Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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August, in der schön dekorirten Synagoge ein feierlicher Festgottesdienst statt. Als das Jubelpaar, geführt von den Urenkeln und begleitet von den Enkeln, Söhnen und Töchtern, das Portal des Gotteshauses betreten hatte, schallte ihm das vom Chor präzis intonirte „Boruch Habo" von Japhet zur Begrüßung mächtig entgegen.' Die von Herrn Rabbiner Dr. Finkels ch e r e r - München in Vertretung des leider erkrankten Herrn Distrikts-Rabbiner Dr. Groß gehaltene tief empfundene und sehr wirkungsvolle Festrede pries nächst der Gnade des Höchsten die Zufriedenheit und Bescheidenheit des Jubelpaares, das stets sein höchstes Glück im Wirken für die Familie gesucht und auch gefunden habe, unter stetem Hinblick und Vertrauen auf die Gnade des himmlischen Vaters, die ihm so ersichtlich beschieden sei. Rach dem Schlußworte: nb'U *n mw? w'.n rn n nneiMi „diesen Tag hat der Herr geschaffen, wir wollen uns seiner freuen!" intonirte der Chor das „Mismor Lesodo" von Japhet. Es folgte sodann der Segen des Herrn Rabbiners, worauf das herrliche „Hallelujah" von Lewandowsky durch den verstärkten Synagogen-Chor, unter Leitung des Herrn Cantor Frankl, äußerst wirküngsvoll erklang. Von allen Seiten beglückwünscht, verließ sodann das gottbegnadete Jubelpaar tiefgerührt das Gotteshaus, um den Nachmittag des seltenen Festes im Kreise der Fümilie bei fröhlichem Mahle zu verbringen, das genügend Gelegenheit bot. durch ernste und heitere Toaste und durch sehr gelungene humoristische Darbietungen, manche Erinnerungen in den Gedankenkreis der beiden „alten Leutchen", unter sichtlicher Freude derselben, zuruckzurufen. Mögen die vielen guten Wünsche, von denen wegen ihrer besonderen Herzlichkeit und Wärme diejenigen des hohen Stadtmagistrats und der wohllöbl. Kultus- Verwaltung Augsburg besondere Erwähnung verdienen — letztere hat außer dem erhebenden Festgottesdienst das Jubelpaar und dessen Familie auch noch durch eine Deputation und ein sehr sinniges Geschenk hoch erfreut — sich voll und ganz erfüllen, auf daß dem verehrten Paare der denkbar schönste Lebensabend beschieden sei! Frankreich. Paris, 28. Aug. Die französischen Antisemiten greifen sich jetzt, nachdem ihr Einfluß so stark herabgegangen ist, untereinander an und dabei kommen, so wird der „Weser-Zeitung" geschrieben. Sachen an's Tageslicht, die selbst die über die Moralität dieser Leute am besten Unterrichteten zu verblüffen vermögen. Man erinnert sich des Haders zwischen Gu6rin und der „Libre Parole", in dem von beiden Seiten Eimer von Unrath über den Widersacher ausgeschüttet wurden.. Das ist aber noch Kinderspiel gegen die Enthüllungen, die jetzt ein streitbarer Antisemit Namens Domergüe, der Sekretär und Freund des algerischen Bandenführers Max Regis gewesen ist, über diesen veröffentlicht. Der ehemalige „jugendliche Held undunerschrockene Ritter" Drumouts wird so ziemlich aller — unfeinen Charakter- Eigenschaften und Handlungen antzeklagt. die sich Iberhaupt zusammenfinden lassen. Domergüe bezichtigt ihn, ihm für Wahl- und Propagandazwecke anvertraute Summen einfach unterschlagen. Erpressungen verübt, alle seine Freunde und Gönner betrogen und verrathen, Verleumdungen ausgestreut zu haben u. s. w. Gewisse Vorwürfe, werden aus gewissen Gründen nur verhüllt vorgebracht. Durch seine Machenschaften und sein unwürdiges Leben und Treiben habe er den Antisemitismus in Algerien in der Blüthe geknickt. Es fehlt gar nicht viel, so erhöbe Domergüe die Anklage, daß Regis sich schließlich von den Juden selbst habe kaufen lassen und in deren Diensten gestanden habe.:- Greifen wir aus dem reichhaltigen Material, das dieser entrüstete Antisemit — die Entrüstung ist ihm, nebenbei bemerkt, erst gekommen, seit Regis abgefertigt worden ist, und über keinen Einfluß und keine „Propagandamittel" mehr verfügt — zusammengescharrt hat, einige besonders lehrreiche und bezeichnende Thatsachen heraus... - > - Als Regis im 11. Pariser Wahlkreise gegen Allemane als Kandidat für die Kammer aufgestellt, war, nahm er besonders stark die Mittel seiner Freunde und Gesinnungsgenossen in Anspruch. „Besonders cynisch zeigte er sich Rochefort gegenüber," erzählt Domergüe. „Der Leiter des „Jntransigeant" hatte ihm 100.OCH) Francs geliefert und selbst der . Tänzerin Bob Waltereine Schuldverschreibung über 28,000 Francs ausgezahlt. die der Maire von Algier unter besonders skandalösen Umständen ausgestellt hatte. Deßhalb verweigerte: Rochefort dem unwürdigen Menschen, der nicht nur seine Freundschaft verrieth. sondern ihn auch in seinen Korrespondenzen zu entehren suchte, in den letzten Tagen den Wahlcampagne den Zutritt zu seiner Wohnung." Auch Drumont mußte daran glauben, obgleich er sich für Geldgesuche viel schwerer als Rochefort zugänglich zeigte. Der brave Mann soll eines Tages, als der Leiter der „Libre Parole" nicht schnell genug mit einem blauen Schein Herausrücken wollte, laut ausgerufen Haben: „Dem Barbapoux werd' ich's eintränken." Amüsant sind die Mittheilungen Domergües über die Art, wie MLxchen seine Popularität selbst sich herzustellen wußte. Als er mit Drumont sich aus Frankreich nach Algerien einschiffte, ertheilte er seinen Freunden folgende Weisungen: „Am Samstag erscheint auf der Zeitung als dickgedruckter Untertitel: Eine Depesche Drumont. —.Die Ankunft Max'! — Ich schiffe mich Samstag Morgen in Marseille ein und treffe am Sonntag in Algier ein. — Macht möglichst viel Aufhebens um diese Ankunft. — In der Villa Antijuive findet Ihr Palmen, delegirt Gruppen, um'sie mir darzureichen. Vesperini soll sich mit Euch darüber verständigen. Organisirt für Sonntag, den Tag meiner Ankunft,! eine große Kundgebung. Wir werden dann nach den in