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Der Israelit · 1902-08-28 · Heft 69 (28.8.1902) · page 17

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 69 (28.8.1902)
Date
1902-08-28
Page
– (sequence 17)
Language
German
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'!!! | '•■!!!( i!!;! 1 ■:! i;;! i;!' iliM i Üpll fei jjijf <;il iii; Iji iji I Mi i!i;!!! II IN!!ll!i liüh •lllliii fc- K 43* Jahrgang. ük^Mtchms. r-r-': (Schluß.) Bekannt ist das Mißverständnitz des sog. Neuen Testamentes, das Judenthum lehre nur den Freund lieben, aber den Feind Haffen, und erst die neue Lehre habe gelehrt, auch den Feind zu lieben. So ist das Judenthum in die Mitte zwischen Gegner gestellt, die ihm von vorne und von hinten den Lorbeer streitig machen, zwischen die Tochter-Religion und die Babyloniers Delitzsch macht aber dem N. T. einen schönen Strich durch die Rechnung. Denn wenn schon die Babylonier das Gebot, der Liebe hatten, und dieses Gebot überhaupt ein „unveräußerliches Erbe der menschlichen Natur bildet", dann kann doch das N. T. keinen Anspruch auf die Priorität bezüglich des Gebots der Liebe erheben? Doch weiter: „Die Bibel hat jene schöne, tiefsinnige Erzählung von der Verführung des Weibes durch die Schlange — also wieder die Schlange?" fragt Delitzsch, und er will „den Schleier lüften," indem er hinweist auf einen „alten, babylonischen Siegelcylinder," auf dem die Paradieses-Scene der ersten Sünde, mit einer' S chl a n ge dargestellt ist. Ohne Untersuchung, wie alt dieser Siegelcylinder ist, und ob er nicht seine Abbildung der Bibel entnommen hat, wird hier . . . Gerechtigkeit geübt! Weiter! Die Babylonier stellen sich den „Scheol", den Hades, so vor: „Auf Thür und Riegel liegt Staub, und alles, woran des Menschen Herz sich dereinst erfreut,, ist Moder und Staub." . Nun meint Delitzsch: „Bei solch trostloser Aussicht begreift es sich leicht, daß den Hebräern sowohl, wie d^.e.n. Babylon i e r n langes Leben hienieden als der Güter höchstes erschien" (S. 38). Man traut seinen Augen kaum: um zu wissen, daß dereinst alles Moder und Staub ist, dazu braucht man doch wahrlich weder Hebräer, noch Babylonier zu sein! Und mußte der Hebräer sich diese hohe Weisheit von den Babyloniern holen, um das Leben hoch zu schätzen? Ich habe mir sagen laffen, daß es auch noch andere, tveder. hebräische noch babylonische Menschen gibt, deren innigstes . Gebet ist: „O Herr, schenke langes, dauerndes Leben!" Delitzsch hat aber noch ein Argument, daß das so und nicht anders sein könne: In der babylonischen Unterwelt ruhen die Frommen auf Ruhelagern, und trinken klares Wasser, und die letzte Consequenz hat der Islam gezogen, der das Paradies von kühlen, klaren Bächen durchströmt sein läßt, darum . . ...hat . der alte Israelit seine Hochschätzung des Lebens you den alten Babyloniern!! Das wird von Delitzsch S. 89, 40 und 41 ausgeführt. Ich möchte nur /wissenvon wem Delitzsch seine Logik her hat, vielleicht auch von den alten Babyloniern. Doch nein,, ich thue diesem alten Kulturvolk Unrecht, so unlogisch nmr dieses. Kulturvolk Nicht. — .. >. Wir könnten die sonderbare Logik Delitzschs noch an manchen Beispielen illüstriren, so'z. B. um zu behaupten, daß die biblischen Gottesnamen schön auf drei Thontäfelchen, die er zufällig der Güte des Direktors der egyptisch-assyrischen Abtheilung des Britischen Museums verdankt, Vorkommen, führt er die wunderbar schöne Erzählung von Abraham, wie er? durch Nachdenken über die Vergänglichkeit der Naturkörper; deren Ungöttlichkeit erkannt hat, nicht im Namen? des Midrasch,- sondern des Koran an, um daran die Bemerkung zu knüpfen, daß der Gottesnqme „el" „Ziel"' bedeute, wodurch erklärlich werde, daß schön bei den Babyloniern Eigennamen aus Verbindungen mit diesem Gottesnamen Vorkommen, um dann mit der.Behauptung zu schließen, daß auch der vierbüchstabige Gottesname auf diesen Thontäfelchen vorkomme! Man 'lese nach S. 44, 46, 46 und 47, und man wird' sich überzeugen, daß ich hier nicht karikiere.; Doch es kommt uns hier nicht um die allgemeine? Logik dieser Ausdeutungen der babylonischen Äusgrabungrn an, sondern nur auf den einen Zug: daßwenn n u r das G e rin g st e v o n ei n er Anschauung oder Lehre 'des IudeN>' thums sich schon-bei.'frühe.ien?B'oMe findet, nicht dem sPätern Iudenthüiä, sondernd e m fr ü h er.n Bo l k d ie O r i g snalitL.t z u zuerken.nen?t . Wenden wir nun diese 'Logik auf iqf’ Perhältniß zwischen dem I u de n th/Um-'./und..„'^em/..'natürlich spätem Ehr i st e n t h ü m. an, so würde für.jede Lehre öder Anschauung des Christenthums, tvofüreine Spur nur in dem früheren Judenthum^ der Mutter- Religion, gegeben ist, die Originalität nicht' der jüngern, sondern der ältern Lehre zukommen. / Ganz ungerecht/ ja unlogisch muß es aber demnach' sein,? Lehren und Anschauungen, . die unzweifelhaft . bis.,zur äußersten Consequenz im Judenthum gegeben sind,?/ darum, für spezifisch christlich i zu erklären, . .weil sie.vöndieser Tochter-Religion des Jüdenkhums mit /großen^ ^Nachdruck, . mit/mächtiger Begeisterung /etjya'??v j>M $,$/■’ ' trag eN.wurden. - „„.A Zwar ist das selbstverständlich/ sollte wenigstens selbstverständlich sein, daß der Ursprung einer Wäare

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