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Der Israelit · 1902-08-21 · Heft 67 (21.8.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 67 (21.8.1902)
Date
1902-08-21
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Nein, um Israels Friedens- Hymnen zu verstehen, braucht man nicht nach Babylon zu wandern. Männer, die den Schutt von Jahrtausenden wegschasfen, um ihren Durst nach Wahrheit zu löschen, sie sollten den viel mächtigeren Schutt wegschaffen helfen, der über die Wahrhcits- und Gerechtigkeits-Liebe gegen Israel gelagert ist, und nicht diesen Schutt noch vermehren. — Wir haben in derselben Absicht, die Herrn Prof. Delitzsch geleitet hat, bei -diesem Vordergrunds-Sujet ' verweilt, das für das Folgende je nur Stimmung machen soll. Delitzsch will den Nachweis erbringen, daß das ganze religiöse Leben der Israeliten von dem Geistesleben der Babylonier beeinflußt ist. „So begreift sich mit einem Schlage" — sagt Delitzsch S. 28 — „warum . ... die äußere Form der Gesetze: Wenn einer das und das thut, so. soll das und das-— ganz die babylonische ist." <— Ohne Babylon wäre das wirklich etwas außerordentlich Räthselhaftes, daß die alten Gesetzgebungen nicht abstrakt, sondern kasuistisch die Gesetze behandeln! Am Ende hängt auch noch im Maimonides und Schulchan Aruch diese Form mit dem alten Babylon zusammen! — Doch weiter! „So ist es denkwürdig, daß die israelitische Tradition selbst über den Ursprung des Sabbat- Tages nicht mehr sichern Bescheid weiß (vergl. 2. B. M. 20, 11 mit 5. B. M. 5, 15). Da aber auch die Babylonier einen Sabbat-Tag hatten (Sabattu) und in einem drüben ausgegrabenen Opfer- und Fest-Kalender der 7., 14., 21., 28. Tag eines Monates als Tage bezeichnet sind, an welchem gar kein Werk gethan werden darf, der König seinen Leibrock nicht wechseln, den Wagen nicht besteigen, nicht opfern, nicht Recht sprechen, kein gebratenes oder gekochtes Fleisch essen, ja selbst der Arzt seine Hand an den Kranken nicht bringen darf, und da sich überdies die Ausschaltung des siebenten Tages zur Versöhnung der Götter von babylonischem Standpunkte aus begreift, so dürfte kein Zweifel möglich (?) sein, daß wir die in der Sabbatbezw. Sonntags-Ruhe beschlossene Segensfülle im letzten Grunde jenem alten Kulturvolk am Euphrat und Tigris verdanken." Es ist doch eine herrliche Sache um die Dankbarkeit gegen Wohlthäter, die schon Jahrtausende verst o r b e n sind. Dankbarkeit gegen Lebende ist freilich etwas unbequemer,, und das Judenthum lebt noch. Wie undankbar wäre der arische Antisemitismus, wenn man „die in der Sabbatbezw. Sonntagsruhe beschlossene Segensfülle" den Juden verdankte! Wenn man sie aber den alten Babyloniern verdankt, dann kann man von Dankbarkeit überfließen und . . . . die Juden verbrennen!!! - Man achte auf den Unterschied zwischen dem babylonischen Sabattu und dem Sabbat Israels! Bei den Babyloniern ist es ein Monats- Datum, bei Israel der siebente Tag der Woche ohne irgend eine Beziehung zum Monat; dort darf der. König seinen Leibrock nicht wechseln, kein gebratenes und gekochtes Fleisch essen, hier ist Ablegung der Werktagskleider und festliche, am Freitag gekochte und gebratene Fleischspeisen vor geschrieben; dort darf nicht geopfert werden, hier sind besondere Sabbat-Opfer ge-, boten; dort darf der Arzt seine Hand an den Kranken nicht bringen, hier ist es Grundsatz: Pikkuach Nevhesch doch eß Haschabbos, bei Lebensgefahr ist der Sabbat, aufgehoben. Das sind die Verschiedenheiten, gemeinsam ist ihnen nur der Name, dort „sabattu", hier „schabbath", und diese geringe Gemeinschaft genügt schon, um den Dank für die „in der Sabbat-Ruhe beschlossene Segensfülle" den Babyloniern abzutragen! Der „Sabattu" der Babylonier ist wahrscheinlich ein Fast- und Buß-Tag, der mit den Mondphasen zusammenhängt, alles, tvas hem Sabbat seine eigentliche Bedeutung gibt, ist. bei den Babyloniern nicht vorhanden, sondern stammt von den Juden, aber das Gerechtigkeitsgefühl verlangt, daß man dem Judenthum jeden Anspruch auf Dank versage, aber ihn den Babyloniern zuwende!i Es ist also Grundsatz des Herrn Prof. Delitzsch, daß den Juden nur das eigenthümlich zuerkannt werden kann, wovon sich nicht eine Spur bei andern findet. Nach diesem Prinzip verfährt Delitzsch weiter, um für verschiedene Daten der Heiligen Schrift die Originalität an die Babylonier zu übertragen. Daß die Erzählung von einer großen Fluth sich Rrch bei den Babyloniern findet, ist ja nur als ein historischer Beleg für die Sündfluth-Erzahlung der Heiligen Schrift zu begrüßen. Noach's Arche wird ja gar nicht für „mucks in Kanaan“ ausgegeben. Aber die Babylonier haben ein Weltschöpfungs- Epos! Diese babylonische Weltschöpfung ist von der biblischen himmelweit verschieden. Hören wir Delitzsch: „Sobald die Götter Anstalt machten, ein geordnetes Weltganzes zu gründen, erhob sich Tiamat, zumeist als Drache, doch auch als siebenköpfige Schlange vorgestellt, in erbitterter Feindschaft gegen die Götter, gebiert aus sich heraus Ungeheuer aller Art, insonderheit riesige giftgeschwollene Schlangen, und rüstet sich, mit diesen vereint, grollend und schnaubend zum Kampf wider die Götter. Alle Götter beben vor Angst, wie sie den furchtbaren Gegner erschauen, nur der Gott Marduk, der Gott des Lichts, der Früh- und Frühlings sonne, erbietet sich zum Kampf rc.".„Darauf schnitt Marduk Tiamat glatt wie einen Fisch durch, bildete aus der einen Hälfte den Himmel, aus der andern die Erde, bekleidete den Himmel mit Mond, Sonne und Sternen, die Erde mit Pflanzen und Thiercn, bis zuletzt das erste Menschenpaar, aus Thon und göttlichem

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