Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 70 (1.9.1902)
- Date
- 1902-09-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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/Mi! 1477 „Wie kann nur der entfernteste Gedanke in uns aufsteigen, zu glauben, daß die Weitesten der Stadt Mörder seien? Sie sprechen aber nichts anderes, als den Gedanken aus: Der Erschlagene war uns nicht zu Händen gekommen und von uns ohne Nahrung fortgelaffen worden; wir haben ihn nicht gesehen und ihn deßhalb auch nicht ohne Geleit fortgeschickt.- Durch das Händewaschen sprechen sie symbolisch aus: „Unsere Handlungen sind rem von einer Schuld an diesem Verbrechen.- . Aus dem Vorhergehenden begreift man nun, was . der »*no meint, daß Jacob seinen Söhnen das Merk-' Zeichen überlieferterer habe sich gerade mit ab» mxo. nun? beschäftigt, als Joseph sich von ihm trennte. Der geistige Inhalt, der dem nany ab» Gebot zu Grunde liegt, die Verpflichtung, die zur Zeit der Trennung Josephs an Jacob herantrat, mag wohl Jalob's Gedanken noch lange beschäftigt haben. So früh, auch Joseph von seinem Vater getrennt wurde, seine Erziehung war vollendet; der Geist seines . Vaters war auf fruchtbaren Boden gefallen. Das- Bild feines großen Vaters schwebte ihm beständig vor. Augen; in dessen Sinn lebte und strebte er auch in der Fremde, ferne von der heimatlichen Erde. Als sich . Joseph seinen Brüdern zu erkennen gegeben und er dieselben in ihre Heimath entläßt, da erfüllt er, ganz dem Sinne seiner Ahnen entsprechend, das Gesetz, welches uns der Abschnitt von nav» ab» rra» lehrt. Joseph gab seinen Brüdern Wagen zur Begleitung mit und Vorrath für die Reise. Kap. 45, V. 21. Ja, er sorgt schon dafür, daß auch sein Vater auf dessen bevorstehende Reise nach Aegypten Reisezehrung und Geleit erhalte. V. 23. Erinnert dies alles nicht deutlich , an ne»"» ab» ma»? Als daher Jacob die Wagen mb» sah, die Joseph gesandt hatte, als er sah, daß Joseph Vorkehrungen getroffen für rrebi pna Neisezehrung und Begleitung, um seinen Angehörigen die Reise ohne Gefahr zu ermöglichen, ganz dem Sinne der Thora entsprechend, da lebte auf der Geist Jacob's. . ZertrmgsrrachrrchSs» mt> CssTeSyoNdmzsN. Deutsch l.ö üb. Berlin, 27. Aug. Unsere Gemeinde ist in tiefe Trauer verseht worden. Eines ihrer angesehensten Mitglieder, Justizrath Dr. Eugen A p o l a n t, ist nach . kurzem Krankenlager verschieden. Derselbe, ein Sohn des verstorbenen. bekannten Predigers Dr. Apolant, bekleidete viele.Ehrenämter. Wiederholt wurde er in das Repräsentanten-Kollegium gewählt, dessen Vorsitzender er. seit Januar dieses Jahres gewesen, auch war er Vorsteher der Synagoge Lindenstraße. Er war eine milde, versöhnliche Natur, die fern von jeder Parteileidenschaft, allen Richtungen in der Gemeinde zu ihrem > Rechte verhelfen wollte. Ueber die Leichenfeierlichkeiten - behalte ich mir meinen Bericht vor. ER. Aus Norddeutschland, 26. Aug. S. I. S ach s . aus Dwinsk (Rußland), über dessen Ableben Sie in der jüngsten Nummer Ihres Blattes bereits kürz5 berichteten, und der ein Wohlthäter vieler Hunderter armer - Stammesbrüder war, ist in Homburg v. d. H., wo er Genesung für seine Leiden gesucht hatte, in vollendetem sechzigsten Lebensjahre gestorben und am. 18. August zur ewigen Ruhe gebracht worden. , ' Weit über den engen Kreis seiner Familie, über bie Grenzen seines Vaterlandes und seiner Heimathstadt hinaus, erregte die Kunde von seinem Ableben die tiefste Trauer, sie durchzuckte schmerzlich die Gemüther Aller, die seine Verdienste um unsere armen, härtbedrängten Glaubensgenossen Rußlands kennen. lieber tausend jüdische Angestellte Und Arbeiter seiner Fabriken haben ihren Chef,, ihren Beschützer und Berather . verloren. Was der Verstorbenen seinen Glaubensgenossen, seiner Heimathstadt, besonders aber der Dwinsker jüdischen Gemeinde war, läßt sich nicht' durch wenige Worte .sagen. — " \. Sachs entstammte väterlicher- und mütterlicherseits den angesehensten russischen Rabbinerfämilien. und. so widmete, auch er sich in seiner Jugend den rabbinischen . Studien. Auf der Talmud-Hochschule (Jeschiba) zu Woloshien ergab er sich ausschließlich dem.Forschen. . talmudischen Schriftthums und erwarb sich dort in hervorragendem Maße die Kenntnisse unserer reichhaltigen Litteratur. Allein sein strebsamer, vorwärtsdrängender Geist fand in dem ausschließlichen „Lernen" nicht die genügende Befriedigung, er wollte auch „thun" und wandte er sich, nachdem er sich mit einer Tochter des in Dwinsk in hohem Ansehen stehendem Lieferungsunternehmers L. Kamerase vermählt hatte, der.Industrie und dem Großhandel zu. Auf diesem Gebiete entfaltete er seine Thatkraft in solch ausgezeichneter Weise, daß die russische Regierung ihm bedeutende Lieferungen und strategische Wegebauten übertrug. In Anerkennung seiner Verdienste um den Staat, wurden ihm von den russischen Behörden vielfache Ehrungen zu iheil, unter anderen die allerhöchste Auszeichnung, die einem Juden in Rußland gewährt werden kann — er wurde zum erblichen Ehrenbürger der Residenzstadt St. Petersburgs ernannt. Vor Allem jedoch ist seine Begeisterung für das Jü- . denthum und dessen Litteratur und die Liebe zu seinen , Stammesmbrüdern, die ihn beseelte, rühmend hervorzuhebcn. In seinen Fabriken und Bureaus^ die an Sabbaten und Feiertagen streng geschlossen blieben, be- - schäftigte er ca. tausend jüdische Arbeiter und Aufseher. Viele gemeinnützige, wohlthatige ' Anstalten r in Dwinsk verdanken seiner Anregung, seiner energischen - Thatkraft ihr Entstehen und ihre gedeihliche Entwicke-