Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1478 lung, so die jüdische Volksküche, deren erster Vorsitzender : er war. Den Segen dieser Anstalt kann nur derjenige richtig ermessen, der die Armuth und das tiefe Elends der Juden Rußlands kennt. Vor zwei Jahren hatte Schreiber dieser Zeilen, anläßlich eines Besuches, Gelegenheit gehabt, diese Anstalt, in der täglich Hunderte gespeist werden, zu besichtigen. Rührend war der Anblick. Soldaten kamen aus dem „Lager" (Sommerkaserne), die eine halbe Meile von der Stadt liegt, um für drei Kopeken, ca. 6 Pfennigen, ihren Hunger zu stillen, Droschkenkutscher, Lastenträger, Flößer, Holzhauer Und Wasserträger, arme Handwerker und Handelsleute, weißbärtige, abgehärmte Talmudforscher, sie alle sind tägliche Gäste Vieser Anstalt. Die jüdische Gewerbeschule zu Dwinsk hat durch das Hinfcheiden dieses edlen Mannes ihren Kurator und Förderer verloren. Die von seiner Schwiegertochter errichtete, unter ihrer persönlichen Leitung stehende jüdische Volksschule für arme Mädchen, hat er mit reichlichen Mitteln ausgestattet und somit den Fortbestand derselben gesichert. Bei allen anderen wohlthätigen Anstalten war sein Name an erster Stelle zu lesen. Ueberall. wo er Gutes, Gemeinnütziges keimen sah. half er nach mit all' seinen Kräften, geistig und materiell. Er war Zionist, bethätigte aber seinen Zionismus nicht durch leere Worte und langathmige Reden, stellte vielmehr namhaftes Geldbeträge zur Förderung dieser Idee zur Verfügung. Vor 16 Jahren besuchte er in Gemeinschaft mit Rabbi Mohilower das Land unserer Vorfahren, Palästina, um eine Kolonisation anzubahnen. Ja, eine Persönlichkeit ist hin, wie sie in der Finanzwelt nicht allzuoft anzutreffen ist. Er war ein ganzer Mann, ein echter, glaubenstreuer Jude. Viele werden um ihn weinen, Viele ihn vermissen, denn er war ein Helfer Tausender. Nicht nur seine Familie, nicht nur sein Geschästspersonal und seine tausend Arbeiter, auch nicht nur die große, aber arme Gemeinde in Dwinsk. sondern Viele, die mit ihm im Dienste der Menschenliebe gestanden und gewirkt, haben einen herben Verlust erlitten. prons-o vbv p*nsn bv Die * Notabilitäten der Stadt Homburg erwiesen dem Verblichenen die letzte Ehre und geleiteten seine sterbliche Hülle zum Friedhof. Am Grabe rühmte in bewegten Worten Herr Rabbiner Dr. Kotlek die Verdienste des in seinem 60. Lebensjahre Dahingeschiedenen und richtete Worte des Trostes an die zurückgebliebene Gattin und Kinder, die die guten Werke des Verstorbenen fortsetzen werdend / - Grast (Posen), 26. Äug. Unter großer Vetheiligung von Nah und Fern fand heute hier die Beerdigung der Frau Marianne B y k, Gattin des Vorstehers' Herrn M. M Byk, statt. Äm Grabe würdigte Herr' Rgbbiner 'Dr. Fried m ann in warmer, lief-: empfundener Rede die Vorzüge der Verstorbenen. Anknüpfend an den in der dieswöchentlichen Sidry vorkommenden Vers Dpi vb, hob Redner hervor, wie es die Pflicht eines jeden Juden sei, in seinem ganzen Leben die göttlichen Gebote zu erfüllen und gute Werke zu üben, damit er nicht dereinst leer vor dem Throne Gottes erscheine, und schilderte nun das gottesfürchtige, liebevolle und bescheidene Wesen der Verblichenen, die ihrem Gatten Urährend einer 46jährigen, glücklichen Ehe in allen Lagen des . Lebens treu zur Seite gestanden, frommen Sinn in die Herzen ihrer Kinder gepflanzt und in stiller, geräuschloser Weise allezeit Liebe geübt hat. Die Trauerversammlung war durch die Worte des Rabbiners tief ergriffen. Jnowrazlaw, 24. Aug. Ein seltenes Jubiläum wurde heute in der hiesigen jüdischen Gemeinde, und zwar besonders bei dem Vorsitzenden des Gulat-Achim- Vereins. Herrn Joseph Wolfs, hierfelbst in seiner Wohnung, im engsten Kreise einiger anwesenden Vereinsmitglieder, gefeiert. Herr Rentier I. W. Wolfs beging nämlich sein 25jähriges Jubiläum als Thoravorleser. Mit welchem Pflichteifer dieser Bal Kore fein Amt versieht, ist als lobenswertst anzuerkennen, da derselbe, wenn es nur irgend möglich war, sich nicht abhalten ließ, pünktlich auch an Wochentagen im Vereinslokal morgens und Abends zu erscheinen. Diese Zusammenkünfte hatten den Zweck, die Pietät und Heilighaltung verstorbener Vereinsmitglieder an Jahrzeitstagen zum ewigen Andenken zu bewahren, und der Eifer des Herrn I. Wolfs spornte die Vereinsmitglieder an, diese schönen Tendenzen des Vereins zu erfüllen. Mit Recht kann der Jubilar sagen: „Ich bin wie ein Diener, der dem Herrn dient, ohne Absicht, Lohn zu empfangen," denn derselbe hat nie von dem Verein ein Honorar für seine Leistungen beansprucht. Um dem tiefen Empfinden der Hochschätzung und' Dankbarkeit zu dem Jubilar beredten Ausdruck zu geben, begaben sich am vorigen Sonntag die Vereinsmitglieder sowie der stellvertretende Vorsitzende, Herr Kaufmann S. Schein, zur Beglückwünschung in die Wohnung des Herrn I. Wolfs. Hierselbst richtete der stellvertretende Vorsitzende des genannten Vereins herzliche Worte an den Jubilar, die auf die wichtige Bedeutung des heutigen Tages Bezug hatten, indem er gleichzeitig auf die großen Verdienste, die sich Herr Wolfs um das Gedeihen des , Vereins erworben, hinwies, und überreichte demselben ein kunstvoll ausgestattetes, mit entsprechender Widmung versehenes Ehrendiplom. Der Jubilar dankte in bewegten Worten für diese Ehrung. Sodann fand ein gemüthliches Beisammensein in der Wohnung des Jubilars statt. W. Silber st ein. Augsburg, 20. Aug^ Das seltene Fest der diamantenen Hochzeit beging in voller geistiger und körperlicher Frische das verehrte Elias V e i t'sche Ehepaar dahier. Aus diesem Anlasse fand am Sonntag. 17.