie gehaltenen Reden uns zu dem „Etendard antijuif" begeben und die Voinot (auch einem antisemitischen Freunde) und Mallebay theuren Schufte dieses Schandblattes gehörig auszischen. Kündigt diese Ankunft eine ganze Woche hindurch an. ebenso in der Sonntagsbeilage am Tagemeiner Ankunft. Fordert Frauen und Kinder auf, mir zuzujubeln. Thut alles, damit diese Ankunft in Paris beweise, daß Lionne (wieder ein antisemitischer Freund) Lar nichts bedeutet und daß ich und meine Freunde Herren in Algerien geblieben sind. Diese Ankunft hat eine ganz außerordentliche Wichtigkeit. vergeht das nicht! Der Tag meiner Ankunft muß die Zerschmetterung Lionnes und meinen Triumph bedeuten!" And durch diese Mittel ließ sich selbst Drumont blenden und zu dem Glauben veranlassen, ganz Algier stehe zu Regis. ' Fe u ill e t o n. WIN Novelle i'on Babette Fried—P r a g. l4 „Warum nicht gar," antwortete Emma mit einem schwächen-Versuche zu lächeM; „mir geschieht nichts, das solltest Du wissen, Unkraut verdirbt nicht; aber beim ’ Nachhausegehen traf ich eine Bekannte, mit der ich mich . aufgehalten habe. Du kennst sie ja, die Toni Gerstl, die in der. alten Wohnung in der Schiffmühlengaffe unsere Nachbarin wqr.7 - „Ach die,' ich weiß-schön, und die hat Dir etwas sehr". Verdrießliches, etwas sehr Unangenehmes mitgetheilt," sagte Betti, die Schwester mit einem sehr durchdringenden Blicke sixirend, „nicht wahr?" „Wie, Du weißt es schon, Betti?" ..Was es ist.weiß ich nicht, daß es aber etwas ' Unangenehmes für Dich ist, das sehe ich Dir an. Was also hat Dir die Plaudertasche denn erzählt,, wenn ich es wissen darf?7 '' i / - ' „Warum denn nicht, liebe Schwester, es ist ja kein Geheimniß, wenn's nämlich wahr ist, denn Du selbst hast. die Erzählerin dieser Sensationsnachricht als Plaudertasche bezeichnet;"^ „Eine SensätionsnachrÄht?^ Emma, Du.machst mMneugierMwasvwar es denn?" . .. «Es ist mir höchst peinlich, darüber'zu sprechen,?doch-!hast.DÜ ein Recht ^dqrauf, es zu .erfahren, upd wMH sofort, sem^bevormnsere neue Pensionärin ' heinrkonlmt; veM -was .Dir gegenüber eine schwester- >'.tichä ÄtrÜheÄung. ist. Ware- Fremden erzählt,, böswillige Verleumdung. Mnn hoffentlich ist die ganze Sache erfunden. Also die Toni erzählte mir, daß Dr. Viesen, der vorigen Dienstag hatte Hochzeit haben sollen, von. seiner Braut im letzten Momente, schon als sie unter der Chuppe ständen, verlassen worden sei. . Sie behauptete, diese Nachricht aus sicherer Quelle zu haben.". Betti war von ihrem Sitze aufgesprungen und rief im Hellen Jubeltone aus: „Also doch, Gott sei Dank!" „Was ist das Betti, was muß ich hören? Ziemt sich diese Schadenfreude für ein so seelengutes Mädchen, wie Du es sonst bist, für die Tochter des edlen, selbstlosen Ahron Kotinsky?" „Selbstlos und edel bist Du genug, Emma! Ich brauche dies nicht auch zu sein. Während Du dem treulosen Verräther vergeben und ihn an seinem Hochzeitstage von der Ferne aus gesegnet hast, habe ich ihm kein Glück gewünscht und" — sie fügte das leise hinzu — „gehandelt." Laut fuhr sie fort: „Ich habe nie Jemandem gezürnt, wenn er sich von meiner mißgestalteten Persönlichkeit voller Widerwillen, im günstigsten Falle voll Mitleid, weggewendet hat, ich habe für meine Prrson niemals Liebe gewünscht oder erwartet., aber den Mann, welchen: wir unser Haus geöffnet, den wir so reichlich unterstützt haben, der vorgab. Dich über alles zu lieben und sich am Sterbebette des Vaters mit Dir verlobte, um Dich schließlich schmählich zu verlassen, diesen Mann hasse ich bis zu meinem letzten Athemzuge. Sage meinethalben auch'Du, wie die meisten anderen Leute, daß in dem mißgestalteten Körper eine mißgestaltete Seele wohnt, ich setze Mich über das Urtheil Aller hinweg, ich mußte Dein verdorbenes Leben rächen an dem, der Dein Lebensglück vernichtete, an dem elenden Verräther." _ Emma stellte sich der Schwester gegenüber und rief voller Unruhe aus: „Ich will nicht hoffen, Betti, daß Pu Deine Hand im Spiele hattest; ich habe längst auf meinen Jugendtraum verzichtet und meine Gefühle für Heinrich Piesen sind die einer Jugendfreundin und meine ehemalige große Liebe zu ihm ist gänzlich er- . loschen. Sprich, Betti, was hast Du gethan?" Dem noch immer erregten Mädchen wurde die Antwort erspart, denn dieDhüre öffnete sich und herein stürzte eine liebliche Mädchengestalt, welche geschwind die Thüre hinter sich zumachte, und vor unterdrücktem Lachen kaum im Stande war, den üblichen Gruß auszusprechen. „Was ist Ihnen dcnn so Angenehmes begegnet, Fräulein Marie? Sie sind ja ganz heiter, wie Sie es noch niemals, seit Sie bei uns wohnen, gewesen?" . „Still, bitte, bitte, still, Fräulein Emma, Sie verderben mir sonst meine köstliche Ueberraschung, wie sie gelungener in keinem Lustspiele vorkommt. Ich werde den ganzen Abend von einem Herrn verfolgt der mir nun bis hierher' nachkommt, ohne zu wissen,, wohinter geht,, denn schauen Sie, Ihre an die. Thüre befestigte Visitkarte habe ich wohlweislich beim Hereintreten ab-