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Der Israelit · 1902-08-25 · Heft 68 (25.8.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 68 (25.8.1902)
Date
1902-08-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1444 G. hat aber keinen Schochet, wer schlachtet denn für ihr Gasthaus? ^HerrCantor und Prediger Bär aus Waldenburg, sautete gewöhnlich die Antwort, das befriedigte und ^ruhigte die Kurgäste, und dasjeden Menschenschutzende.und dessen Vertrauenswürdigkeit außer Fragt stellende n-pnx npm oder jv*bo npm stand auch Frau G. bei, und die Kurgäste ließen sich's bei derselben gutschmecken. Mit einem Male verbreitet sich das' Gerücht — und das Gerücht durcheilt alle Reihen und Schichten der jüdischen Kurgäste wie ein Lauffeuer: Frau G. kauft „trefe" Fleisch, und alles, was sie ihren Gästen an.Speisen reicht, steht mit allen Begriffen und . Gesetzen von „Kaschrüth" auf sehr gespanntem Fuße. Die Erregung, ja Erbitterung der jüdischen Kurgäste ist eine unbeschreibliche, und diese Erregung und Erbitterung steigern, sich, als der verehrte Kantor und Prediger Herr Bär aus Waldenburg aller Welt . mittheilt, er habe in den letzten acht T ä g e n für Frau G. .nicht, mehr als zwei Hühnchen und in den letzten v i e r z e h n Tagen nicht mehr als sieben Hühnchen geschlachtet, Vkindfleisch habe sie aber in den letzten acht Tagen auch nicht ein einziges Loth bezogen! Woher nimmt sie also das nöthige Fleisch, Um 50—60 Gäste täglich mittags und abends zu speisen? Als ob ' an dem allein nicht genug wäre, sagt der christliche Wirth resp. Hausherr des „Augustahofes" vor sehr " glaubwürdigen Zeugen aus, Frau G. habe sich von ihm. ihrem christlichen Hausherrn, Geschirr zum Kochen, ausgeborgt, u. s. w. Diese Gerüchte und Zeugenaussagen dringen selbstredend auch ans Ohr der anwesenden Rab- - biner, und obgleich lein Einziger derselben bei Frau G. gespeist, halten sie es doch für ihre heilige Pflicht, . die Sache zu, untersuchen und — >.ws -totA — auf ihre Wahrheit zu prüfen. Es konstituirt sich ein pi N'2 aus drei Rabbinern und die mühselige und . verantwortungsvolle Untersuchung beginnt. Wir sagen ve r a n t w o rtnngsvo l l, denn einerseits handelt es. sich um die Existenz einer Wittwe. andererseits aber um das religiöse Heil und Wohl Hunderter von Jehudim, um den. Schutz und die Wahrung unseres hochheiligen, göttlichen Speisegesetzes! Wir wollen den geehrten Lesern dieser geschätzten Blätter, nicht den ganzen schwierigen und langwierigen Verlauf der Unter- . suchüng hier mittheilen, wie das Beth-Din die jüdischen und nichtjüdischen Dienstboten in der Küchevernommen, ' wie die Rabbiner von einem christlichen Fleischer zum andern gingen, um zu erfragen, was für Fleisch Frau G. von denselben gekauft habe u. s. w. In aller Kürze wollen wir sagen, daß, obgleich die Untersuchung nichts ' Gravirendes, schwer Belastendes gegen Frau G. zu Tage förderte, obgleich kein einziger nichtjüdischer Fleischer von Frau G. ausgesagt,.daß sie „trefe" Fleisch . von ihm gekauft hätte, das ganze Gebühren, Benehmen - und Handeln der Frau G. von einer „Unerfahrenheit und Unwissenheit" in jüdischen Dingen zeuge, die ihrem Speisehause in den Augen frommer und gesetzestreüer Jehudim durchaus nicht zur. Empfehlung gereichen. Wir wollen Frau G. durchaus nicht beschuldigen, daß sie in böser Absicht ihren Gästen verbotenes Fleisch zum Essen gibt; im Gegentheil, wir wollen zu ihren Gunsten ausdrücklich hervorheben, daß sie Nachweisen konnte, daß sie sich auch aus Breslau Koscher-Fleisch kommen ließ, aber sie hat auch in Salzbrunn und Waldenburg Fleisch von nichtjüdischen Fleischern gekauft, resp. sich in's Haus schicken lassen, das „ohne jede Kontrole von jüdischer Seite gewesen," was, wenn Frau G. auch im guten Glauben, daß das ihr gebrachte Fleisch koscher sei, gehandelt.dennoch einen argen Verstoß gegen unser Religionsgesetz bedeutet. Ein jüdisches Restaurant darf nur das Fleisch seinen Gästen reichen, das „unter steter, ununterbrochener Aufsicht und Kont r o l e eines Iehudi ist!" Wenn Frau G. nächstens wieder ein Restaurant für jüdische Kurgäste eröffnen will, dann rathen wir ihr in ihrem, wie im Interesse der jüdischen Kurgäste, daß sie sich an einen der frommen Herren Rabbiner wende, ihn um Rath und Belehrung bitte, und. die Herren Rabbiner werden ihr gerne sagen, wie eine religiöse und gewissenhafte Frau, die jüdische Gäste bewirthrt, handeln müsse, um ihre Pflicht gegen Gott und Menschen zu erfüllen. Was das Geschirr des christlichen Hausherrn betrifft, .hat Schreiber dieser Zeilen selber mit dem Hausherrn darüber gesprochen. Der Hausherr aber sagte, es sind allerdings durch die Dienstboten seine Teller in die Küche der Frau gekommen, aber seine ursprüngliche Aussage, daß er Frau G. Geschirr zum Kochen geborgt, stellte er in Abrede. Herr Oberkantor Sp. aus Breslau aber, der obige Aussage aus dem Munde des Häusberrn gehört, hält seine Zeugenschaft aufrecht. Wem soll man glauben? ... ZertrmgsnsHrichLesr imd Eorresponverrzerr. Deutfchkan d. Dessau (Anhält), 21. Aug. . Dem Hofzahnarzt H i r s ch f e l d wurden heute von Sr. Hoheit dem Herzog von Anhalt die Ritterinsignien zweiter Klaffe des Anhalt-Hausordens verliehen, und zwar aus Anlaß der 25jährigen ehrenamtlichen Wirksamkeit als Friedensrichter. Auch hat Hofzahnarzt Hirschfeld sich auf dem Gebiet des Begräbniß- und Armenwesens große Verdienste um die jüdische Kultusgemeinde seiner Vaterstadt erworben, denn er ist schon seit Jahren erster Vorsitzender der Gesellschaft der Barmherzigen Brüder und Mitglied des Repräsentanten-Kollegiums seiner Gemeinde.; .;

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