Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 68 (25.8.1902)
- Date
- 1902-08-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1438 eine Bekräftigung der früher schon in der Presse vec- - breiteten .Mittheilung, daß Ahlwardt aus Bermittlergeschästen seinen Unterhalt zu beziehen suche, die er den Juden stets allgemein zum schwersten Vorwurf gemacht. Es hieß. Ahlwardt habe sich selbst gerühmt, daß er bei . dem Vertrieb von Kuxen bereits, eine Vermittlergebühr von 150,000 Mark verdient, habe. .;.V : Die Nachricht, daß Ahlwardt bei solchem Einkommen gefragt haben sollte: „Was, kostet die „Staatsbürgerzeitung"? wurde in antisemitischen Kreisen geglaubt, ist aber von der „Staatsbürgerzeitung" bestritten worden. Beziehungen aber bestehen wieder zwischen Ahlwardt und diesem Antisemitenblatt, denn bei dem Besuch, den Ahlwardt vor einigen Tagen „seinem" Wahlkreis abstattete, hat er sich als Adjutant den Verleger und den verantwortlichen Redakteur desselben mitgebracht. Wie die übrigen Antisemiten über das Wiederauftauchen Ahlwardts denken, kann man sich ungefähr ausmalen; im allgemeinen kann man wähl ohne Uebertreibung sagen, daß nicht die Juden, sondern die antisemitischen Führer Ahlwardt dorthin wünschen, wo der Pfeffer wächst.. / . Giebelstadt, 20. Äug. In dem nahen Allersheim ist dieser Tage ein Mann aus dem Leben geschieden, der es verdient/ daß ihm in diesen Blättern ein kleines Denkmal gesetzt wird.. Es wurde daselbst Lehrer und Friedhofsvervialter Abraham Weißbart am 'Ssw ■ wco 's zu Grabe getragen. Aus einer streng-frommen Gelehrtenfamilie stammend, war sein ganzes Leben seiner Abstammung und Erziehung entsprechend. Durch seine Gewissenhaftigkeit in beiden mühevollen. Aemtern, seine Freundlichkeit und große Bescheidenheit hatte er sich die Liebe und Verehrung weiter Kreise erworben. . Sein Leichenbegängniß bestätigte dieses in vollem Maße. Aus allen Gemeinden des Bezirkes waren Männer herbeigeeili, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Der Bruder des n*y Herr Seminarlehrer Weißbart, widmete nur einige tiefempfundene Worte als Nachruf, da wegen des ns p*e* von einem Hesped Umgang genommen werden mußte. Homburg, 18. Aug. Der kürzlich hier verstorbene russische Bildhauer Marc A n t o k o l s k y hat ein Meisterwerk hinterlassen:. ..Die Inquisition". Der Petersburger Kunstkritiker W. Stassow schildert in der soeben erschienenen Trauerrede aus Antokolsky die von diesem.nicht mehr ganz zum Abschluß gebrachte, plastische Gruppe. Ein. fettleibiger spanischer Kardinal, der Inquisitor^- steigt in einen Keller hinunter, wo die versammelten Marqnnen dasOsterfrst feiern. Einige erschrecken und eilen, in. ein Versteck. In der Verwirrung werden Tische unMworfen, Tischdecken heruntergerissen, das Geräth des festlichen Mahles aus den.. Fußboden gestreut. Da erscheint eine hohe Gestalt, ein mittelalter- ' sicher Führer seiner Glaubensgenossen, der den Zitternden zuzurufen scheint: „Wohin eilt Ihr? Flößen Euch die Hellebarden und Schwerter der Inquisition Schrecken ein? Q, nein! Gehet muthig dem Scheiterhaufen entgegen!" Antokolsky hat diesen dramatischen Moment in der ergreifendsten Weise festgehalten und dargestellt. f . . . R u m 8 nie n...^,.^.-,. Bukarest, im Aug. (D i e r echt l i ch e 'S t e l - lung der rumänischen Juden.) Von.einem Autarkster Korrespondenten wird geschrieben: Nach der Rekonstruktion des Ministeriums Sturdza hatte sich das Gerücht verbreitet, daß das neue Handwerkergesetz, welches bekanntlich am 6./18. September in Kraft treten sollte, noch nicht in Anwendung gebracht - wurde, da Herr Aurelian einige Aenderungen in dem Gesetze vornehmen wolle. Der früherer Handels-und. Domänenmintster, Herr Miffir, beeilte sich, dieses Ge-, rücht zu dementiren, indem er erklärte, daß bei der Rekonstruktion des Kabinets von dem Handwerkergesetz gar nicht die Rede gewesen sei, im klebrigen feien die Ausführungsbestimmungen, die schon langst hätten erscheinen sollen, bereits gedruckt. Es scheint hieraus hervorzugehen, daß auch das erneuerte Ministerium Sturdza. eine antisemitische Politik verfolgen will: Die Lage der jüdischen Handwerker ist an einzelnen Orten eine sehr schlimme, so in Focsani. wo 60 Familien mit etwa 260 Mitgliedern sich in größter Noth befindend Ein Aufruf bezeichnet als einzige Nettuna die Auswan- . derung nach Gegenden, wo die Arbeitswilligen sich durch ihre Arbeit ernähren können. Die Leute bedürfen aber, um auswandern zu können, dringend der Unterstützung. . — Die „Gerichtszeitung" von Bukarest, welche von hervorragenden Juristen redigirt wird, hat zu der bereits erwähnten Entscheidung des Kassationshofes, daß „die rumänischen Juden keine Fremden seien, wenn. nicht nachgewiesen werden kann, daß sie Unterthanen eines fremden Staates sind," unter der Aufschrift „Sind die Juden Fremde", einen Commentar zu dem Uriheil veröffentlicht dessen Verfasser der Präsident des Kassationshofes., kl. Sektion. Herr N. Mandrea, sein soll. In dem interessanten Artikel heißt es: . „Im Civilrecht handeltes sich darum, zu wissen, ob'der in Rumänien Ansässige israelitischer Konfession j als Fremder zu betrachten ist und ob er in Folge dessen der Rechtswohlthat des Artikel 13 des Civilgesetzbuches beraubt werden muß. Die in Rumänien geborenen Einwohner israelitischer Konfession sind im weiteren Sinne des Wortes Fremde, wenn sie Unterthanen einer fremden Macht sind; wenn sie aber nicht einer fremden Protektion unterworfen sind, kann man. nicht sagen, ,, daß sie Fremde im eigentlichen Sinne des Wortes sind. Wenn nach der Verfassung von 1866 festgesetzt ist, daß die Vewobner israelitischen Glaubens, auch wenn sie im : Lande geboren und nicht einem fremden Schutze unterworfen sind, der Ausübung der politischen Rechte be-