Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1902)
- Date
- 1902-08-28
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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:;; ■;■ 1470 reicht würde. Wurden die Laxen auf 30 und 40 Frcs. und^ muerlichrgäv auf 40>und 60 FccZ:-erhöhtt ' llnd' nun stelle man.sich vor, .was solche Summen jährlich per Kind-für einen minder bemittelten, mit Kindern gesegneten Familienvater bedeuten. UeLerdies wird den jüdischen Kindern der Eintritt in die 'öffentliche. Schule nurdann Lestattet, wenn nach Unterbringung aller national-rumänischen Kinder noch Raum vorhanden .ist. Auch dann darf die Anzahl der jüdischen Kinder in einer Schule nicht mehr als fünf Procent sein. Und selbst wenn die Procentziffer nicht, erreicht ist, wird es.nunmehr' den Schuldirektoren nach deren freiem Beließen überlassen, jüdische Kinder zurückzuweisen. .Um /'nun ihre Kinder nicht ohne Unterricht aufwachsen zu lassen, gingen die Juden daran, aus eigenen Mitteln' Schulen zu errichten. Selbstverständlich "hielten'sie ihre aus eigenen Mitteln errichtete, konfessionelle Schule am Samstag geschlossen und am Sonntag' geöffnet.,^ Letzteres verbot der Minister. Es dürfe nicht am Sonntag Schule gehalten werden. . ' Die Juden fügten sich-und schlössen ihre Schulen Samstags und Sonntags; .fünf Tage Schulunterricht seien jedenfalls besser als gär keiner. Wieder folgte ein Verbot des Ministers.: Nach der-Schulordnung müsse sechs Tage in der Woche Schule gehalten werden: Die Juden fügten sich und verlegten die Religionsstunde auf den Samstag:: Neuerliches Verbot des Ministers. Das Schulreglement schreibe genau die Vertheilüng der Gegenstände auf die einzelnen Tage und Stunden vor. Wieder Mußten sich die Juden fügen. Aber all' das hinderteifrige, der sogenannten „Cutturliga" angehörende Schulinspekioren nicht, lokale, hygienische, analytisch-programmatische öder ' sonst allerlei Bedenken Heräuszufinden, um die Eröffnung' von Schulen zu hindern oder bestehende Schulen zu schließen, wie Letzteres beispielsweise seit einem Jahre in dem Jassyer Bezirke so dürchgreifend von Herrn Mustazza - geübt v Ein anderes Capitel: Die Ausweisungen. Wir wollen einen? Fall erzählen. - In Jicila, Bezirk Tulcea (D'obrudscha), lebte ein- Abraham Goldmann, 37. Jahre alt, verheirathtet, Väter vgn vier Kindern. Der. Mann hätte vier Jahre in der rumänischen Armee gedient. --Ausnahme dieser Militärdiensijahre hatte, der Mann Ununterbrochen in seinem Geburtsorte Jizilä gewohnt. Er besaß dort ein kleines Feld, vier Hektaren, -welches er selbst bebaute. Und.hätte sogar noch Staatsländereien in.Pacht,' zwölf-Hektaren,' ' wofür 'er Kn" Jahreszins her 120 Frcs., pünklichst entrichtete. Um denselben Zins würde, als der Pachtvertrag im Jahre. 1960 zu' Ende gmg/ die PaD einem echten National- Rumänen verliehen. Der Grund für diesen Wechsel in der Person des Pächters war offenliegend ein konfessioneller. Nun geschah aber mach mehr. DerMann, dem. der' Bürgermeister amtlich bestätigt^' däß"'v vsichdes' „dessen Rufes erfreut," erhielt einen mündlichen. Ausweisungsbefehl ohne ' irgend' eine Begründung/ Ein paarmal erstreckte der Bürgermeister die Ausweisung. Endlich, im Frühjahr 1902/ mußte dem Befchle des Präfekten Folge geleistet werdend Der Mann mußte um jeden Preis, um 80 Frcs. per Hektar, sein altes?; Besitzthum losschlagen. Der ausgediente rumänische Soldat mußte seinen Geburts- und Heimathsort ver^ lassen; er, seine Frau, seine vier unmündigen Kinder und dazu noch seine alten Eltern, welche seit Menschengedenken dort gewohnt hatten./? '' - . Solche Falle kommen zu Hunderten, .seit Jahren zu vielen Tausenden vor, nur mit dem Unterschiede, daß zumeist andere Bürgermeister weit unmenschlicher Vorgehen; daß die Unglücklichen plötzlich aus ihren Wohnungen aufgestöbert, mit Familie und ihren geringen Habseligkeiten auf Wagen geladen, mit Sack und Pack bei jeder Jahreszeit — auch im strengsten Winter—bis außerhalb der Ortschaften befördert und auf freiem Felde abgelagert werden. Der Aufenthalt im Dorfe ist dem „Fremd-Einheimischen" verboten; und um dieses Verbot wirksamer zu machen, ist eine große Zahl kleiner Städte als Maktflecken oder Dörfler. erklärt worden. ‘i/Ä-v.nww . 1 Und da fragt man nach den Ursachen Kr Äuswanderungs-Vewegung, welche allerdings dem Lande sehr zu Schaden gereicht! Als ein Wunder mochte man . es ansehen, daß solches Leid und Weh ein Menschenalter .hindurch m immer steigendem ,Maße...erd.u.ldet werden konnte! Heute sind es nicht allein die Unbemittelten,, auch Angehörige der Bemittelten,-' die sozial höher gestellten Classen sind es. welche sich anschicken, das Land zu verlassen. Während Erstere sich in Gruppen zusammenthum um sich die Auswanderung zu ermöglichen, gehen die Letzteren daran, ihre kaufmännischen .Geschäfte, ihre ' industriellen Unterneh-?, müngen zu liqüidiren und den Wanderstab zu ergreifen.; In Bukarest sind die Häuser in ganzen Straßenzügen leerstehend. In Jassy klagt der Bürgermeister, daß die Mahala (die Vorstädte) sich entvölkern. Aehnliche Berichte laufen aus nahezu allen ^rumänischen Städten ein. '. --'v : - ' ' T Neues vornehmes Pensionshaus L Ranges unter Aufsicht Sr. Ehrwürdea. Herrn Rrckd. vr. Auerbach, Halberstadt, mit Genehmigung Sr.Ehnv. - Ilerrn Landrabbiner Dr. RUlf, Braunachwelg,; Streng rltaellea Etablissement. Am Walde an schönst. . etanbfireier Loge, 40 Salons mit Balkons der Reueit. elegant eingerichtet. 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