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Der Israelit · 1902-08-28 · Heft 69 (28.8.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 69 (28.8.1902)
Date
1902-08-28
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43. Jahrgang. M R ttiidfi 5)r. Ästs's. Ml«. Rede deS Herrn LeminarlehrerS Max Schwarzschild. Hochvcressrker Herr Direktor! - - Im Aufträge des Lehrerkollegiums und der' Schüler des Seminars beehre ich mich. Ihnen zur achtzigsten Wiederkehr Ihres Geburtstages, unsere herzlichen, tiefempfundenen Glückwünsche darzubieten und hiermit den Wunsch zu verbinden, daß es Ihnen vergönnt sein möge, die Wiederkehr dieses Tages in voller Gesundheit, in körperlicher und geistiger Frische, zürn Glücke Ihrer hochgeschätzten Familie und zur Freude Ihrer vielen, ungezählten Freunde noch recht, recht oft, n» onw rxo zu begehen. Indem ich Sie nun,, hochverehrter Herr Direktor, bitte, mir gestatten zu' wollen, an diese unsere Glückwünsche eine kurze Betrachtung knüpfen zu dürfen, möchte ich mit Nachdruck hervorheben, daß ich hier nicht in meinem Namen spreche; denn wollte-ich all die Beziehungen erwähnen, die seit c£L 40 Jahren mich mit Ihnen verbinden, wollte ich all die^ Güte und Liebe hervorhebeh mit der- Sie mich stets als wahrer, väterlicher 'Freund umgeben, wollte ich all das Glück schildern, das ich durch das unbegrenzte Wohlwollen, dessen Sie mich stets gewürdigt, empfunden und. empfinde und endlich schildern, wie all unsere Freude und -unser Leid innerhalb - dieser vier Jahrzehnte unter dem Einflüsse gestanden, daß getheilte Freude doppelte Freude, aber getheiltes Leid halbes Leid' ist, dann würde nicht nur die Zeit hinschwinden, ohne daß ich damit zu Ende käme, ich hätte auch zu befürchten, meinen Empfindungen zu unterliegen: ich stehe dcßhalb hier nur als ein Einzelner Ihrer zahlreichen Schüler, als einzelnes Mitglied des Lehrerkollegiums. Soll ich nun trotz der wenigen mir zugemessenen Minuten ein Bild der Lehrtätigkeit' unseres hochverehrten' Herrn Jubilars auch nur andeutungsweise entwerfen, so muß ich schon meine Zuflucht zu einem Bilde nehmen, und da glaube ich nicht weit ab von der Wirk-, lichkeit mich zu entfernen, wenn ich auf die Entstehung eines Bildes in der photographischen Kämmer hinwelse. Dort wird eine vorher präparirte Platte den leuchtenden Strahlen einer intensiven Lichtquelle ausgesetzt. - Diese Lichtquelle übt aber nur wenige Sekunden ihren. Einfluß aus, die Entstehung des'Bildes kann nun eingeleitet werden. Waren aber.diese Lichtstrahlen Emanationen des Hellen Tageslichts, waren es heitere, ungetrübte Sonnenstrahlen, so genügen diese kürzen Augen- . blicke, um ein wohlgelungenes Bild hervorzüzaubrrü. Auch dem Lehrer, verehrte Freunde, wird . ein von höherer Macht praparirtes Objekt in die Hände gegeben, und auch nur auf ein^ verhältnißmaßig kurze Spann« Zeit. Kein Lehrer vermag daher die Ausbildung deZ Einzelnen zu vollenden; er kann diese eben nur einleUen, die Vollendung ist in die Hände des Zöglings selbst gelegt, wozu noch eine Reihe unberechenbarer Fährlichkeilen kommen.. Aber der Zögling wird seine Ausbildung vollenden und alle Fähigkeiten : mit. Leichtigkeit überwinden, wenn nur hie geistigenStrahlendie seine Seele betroffen, derart wären, daß sie einen unauslöschlichen Eindruck Unterlassen. . Und därin^ 'meiste'verehrten Freunde, bestand und besteht die Größe und- Nn- 'erreichtheit unseres hochverehrten Herrn Jubilars,. daß er, den Sonnenstrahlen gleich, mit Freundlichkeit 'und Milde und doch mit einer Stärke und einem, Glanze seine Schüler beschienen, daß auch, die kürze Zeit, ha ihm ein Einfluß auf dieselbe gewährt war/ genügte; um aus allen, ohne Unicrsckied, - Männer hervorgehen, jü lassen, die zum Glücke der ihnen anvertrauten Jugend in dem hehren Geiste ihres großen, unerreichten Bor?-, bildes gewirkt haben und weiter /wirken? Dieses, Bild wird nun allerdings erst Leben und Gestalt Erhaltest; wenn wir unseren hochverehrten Herrn Jubilars mit einem Manne vergleichen, dessen pädagogische Tätigkeit nicht nur das ganze vorige Jahrhundert beherrscht hat, sondern auch vorbildlich , sein und bleiben wird ,für^aste Zeiten und diese pädagogische Jdealgestalt ist kein.Geringerer als Johann Heinrich Pestalozzis; Pestalozzi war durchaus nicht, wie. so viele, fälschlich meinen, .von vornherein für den Lehrerberuf, bestimmt, sein Studien-, gang bewegte .sich in ganz anderer Richtung und hätte, er diese Richtung verfolgt, er hätte zu den höchsten Ehren und Würden gelangen können. „ Aber danach stand sein, hoher Sinn nicht, sein unvergleichlich gutes Herz, seine Liebe zur. Menschheit. . fein, rein menschliches Fühlen und Empfinden trieb ihn in die Bahnen, . die er aus eigener freier Entschließung betrat: er wurde Lehrer, > um die Menschheit aus ihrer geistigen Roth zu befreien.. Eine ureigene Kraft, wie er war, kümmerte er sich nicht., um hergebrachte Lehrmeinungen, er begann vielmehr. sein Werk aus eigenster. Initiative, nur:.-' aus' eigenem -• Geiste schöpfend und. der besten Lehrmeisterinder Er-> sabrung. folgend..So hat er Unverqleiches und Ünver-.. gänzliches geschaffen, bis. seine. Schöpfungenin Mün-- chen-Buchsee und Jfferten ihren Höhe-undGlanzPÜnkt erreichten.^ .Jedes dieser' Wortefast, ' nicibcjce^Tteil / Freunde,". läßt sich aus, unseren. hochverehrten;Äerrn-.) Jubilar anwenben. Die Eingeweihten vonuyswissen/- daß .auch ihm. der Weg' zu Len .höchsten Ehrenstellen ebnet' war. aber sein,,rdles, i.udisW-Mrz,..Rm^Höh^.; Begeisterung für . das altübe'rtteferte JühenMm und', das ideale Streben, diesem neues Blut zuzuführey, ihm. begeisterte Anhänger zu verschaffen, ließ ihn denMg' einschlagen, den er bis zur äußersten Grenze seiner

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