Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 69 (28.8.1902)
- Date
- 1902-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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dankte er einem Jeden, darauf Hinweisend, daß er doch unmöglich alles das habe leisten können, was er soeben gehört — sonst würde er doch wohl nicht ein so hohes Alter erreicht haben — dankte er tiefbewegt dem Kura^ torium des Lehrerseminars für die Sorgfalt, die es ihm habe zu Theil werden lassen, und die es ihm ermögliche, den Rest seiner Tage in Ruhe zu verleben. Er dankte dem Kuratorium, daß es immerfort auf seine Intentionen bereitwilligst eingegangen sei, sodaß er die Anstalt zu dem habe machen können, was sie sei. „Doch zu dem guten Rufe," so bemerkte der Jubilar weiter, „haben nicht zum wenigsten Lehrer und Schüler beigetragen." Den Lehrern der Anstalt — insbesondere den Herren Schwarzschild und Gut — dankte der Jubilar für die hingebungsvolle Arbeit,, der ste fich für die Schüler uüterworfen, die sie nicht nur unterrichtet, sondern auch beaufsichtigt und erzogen hatten, dabei bemerkend, daß beide Lehrer, seine ehemaligen Schüler, trotz der großen Anforderungen, die man an sie stelle, noch die Zeit gefunden hätten, die höheren Examina zu bestehen, die sie dazu berechtigen, selbst Leiter von Seminarien zu werden. Dann wandte sich der Jubilar an die Schüler, ihnen zu danken für den Fleiß, den sie stets entfaltet hätten. „Kuratorium. Lehrer und Schüler sind es, die der Anstalt einen solchen Ruf verschafft haben, daß es für uns unmöglich ist, allen Nachfragen, die von den Gemeinden an uns kommen, gerecht zu werden." Ausdrücke herzlichsten Dankes fand der Gefeierte für seine Gattin, die ihm stets zur Seite gestanden, die ihn gehegt' und gepflegt hübe, die es verstanden, die Gedanken, die er gehabt, in die That umzusetzen. So sei es gekommen, daß, während andernorts die Wohlthätigkeitsanstalten in den Händen von -Neologen lägen, sie hier nach der Tradition des altüberlieferten Judenthums geleitet würden.— Daß der Jubilar nicht nur in hiesiger Gemeinde, sondern auch iveit über die Grenzen des Vaterlandes geschätzt wird, beweisen die Hunderte von Telegrammen, die. hier einttafen. Wir sind am Schluffe und haben nichts mehr hinzuzufügen, als den Wunsch, daß dem Jubilar nach einem an Prüfungen reichen Leben fortan nur Glück beschieden sein möge, nach dem.Schlußsätze des vorwöchentlichen ProMtenabschnittes: Kito' nncw pfct? mm fepl rmn na. ZsMmgZrrschrichLerr rmd SosVssysrwmZem. 'Deutschland. Berlin, 26. Aug. Gegen den Grafen Pückler- Kl.-Tschirne ist von der Berliner Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen Aufreizung zu Gewältthätigkeiten eingeleitet worden. Diese wird in der Rede des Grafen über den angeblich in der Schveiz gegen ihn verübten Vergiftungsversuch gefunden. Des weiteren, hat,, nach dem „Niederschles. Anz." die Staatsanwaltschaft gegen den Grafen Pückler Anklage, wegen Beleidigung -des - Geh. Sanitätsrath Dr. Neumann in Glogau erhoben. Berlin, 26. Aug. Das neueste Heft der Zeitschrift des königl. preußischen statistischen Bureaus bringt in einem Aufsätze über Universitätsbesuch und Studentenschaft auf den preußischen resp. deutschen Hochschulen nicht uninteressante Ziffern über den Antheil der^ Juden -daran. Die wichtigste und merkwürdigste Ziffer ist der. Rückgang der Zahl der jüdischen Studenten. Derselbe macht sich schon auf den höheren Lehranstalten geltend, denn während auf diesen im Jahre 1890 noch 8,9i pCt. Juden waren, sind es im Jahre 1900 nur noch 7,55 pCt. Auf den Universitäten sind die entsprechenden Zahlen. 1890 jüdische 8.98, 189.5: 8,97, 1900 nur 8,11 pCt-. Dieser Rückgang , ist ganz ohne Zweifel auf die sinkende Geburtenziffer bei den Juden zurückzuführen, auf die wir schon wiederholt hingewiesen haben. Alljährliche haben wir an dieser Stelle unter der Ueberschrift mahnende. Ziffern nachgewiesen, wie bedeutsam dieser Rückgang ist, und zu welchen Consequenzen er schließlich führen muß. Ganz besonders überwiegend ist der Antheil der Juden an dem medizinischen Studium, denn sie liefern für diese Fakultät im Jahre 1890: .18,55 pCt., im Jahre 1895:17,07 PCt., endlich im Jahre- 1900: 14,60 pCt. Der schnelle Rückgang ist wohl auf dir schlechte wirthschaftliche Lage der Mediziner zurückzuführen, denn gerade der ärztliche Beruf ist besonders: stark überfüllt. Was aber den speziellen: Antheil der. Juden an diesem Berufe angeht, so finden wir darüber in der amtlichen Veröffentlichung Worte, die zwar eine alltägliche Wahrheit enthalten, aber die man doch gerade an. diesem Orte nicht zu finden erwartete hätte. Es heißt nämlich auf Seite 82 wie folgt: ,;y Ueberdies gewährt den Juden ihre Ansässigkeit in größeren und mittleren Städten, welche sie bevorzugen, bessere Gelegenheit, die Söhne auf höhere Lehranstalten zu.schicken, wovon die Folge dann auch eine regere Betheiligung am Studium ist. Dazu kommt noch. der . Umstand, daß in Deutschland dem Juden das Ein-- treten in einige Berufe durch das herrschende Vorurtheil außerordentlich erschwert, ja mitunter unmöglich gemacht wird, so beispielsweise in den Osfiziersstand. Daraus erklärt sich auch die Vorliebe der Juden für das Studium der Medizin. .Schon als Jurist kann.der Jude ein gutes Fortkommen vorzugsweise, nur in der freien Vrrufsthqtigkeit des Rechtsanwaltes,. im Bank-,. Versicherungs- und Jndustriewesen finden, was nicht jeder Fähigkeit und Neigung entspricht; als Einzelrichter wenigstens werden Juden in der Regel nicht bestellt. . In der philosophischen Fakultät wird er auch, nicht häufig auf eine Lehrtätigkeit an einer höheren Schule hinstreben. Es bleibt ihm für uneingeschränkte wissen-