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Der Israelit · 1902-08-25 · Heft 68 (25.8.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 68 (25.8.1902)
Date
1902-08-25
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43* Jahrgang. ri Gedanken aus einem Badeorte. , Von / . .. Rabbiner Dr. Kohn, Inowrazlaw -? - > . III. Der geistliche Stand war, wie immer, auch dieses Jahr in Salzbrunn stark vertreten. Diejenigen, die das ganze Jahr hindurch an den „Quellen" der Wahrheit weilen, aus dem „Brunnen" der Religion die lebendigen Gewässer der Gotteserkenntniß schöpfen und mit denselben ihre Heerden tränken und laben, wissen am Besten,den Werth der Salzbrunnen-Quellen zu schätzen, und'den unschätzbaren Dienst, den der „Oberbrunnen" den Athmungsorganen leistet, zu würdigen. Wie oft muß der Geistliche seine Stimme vergeblich erheben, wie oft fruchtlos, wirkungslos seine Rede an seine Gemeinde richten; welcher Stärkung und Kräftigung bedarf da Stimme und Rede, wenn man in diesem schweren, verantwortungsvollen Kampfe nicht ermüden und erlahmen soll. Mit welchem Ernst, mit welcher Andacht nimmt der Geistliche das Glas „Brunnen" aus der Hand des „Brunnenschöpfers", wohl wissend, daß er selber auch, nichts anderes ist, als ein „Brunnen schöpfer", er schöpft nämlich das lebendige Wasser der Erkenntniß aus den unversiegbaren Quellen der Religion, der - Wissenschaft, und reicht es den nach Wahrheit Dürstenden, und nach Veredlung und Vervollkommnung Strebenden. Nicht nur katholische und evangelische Geistliche sah man sehr zahlreich vertreten, sondern auch Rabbiner waren in einer Anzahl da, daß wenn event. ein Beth-Din nothwendig sein sollte, und wir werden bald hören, „es war in der Thai nvth - wendig geworden, man keinen Augenblick wegen der Dreizahl in Verlegenheit gerathen konnte. Jeder einzelne der anwesenden Rabbiner gehörte zu den „Bekannten", wir sagen vielleicht nicht zuviel, wenn wir sagen, zu den „berühmten" Männern in Israel. Da war vor allem der pD, der Hohepriester der Beredsamkeit, der ehemalige Meklenburger Landesrabbiner'. Herr Dr. Salomon Cohn, der berühmte- Kanzelredner, der trotz seiner achtzig Jahre noch aufrecht geht, frisch und rüstig aussieht und im Kreise seiner Familie, als ehrwürdiger Patriarch, einen geradezu herzerquickenden Anblick bietet. Der würdige .Schwiegersohn, erinnert unwillkürlich an den unsterblichen Schwiegervater, Rabbiner Jakob Ettlinger s. A., und dieses Verwandtschaftsverhältniß allein sichert ihm die Ehrfurcht aller Welt. Da war ferner der greise und liebenswürdige Rabbiner aus Görlitz, Dr. Freund, wir glauben ein Unicum, denn außer dem Chacham Baschi in Jerusalem, ist Herr Dr. Freund selbst in Lew preußischen Landen der einzige von Sr. Majestät Km > deutschen Kaiser dekorirle Rabbiner! Der Dritte im Bunde war der sich dem Greisenalter. nähernde- Bäck, Rabbiner in Lissa, der sich durch sein vortreff-'' liches Schulbuch „Geschichte des jüdischen Volkes"-um die Jugend besonders verdient gemacht! 'Der vierte ' Rabbiner war der Verfasser jenes berühmten Briefes ' an den Freiherrn von Sonnenberg, der in 20,000/' Exemplaren verbreitet, so viel Anerkennung und Be- ' wunderung gefunden, daß man den Namen des Rad^ ' biners in Gleiwitz, Dr. Münz, allenthalben' nurmit/ der größten Hochachtung und Verehrung nennen wird - u. s. w. . Der Rabbiner einer großen Gemeinde, wo'die-/ religiösen Differenzen der einzelnen Parteien/ - heute/ größer denn je, und der-geistige Leiter der Gemeindet gar oft mit dem unsterblichen Lehrer Mose rufen mußt? UV« N3'rr". „Wie soll ich allein ertragen eure Bürde und eure Last und euren ZwistB.'M./ 1, 12), er bedarf der Ruhe und Erholung wehr, als: jeder andere und ist glücklich, wenn er sie in den Ferien - für wenige Tage oder Wochen im Bade findet! Wie - unangenehm berührt wird er aber, wenn er auch an -' dieser „Zufluchtsstätte", wohin er. sich, um Ruhe/zu > finden, flüchtet, erinnert wird, daß der Mensch zur Mühseligkeit geboren, wenn er auch im Kurorte aus' seiner Ruhe aufgescheucht wird, um Klagen änzuhören,> und Gerüchte auf ihre Wahrheit zu prüfen, und Weizen' ' von Spreu zu sondern, und die Ansprüche der Religion ~ und der Humanität mit einander zu versöhnen und zu - vereinigen hat! Einen solch' unerquicklichen Fäll gab diesen Sommer — im Juli — in Salzbrunn. In diesem Kurorte nämlich bestehen gegenwärtig drei jüdische Restaurants, die alle von jüdischen Kurgästen, die „koscher" speisen wollen, gut besucht sind. Da-sind-' die zwei alten Speisehäuser, Schmahl und Breslauer,- deren wir bereits erwähnt, die zwei zuverlässige ' „Schochtim" haben, uns) als gewissenhafte und/ver--^ trauenswürdige „Jehudim" bekannt, deren „Kafchrüs" also über jeden Zweifel erhaben ist. Zu diesen zwei" alten Speisehäusern gesellte sich diesen Sommer ein' drittes.. Eine Frau G. aus Breslau eröffnet eines" schönen Tages ein Restaurant, ein Schild/ vor-denk " Hause trägt das Signum und' 60^60 KÄgaste - versammeln sich mittags und abends täglich, uiit tn beftV* neuen Restaurant koscher zu speisen. WeristFtäU^ G.? Ist sie in religiösen Dingen zuverlässig?' Zwei ' Kurgäste fragen bei Rabbiner Dr. Rosenthäl-BreslaÜ an, und beide erhalten die AniwortrVeiallttMühe,^ die er sich gegeben, könnte er über Frau G. nichts er-// fahren, er könne daher keine Auskunft geben. — Frau -

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