Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1902)
- Date
- 1902-08-28
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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146S auf den Fabrikanten und nicht auf den Kaufmann, der si^ verbreitet, zurückgrht, und Gedanken und Lehren, nach dem M nennen sind/der sie zuerst gedacht und nnigetheilt, und nicht nach dem, .der sie verbreitet hat. Die Verbreitung einer Lehre ist ja ein höchst verdienstliches Werk, vom Standpunkte der Menschheit gebührt ihm vielleicht noch mehr Dank, als dem Denker, von dem sie herstammt. Abergeschichts-theoretisch ist es selbstverstündlich, nicht das Beispiel der Geographie nachzuahmen,: die Amerika nicht nach dem Entdecker benennt. - Ist dies aber selbstverständlich im allgemeinen, so. wird das noch selbstverständlicher, wenn hier eine Steigerung gestattet ist, für das geistige Eigenthümsrecht des Judenthumsnachdem man ihm gegenüber diese Methode in das entgegengesetzte Extrem Lber- 1 r e ibt, daß ihm alles abgesprochen und altern Völkern zugesprochen wird, was nur in einem ganz nebensächlichen Zugsichbei diesen findet.? ./- Nehmen wir nun Harnak's Schrift, mit dieser Voraussetzung ausgeriistet, zur Hand, Harnak's „Das Wesen des Christenthums!"? Harnak hat bekanntlich das große Wort, das so viel Aufregung bei den gebildeten Juden hervorgerufen, in. die Welt geschickt: „Das Evangelium ist nicht eine positive Religion^ sondern es ist'd i e. Re! igi ou."; ' , - ) - " ' ' Was an biefer- Behauptung' ganz besonders Erregung' hervorgerüsen, das ist die stilistische Formel derselben:- Das Evangelium istdie Religion! - - Damit sind'alle andere Religionen zu Religionen zweiten Grades'herabgesetzt,- Er hat freilich, um diese Behauptung wagen zü'können, alles das vom Evangelium aus scheide,n^müffen,.was wohl darin gegeben ist, aber, wie Harnak es nennt, „Statutarisches und Partikularistisches" ist, aber das, was zurückbleibt, ist das Wesen d:s Evangeliums, und dieses ist d i e Peligiom<:M / -^ -V.; '• : ' :V\:. Und was ist dieses Wesen des Evangeliums, wodurch es ^die" Religion ist? Wenn Harnak sagt, das Evangelium ist d i e Religion, wenn er damit alle anderen Religionen zu solchen zweiten Grades degrädirea rer»«;»«* v. i ® 'T>oTtwill, so muß doch dieses Element, welches die Religion ausmacht, ausschließlich dem Evangelium angehören. von keiner andern Seite empfangen und nirgends vorher zu finden sein, es, muß etwas ganz Neues sein, , was nur dem Evangelium eigenthümlich ist. Hören wir/nun^'woriU.'dieseS/ besteht, was das Evangelium zu der Mhe^drhebt,''daß es die Religion ist? Harnak sagt 77- „Gotlder,Vater und der unendliche Werth der Menschenseele.... Jndem man die ganze Verkündigung des Evangeliums auf. diese beiden Stücke “ ^führen kann. Gott, als der Vater, und die )liche Seele so geadelt, daß sie sich mit ibm zusammenzuschließen vermag und zufammenschließt. zeigt es sich, daß das Evangelium überhaupt keine posi- ' " " ’ 1 - — - ' •v - Vj. 'r- .... ... „ . ... . .. .... tive Religion ist, wie die andern, daß es nichts. Statutarisches und Partikularistisches hat,-daß er also die Religion selbst" ist.* (S.; Ist das nicht Merkwürdig? Das Judenthum hat Jahrtausende vorher gelehrt: „Kinder seid ihr des Ewigen, eures Gottes" (Deuteron, 14,1).„Du, Ewiger, bis unser V a t e r" (Jesajah 64, 7), „Haben wir ' nicht alle einen Vater" (Maleachi 2,10), Gott erschuf den Menschen in seinem Bilde, im Ebenbilde Gottes erschuf er ihn" (Genesis 1, 27): und da ist das Evangelium die Religion, und alle andern, auch das Judenthum, ist nur e^n e Religion! :.-n - Weiß Harnak nicht, daß das Judenthunr „Gott - den Vater und den unendlichen Werth der Menschenfeele kennt?" O ja, er weiß es wohl; er selbst sagt: „Was ist denn Neues in dieser ganzen Bewegung gewesen? Meine Herren! Die Frage nach dem Neuen' in der Religion ist keine Frage, die von solchen gestellt wird, die in ihr leben. Was kann „neu" in ihr gewesen sein, nachdem die Menschheit schon so lange vor. dem Stifter der christl. Religion gelebt und so viel Geist und Erkenntniß. erfahren hatte. Der Monotheismus war längst aufgerichret, Md die wenigen möglichen Typen monotheistischer Frömmigkeit waren. , längst hier und : dort, in ganzen Schulen, ja in einem Volke, in.dieMr-^ . scheinung getreten.. Kann der krastvolleimd tiefr religiöse Individualismus, jenes Psalmisten noch überboteu werden, der da bekannt har: „Herr,7,wenn Sch nur Dich habe, frage ich nicht nach Himmel und Erde," Kann das Wort Micha' § .überböten, werden: Ms ist dir gesagt, Mensch, was .gut ist.und was -der- Herr -.. von dir fordert, nämlich. Gottes .Wort halten .u.nd. Liebe. Lben Und deniüihig sein vor deinem' Gotte?". „Aber", antwortet Harnak: „das war auch bei den Propheten, das war auch in der. Ueherlieferüng seiner Zeit zu finden. Selbst die P H u r s s ä e r hatten es; aber sie hatten leider noch viel' anderes daneben." Und das andere war die Kraft. Pharisäische Lehrer hatten verkündigt, im Gebot der Gottes-und Nächstenliebe sei alles befaßt..er aber predigte gewaltig, „nicht wie die Schriftgelehrten und Pharisäer" (Harnak S. 30 und 31.) Also das, was Harnak aus dem Evangelium als dasWesentliche hervorhebt. das „findet sich im ganzen Schriftthum Israels als etwas längst Bekanntes und A n e r k .a n n t e s das ganze israelitische Schristthum und die ganze Reli- - gion des Judenthums ist davon durchtränkt, aber der Stifter der christlichen Religion predigte diesesgew a l t i g, und darum ist die Mutterreligion, degradirt und die Lochterrel.igion.1st .... . d i e Religion!! So verfährt man mit. ixm Judenthum, mit dem geistigen Eigenthum des Judenthums!.-Auf der einen ' Seite wird ihm alles weggxnommerl,^ tzovon^MAur^ eine S pur bei andern ältern Völkern findet^' wenn es •,:-- ifiBSSaSä