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Der Israelit · 1902-08-25 · Heft 68 (25.8.1902) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 68 (25.8.1902)
Date
1902-08-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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„Daß ich nach dem heutigen Ereignisse nicht hier bleiben kann, sehen Sie wohl selber ein. Ich nehme das Nothlvendigstc mit mir und gehe von hier fort, direkt nach Prag, wo ich Bekannte, aussuchen werde, bei denen ich mich cinquartiere. Bon dort aus sende ich Ihnen meine Adresse. Mit dem Doktor soll sich mein Vater auseinandersehen. Ta es jener doch augenscheinlich nur auf meine Mitgift abgesehen hat. so wird die Sache bei einigem guten Willen von Seiten meines Vaters leicht zu arrangiren sein." Hellmann verabschiedete sich von Martba. Der Vater Martha's, welcher es nicht erwarten konnte, das Resultat der Unterredung zwischen dem Rabbiner und seiner Tochter zu erfahren, war unbemerkt eingetreten und hatte den größten 2 heil der Unterhaltung mit angehört. Herr Honig war außer sich und gab seiner Mißstimmung über den Rabbiner in nicht sehr ehrenvollen Worten Ausdruck. Der Rabbiner war todtenbleich geworden. Keine noch so meisterhafte Rechtfertigung, konnte den Verdacht entkräften, welchen Honig soeben ausgesprochen. Alle. Alle würden ihm beistimmen. Der Schein war ja gegen ihn und nach dem Scheine richtet doch Alles. Auch Piescn konnte ja einem, bloßen Scheine zum Opfer gefallen sein. Er verschmähte für den Augenblick. jede Entgegnung und sagte blos: «Bis Sie Ihrer Erregung Herr geworden sein werden und kalten Blutes einer Erwägung fähig sind, dann werde ich Ihnen Rede stehen. Herr Honig!" Noch einen letzten Blick, einen Blick, in dem all' seine Liebe, all' sein Schmerz ausgrdrückt war, auf Martha »versend, schritt Hellmann »vürdevoll der 2hüre zu.- Doch Martha vertrat ihm den Weg. «Gehe nicht so fort von hier, Geliebter! Säge dem Vater, daß ich Dir das Bekenntniß Deiner. Liebe erpreßt habe, daß ich Dich liebe mit allen Fasern meines Herzens, daß ich ohne Dich nicht leben kann, daß ich Dein bin für alle Zeit." Der Bräutigam. Während sich die oben geschilderten Ereignisse im Hause Honig abspielten, ging Dr. Pilsen voll höchster Unruhe in seinem Zimmer umher. Seine Wohnung glich in nichts der freundlichen Junggesellenbehausung, wie er sie sich eingerichtet hatte. Denn da Piesen eine vierwöchentliche Hochzeitsreise geplant hatte, so »var vor der Hochzeit schon alles zusammengepackt worden, um für seinen Kollegen, den er sich als Stellvertreter für die Zeit feiner Äblvesenheit bestellt hatte, Platz zu machen. -Während der Abwesenheitdes jungen Ehepaares sollte Frau Louise, Marthas verheiratete Schweller, die Wohnung für dasselbe auf's eleganteste cinrichten und in Stand setzen. Jetzt mußte sich der Doktor entschließen .wieder auszupacken. llnd, so gut es ging, sich »nieder einzurichten. Das alles aber^war Nebensache. -Aber was jetzt beginnen?-" Unter den Hochzeitsgästcn befanden sich, mehrere, »velche unter dem Mantel der Freund- oder Verwandtschaft gekommen »raren. eigentlich in der Absicht, von der Mitgift gleich ihr 2heil zu bekommen. Wie lange werden denn diese Gläubiger, welche er bisher geschickt mit dem Hinweis auf seine reiche Heirath, die er machen werde, binzuhalten verstanden, »vie lange werden diese Dränger noch ivarten? Und »vomit konnte er sie befriedigen? Und was das Allerschlimmste ist. der Wechsel, den er mit der Unterschrift seines künftigen Schwiegervaters versehen, ausgestellt hatte, in der festen Meinung, vor der Verfallzeit schon im Besitze der reichen Mitgift zu sein, wie war der aus der Welt zu schaffen? Doktor Piescn hatte, feit er unverrichteter Sache aus der Synagoge gekommen »var, nicht daran gedacht, etlvas zu genießen, oder auch feinen Frackanzug abzu legen. — Seine Verwandte, die zu feiner Hochzeitsfeier ge kommen, waren alle abgereist, ohne daß er ihnen das Geleite zum Bahnhofe gegeben hatte. Niemand kümmerte sich um ihn. auch feine Schwester nickt. Jetzt aber verlangte die Natur gebieterisch ihr Recht. Piesen suchte in seinem Schranke die kärglichen Neste feines gestrigen Mittagsmahles zusammen, zu Nacht hatte er ja bei Hönig's gesveist, wo ein solenner Polterabend gefeiert worden, und begann etrvas zu essen. Auch feine Gedanken begannen sich einigermaßen zu ordnen. Wenn er nur »vüßte. rver dein Mädchen von seinen zerrütteten Vermögensverhältnissen erzählt hatte. Etlvas anderes, so sagte er sich, konnte sie ja gegen ihn. nickt haben. Martha war zlvar niemals zärtlich gegen ihn. hatte ihm niemals die geringste Vergünstigung grstattet. doch glaubte er immer, daß diese Zurückhaltung in ihrer Natur liege, daß dies eine übertriebene, mädchenhafte Scheu sei. Aber freund.ich »var sie doch immer gegen ihn, selbst heule früh noch, als sie im Vrautschmuck so verführerisch schön ifirn entgegentrat. Wenn das Mädel nur nickt so sehr hübsch wäre! Er glaubte, noch nie so geliebt zu haben, nicht einmal die Emma in der Zeit, wo sie noch jung und hübsch »var, und er vermeinte. sie zu lieben. — — : Bei dieser Erinnerung durchrieselte etlvas »vie ein kalter Schauer des Doktors Körper. Er sta»»d aus, schänlte sich' ein Gläschen Eognac ein und stürzte es hinab. ' «Und jetzt wäre ich all' die Gurqelabschneider mit einem Male losgeworden," murmelte er vor sich hin, «hätte wieder frei athmen können, und dem Mädel in Prag, dem hätte ich einige hundert Gulden geschickt als Ersatz für ihre Baarauslagrn; — — wie ich die Emma kenne," und wieder schüttelte er sich voll heimlichen Grauens, «so wurde sich die damit zufrieden geben und

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