Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1902)
- Date
- 1902-08-28
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Kraft unentwegt verfolgte; er wurde, wie Pestalozzi, ein Lehrer der Menschheit, ein Lehrer in und srir Israel, und das war ein Gluck, denn aus diesem Gebiete liegen - nach dem Dichterwort, «die festen. Wurzeln seiner Kraft." So sehen wir denn gleich in der ersten Zeit seiner erzieherischen Thätigkeit in Weinheim und Karlsruhe ein zweites München-Buchsee und Jfferten entstehen. Wer, wie ich, den Vorzug gehabt, einer, dieser Anstalten als Schüler anzugehören, der tonnte sehr bald erfahren, daß Lernen nicht ein Last, sondern eine Lust sei, der konnte die Beobachtung machen, wie körperliche und geistige Ausbildung gleichzeitig gepflegt und wie mm ü. pa Tmiurein einziges, untrennbares Ganzes bliden. In diesen Anstalten herrschten, um mit einem bekannten Pädagogen zu sprechen, nicht Wind und Regen, noch weniger Blitz und Donner, sondern Licht und Wärme. Dc. waren die einzigen Mittel der Erziehung Liebe und Menschenfreundlichkeit. Aber das genügte dem in erzieherischer Thätigkeit immer höher strebenden Geiste unseres hochgeehrten Herrn Jubilars noch nicht, sein Streben war darauf gerichtet, durch Heranbildung von Jugendbildnern sein Wirken zu ver- . zehn-, zu verhundert-. ja zu verausendsachen. Daher sehen wir ihn denn schon damals in Karlsruhe unter Darbringung großer finanzieller Opfer — und wer dächte nicht auch hier wieder an Pestalozzi — seiner Anstalt ein Seminar angliedern, und als nun vor ca. 34 Jahren der ehrenvolle Ruf an das eben errichtete Seminar in Düsseldorf ihn traf, da verließ er in freudiger Zuversicht sein herrliches Besitzthum in Karlsruhe, um ungesäumt diesem Stufe Folge zu leisten. Was der hochverehrte Herr Jubilar in diesen arbeitsvollen 34 Jahren geleistet, welch' vortreffliche Kräfte er dem Judenthum zugeführt,-das zeigt sich am besten in der Erscheinung, daß die aus dieser Anstalt hervorgegangenen Lehrer weit über die Grenzen unserer Provinz hinaus die gesuchtesten und begehrtesten sind, und daß des Fortschritts des altüberlieferten Judenthums in den beiden Nächbarprovinzen nie Erwähnung geschieht, ohne gleich- ’ zeitige Nennung des Namens Dr. Hirsch Plato. Bevor ich nun zum Schluffe eile, möge noch eines edlen Zuges unseres hochverehrten Herrn Jubilars Er- - wähnung geschehen, der uns so ganz das Denken und Empfinden dieses seltenen Mannes vor die Seele führt. In der nächstwöchentlichen Sidra lesen wir: 12 mrr fru 'K "r 1NU •praö-'TW TnR3 jrx inuv p»2K . nnan nna w puKn inso nrr papn vb\ *p2^ m psn reera /irr:J'wasn ' esjrn «Wenn sich unter Deinen Brüdern in einem Deiner Thore ein Dürftiger befindet, in Deinem Lande, - das .der Ewige, Dein Gott, Dir gibt, dann verhärte nicht Dein Herz vor Deinem dürftigen Bruder, sondern öffne . ihm Deine Hand und leihe ihm, soweit sein Bedarf ist, der ihm fehlen, wird.? ./Ich will hiermit nicht einmal auf den bekannten, sprichwörtlich gewordenen Wohlth'ätigkeitssinn^ unseres hochverehrten Herrn Jubilars Hinweisen, sondern darauf, daß derselbe diesen Thora- Ausspruch auch im übertragenen Sinne zur Richtschnur seines Handelns gemacht und niemals' einen: geistig Dürftigen, der da kam, um sich von seinem Lichte be- ' strahlen zu lassen, von der Schwelle gewiesen, nnx2 TW,. woher er auch immer kommen mochte, mochte, er '' Pole, Russe oder Türke kein, er hat ihm gerne die Thore . seiner Anstalt geöffnet und es hat sich da bewahrheitet, was unsere Weisen in einem so hübschen Gleichnisse aussprechen: ote npb vbv dtj« bwi &'inunfr obn - u» K'Sim t&p 2® rm cd. „Wenn Jemand einen Gewürzladen besucht und er kauft auch nichts, so bleibt doch immer etwas von den Wohlgerüchen an seinen ' Kleidern hangen Dp «'Dm — und das nimmt er mit hinaus^" >'' - :•;% :•••• v•. Und nun noch einmal kurz zum Anfänge zurückkehrend. statt ich Ihnen, hochverehrter Herr Direktor, im Namen aller Ihrer. Schüler unseren innigsten, tief empfundenen Dank ab für die Liebe und Freundlichkeit, mit der Sie uns stets umgaben, für die geistige Befruchtung, die wir von Ihnen empfangen und nicht zuletzt für die Liebe, zur Wissenschaft und für das Streben zur Fortentwickelung, das Sie in uns verpflanzt und bringe Ihnen im Namen des Lehrerkollegiums dankende .. Huldigung dar für die kollegialische Gesinnung, die Sie. uns stets entgegengebracht und für die wirkungsvolle' Unterstützung, die Sie uns in. unserem gewiß nicht leichten Amte haben, angedeihen lassen. - So will ich mich denn, hochverehrter Herr Doktor^ für heute von Ihnen verabschieden, nicht aber, ohne . Ihnen, im Namen des Lehrerkollegiums und der Schüler der Anstalt ein Zeichen dankbarer Erinnerung zu überreichen. Als wir uns fragten, was das nun fein solle, da war mit der Fragestellung auch die Antwort bereits ' gegeben; denn darüber waren wir uns sofort klär, kauf- - lich durfte es nicht sein, für Geld durfte cs nicht zu haben sein, gleichwohl mußte, es hohen Werth haben und zwar so sehr, daß es einer Schätzung nicht unter- ' liegen konnte. Hiermit ivar die Frage endgültig gelöst, denn etwas Unschätzbareres, als Sie selbst,' hochverehrter' Herr Direktor, gibt es für uns, gibt es für alle Ihre Schüler nicht. Wir haben deßhalb Ihre Photographie unfertigen lassen, und indem wir Sie bitten, diese als ein Zeichen dankbarer Erinnerung aus unseren Händen entgegen nehmen zu wollen, versichere ich Ihnen zugleich, daß es unser unausgesetztes Bestreben sein wird, an dieser Jdealgestalt uns emporzuranken, sie zum Leitstern unseres Denkens, Empfindens und Handelns zu machen und unausgesetzt uns zu. bemühen, diese Jdealgestalt,. wenn auch nicht, was ja ein vergebliches Bemühen wäre, zu erreichen, so ihr doch möglichst nahe zu kommen. Daß uns hierzu die Kraft nicht fehle, das walte Gott!" V'i : ' - i »