Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1902)
- Date
- 1902-08-28
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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I deres, ja als etwas ganz Entgegengesetztes dasteht; auf der anderen Seite wird ihm alles genommen, was das Evangelium ihm entnommen, weil es von diesem ^gewaltig" vorgetragen wurde..... auf der einen Seite Methode Delitzsch, auf der anderen Met h.o d e H a rnak: ja, dann ist es lein Wunder, wenn das Judenthum bald da stehen wird in den Augen der Menschen bettelarm an allem geistigen und religiösen Besitz. Da kann es dem Judenthum gehen, wie dem Manne in der talmudischen Erzählung, der zwei Frauen hatte, eine alte und eine junge. Die alte ärgerte sich über die schwarzen Haare ihres Mannes und sie riß ihm jedes schwarze Haar seines Kopfes heraus; die junge ärgerte sich über jedes weiße Haar seines Kopfes, und sie riß ihm jedes weiße Haar, das sie fand, heraus. Der'arme Mann! Natürlich dauerte es nicht lange, da hatte der Mann kein einziges Haar mehr auf seinem Kopfe, er war kahl von der schwarzen und kahl von der weißen Seite! Delitzsch und Konsorten reißen dem Jüdenthum jedes ewig-jugendliche und nie veraltende Element heraus- und weisen es der Tochter des Judenthums zu: wenn das so fortgeht und so fortginge und der Mann sich nicht seiner Haare wehrt, dann wird er 'natürlich bald als ' Kahlkopf dastehen. ' " Darum, du zwischen der Liebe der Archäologen und die der neütestamentlichen Theologen gestellter Mann: Mehre dich deiner Haare! Laß dir weder die weißen, noch , die jugendlich schwarzen Haare herausreißen! Zum Schluß Einiges zur Milderung der Harnakschen Methode. Die stilistische Form, die er gebraucht, und' die allem', die Aufregung hervorgerufen hat, die exklusive Form: Das Evangelium ist nicht eine, sondern die Religion, ist bei Harnak nichts Ungewöhnliches, er wendet sie auch da an, wo er gar nichts Bedeutendes sagen will, und so hat er wohl auch hier nicht mit allem Nachdruck das sagen wollen, was man darin gefunden hat. So sagt. Harnak auf S. 136: „Diese Kirche (nämlich die griechische) hat es verstanden, sich mit den einzelnen Völkern, die sie in sich hineingezogen hat, so zu verschmelzen, daß ihnen Religion und Kirche zu nationalen Palladien geworden sind, ja zu „den" Palla- . dien." Es ist ihm dies eine geläufige stilistische Formel, nichts mehr, und man braucht sich nicht sehr darüber aufzuregen.' Sicher est aber, und das sollte nur hier zum klaren Bewußtsein gebracht werden, daß Delitzsch's ' und Harnak's Methode einander ausschließen,' daß also nach Harnak die Menschheit ihre höchsten Heilesgüter nicht den Babyloniern, sondern dem Judenthum verdankt, und nach Delitzsch man nicht sagen kann: das Evangelium ist d i e Religion. : '? ' 7 : v;; ' - Dr. I. G. •V; 'V riif- '.'-j- ZsttNSSsNsHrichSes «ad GsrsHpssSeNze«. 7" ' -7 ' Rumänie ■-} . Bukarest, 24. Aug. Wenn vor Kurzem von allerentscheidendster Seite die Meinung ausgesprochen 7; wurde, daß durch die Auswanderung der rumänischen. ,.. Juden nicht allein diese selbst, sondern auch das Land empfindlich geschädigt werde, und daß man trachten' müsse, der Auswanderungs-Bewegung Einhalt zu 7 thun, so kann man einer solchen Meinungsäußerung / nur rückhaltlos beipflichten. Aber Letzteres wäre nicht etwa mit Corricitivmaßregeln, sondern nur dadurch zu erreichen, daß die Ursachen des Nebels beseitigt, daß ' Gesetzgebung und Verwaltung in neue Bahnen gelenkt I werden.- -5> *-> ■->-- Ir i'.';'-' In einer Unterredung, welche vor einigen Tagen 7 der Bürgermeister von Jassy, Herr Penescu, mit dem u Redakteur des Journals „Universul" hatte, beklagte er-> den Niedergang dieser vormals, blü^nden Stadt/-der - zweiten Hauptstadt des Reiches, 6000 Juden seienaus-/ gewandert, zumeist Arbeiter, Handwerker, Bedienstete»^ Mangel an Beschäftigung, an Erwerb, die bitterste: Roth habe sie aus dem-Lande getrieben. Ganze Fa- 7 milien mußten .mit 30 Centimes (etwa 24 Pf.) per.' Tag leben. Angesichts einer solchen Nothlage bestelltdie Handelskammer in Jassy Agenten mit der Mission/ diejenigen, welche die -^daselbst. nicht.kundgemachte Sonntagsruhe verletzen, zur Anzeige zu bringen, und7 werden die jüdischen Händler, welche die Vorbereitung, treffen, um an einer Messe in Folticeni theilzunehmen,- vorgerufen und bestraft. . - >. r - Aber nicht genug mit der Unterbindung der Er-; werbsthätigkeit, bemüht sich die Behörde, die Juden in dem zu treffen, was ihnen am empfindlichsten ist, in 7 ihren Kindern, in der Entziehung , des Unterrichtes <m> diese. Seit einem Jahre waltet in dem Bezirke Jassy - ein Schulinspektor, Herr Mustazza, welcher nahezu . .fünfzig jüdische Schulen geschlossen hat/ weil — so heißt es in den betreffenden Verfügungen — die Gegen-, stände nicht gemäß dem analytischen Programme der/ staatlichen Schule behandelt werden. In einem Kinder-^ Asyle wird die Schule geschlossen, weil die hebräischen) Bibeln und ABC-Bücher nicht eine rumänische Uebersetzung aufwiesen. Um all' die Chicanen 'voll zu er-^ . fassen, muß man.einen Blick aus die staatliche Unter-./ richts-Berwaltung Wersen, wie sich dieselbe seit Jahren - konsequent gegen die Fremden und die „Fremd-Ein-; . heimischen", das ist gegen die Juden, kehrt. Der öffentliche Volksunterricht ist unentgeltlich, sagt das Gesetz./ v Aber für jüdische Kinder wurden Taxen von 20 Frcs77 für die Volks-, 30 Frcs. für die höheren Schulen festgesetzt. Als hiermit das Ziel, die jüdischen Kindervon der Schule abzuhalten, nicht in gewünschtem Maße er-