Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1902)
- Date
- 1902-08-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Ruhe, und Langschläfer lammen überall zu spät. Mit jthw rbm wurde der junge Tag begrüßt, hernach die Wanderung zum Brunnen angetreten, woselbst die Kapelle von 6—8 Uhr konzertirte, während die Gäste zum widerlich schmeckenden Jodwasser eilten und einige Gläser desselben, theils mit, theils ohne Mischung, kalt oder erwärmt schlürften. «Das wievielte?" bildet unter Freunden und Bekannten den stets wiederlehrenden Refrain, und es sieht recht possierlich aus, wenn Jung . und Alt.den „Becher lebendigen Wassers" im Garten herumträgt, & h. nur bei günstiger ' Witterung, - an Regentagen hingegen.in der gedeckten Wandelbahn, bis die rastlosen Zeiger der Uhr zum Ausbruche mahnen. S.cho.n der erste Morgen fesselte uns-an diese «heiligen Hallen", die für schleppentragende Damen ein erschreckendes Plakat enthalten. Da lenkte sich der Blick von diesem aus eine Gruppe, die um einen Herrn gebildet war, der einen an Gebrechlichkeit nichts zu wnn-. scheu übrig lassenden Regenschirm aufzuspannen versuchte und dafür nur dessen Gerippe zum Durchstechen der morschen Hülle brachte, wobei immer das Begleitwort vernehmbar wurde: „gibt's denn hier Ganofim?" . Diese Rede mußte von fast allen Umstehenden verstanden worden sein, denn die ausbrechenden, schallenden Lachsalven legten Zeugniß davon ab und dürften ein Beweis sein, daß sich eine stattliche Anzahl des.. „am seguloli“ an Ort und Stelle befand, wenn man nicht ohnehin solches an gewissen anderen Merkmalen beobachtet hätte, allerdings nicht an der Führung und Lebensweise^ die von der überwiegenden Mehrzahl in keiner Hinsicht nach jüdischem Ritus bethätigt wurde. Traurig — aber wahr! Da drängte sich der biedere Landbewohner an mich heran und klagte sein Leid in allen Tönen des Jammers,.daß ihm der eigens für. die Reise gekaufte Regenschirm bester Sorte gegen einen solch' verlebten.und ausgedienten, höchstens als Vogelscheuche verwendbaren vertauscht worden sei, und unbekümmert um der Zuhörer Menge interviewte er mich weiter: „Sie sind doch ein Val Jisroel?" Llls ich ihm dies zugab, verwandelte sich seine düstere Miene in die denkbar freundlichste; er bedauerte nicht mehr den Verlust, sondern berührte ein ganz anderes Thema und erklärte kurz und bündig:. „Bei Ihnen esse ich und bin einer schweren Sorge überhoben; denn schon seit drei Tagen schwebe ich zwischen Furcht und Hoffnung, entweder abreisen zu müssen oder eine gleichgesinnte Seele zu finden, die den Bedürfnissen meines Hungers Rechnung zu tragen vermag." Es gab in diesem Falle für uns. kein Widerstreben, und wir waren wider Erwarten um einen Kostgänger reicher geworden.i „Das Menschenherz, die Erde schwankt. Die Seele, die Gesellschaft krankt; . Nur eins steht fest in Sturm und Graus:' Das jüdische Familienhaus!" ' ' - Der Neuzuwachs war der vorzüglichste Reporter/ welcher , im Laufe des Tages Erfahrungen'llnd' Neuigkeiten sammelte, die beim Mittägstifche zur Wiedergabe gelangten und manchmal ergötzlicher Art waren. Es ' erging ihm oft wie dem Wilden, der Europas über- , tünchte Höflichkeit nicht, kannte, — wie es im Gedichte > heißt, — und gar nicht begreifen wollte der schlichte \ Mann des Volkes, daß insbesonderedasweibliche Geschlecht so leichterdings über' die rettgionsgesetzlichen Vorschriften den- Stab' brach und die. Stimme. Hs 'Ge-- ’ Wissens mit den leeren;: mWsäge'Mn/^MdenSärteft; beschwichtigte und' einzülullen versuchte, ^Hast Mail in Tölz nicht. rituell. leben könne. ' Es sei einmäl nicht . anders; aber dafürwerde die Haushaltung ber der Rückkunft wieder ebenso koscher geführt' wie voxhe/. - Nette Grundsätze! Wo man'ging und stand,Hürde von Religion geplauderß dieKüchederfrommenJehüdim gerühmt, die Fleischbeschau derselben :' verherrlicht, die' Gesetze der Reinheit als das Höchste gepriesen,'HrWalle^ und jegliche Gebräuche besprochen und belobt, .die Voreingenommenheit der ' Andersgläubigen/ insbesondere-' gegen die sog. gebildeten Juden, bie’ „Neuen", einge- ■ sehen, und unbeküm mert um alle Vorgänge der wahrnehrnbaren Sinnenwelt und unwiderlegbaren. That- . sachen, traten gerade jene Leute die Religion am meisten, mit Füßen, die so viel von ihr sprachen und bekräftigten die Wahrheit des Sprichwortes:;,Wex viel von' seinen Thalern redet, hat nicht viele." Zu ihrer Ehre fei; es aber gleichzeitig auch festgestellt; baß: mehrere Fgmitten anwesend waren, die fast alle.dem flachen Lande zuzuzählen sind, welche gleichfalls .die Bürde ' de/ . Führung eines eigenen koscheren Haushaltes ühernom-/ men hatten. Aller Ansichten stimmten darin, übetein, daß es jedenfalls lohnend und für die orthodoxe Sache;' förderlich wäre, eine rituelle Speisewirthschaft am/ Platze zu wissen^ ein Sammelpunkt für mancherlei Zwecke. Doch darüber das nächste Mal! (Frtsetz. folgt.) Mainz. Betreff der Vorgänge in einer' jüdischen Restauration in Dinslaken, ist es erfreulich berichten zu können, daß der Betreffende sich verpflichtet hat; J. alles mal f’ns zu thun, was nöthig ist, um das voll-/ ständige Kaschrus in seinem. Hause - Hrzustellen, und daß fernerhin nur Fleisch von. der dortigen. Schechita gebraucht wird.: , (Wir halten es für angebracht, betreffs des Kasch- - rus in einem Restaurant sich vorher stets an geeigneter Stelle zu erkundigen,)^ . .. S p r e chs;; Dinslaken,14. Äugust. : : Ich beziehe mich auf das Eingesandt aus Dins^ ■ - laken in Nr. 63 des „Israelit" und theile, Ihnen mit/ daß in meinem Restaurant nur Fleisch von . solchen - Thieren zur Verwendung, kommt, welche vom hiesigen'/'