Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1902)
- Date
- 1902-08-21
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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1430 Blute vermischt, aus der Hand des Schöpfers Jjetöots ging." / : Kann man sich etwas verschiedeneres denken, als einerseits diesen Mythos, der voll ist von kindischen Phantasien, und andererseits die erhabene Schöpfungs- Geschichte unserer heiligen Lehre? Delitzsch ist aber der Meinung, daß „der allerengste Zusammenhang zwischen der biblischen und der babylonischen Weltschöpfungs- Erzählung klar ist" (S. 35), und sein Argument? „Da das finstere, wässerige Chaos mit ganz dem gleichen Namen Tehom (das ist Tiamat) vorausgesetzt und dieses zuerst vom Licht gespalten wird" ... so ist das für Delitzsch ganz klar! Wieder die Methode: Eine einzige/ verschwommene Nuance, ein Gleichklang, der Namen des Chaos, bei sonst vollständiger Verschiedenheit, genügt, um den Israeliten die Originalität zu entreißen und sie den Babyloniern zuzuerkennen." Das sei nur wieder konstatirt! ' Gehen wir weiter! Delitzsch sagt (S. 35): Die Erkenntniß dieser Zusammenhänge hat aber noch höhere Wichtigkeit. UnausWchlich ist jedem menschlichen Herzen das Verbot eingeprägt, dem Nächsten dasjenige zu thun, das man sich selbst nicht angethan zu sehen wünscht .... „Aber der Mensch ist auch ein auf Gemeinschaftsleben angewiesenes Wesen, weßhalb die Gebote der Menschlichkeit: der Hilfsbereitschaft, des Erbarmens, der Liebe ein ebenso Unveräußerliches Erbe der menschlichen Natur bilden" . . . und das findet sich schon bei den Babyloniern.' Herr Prof. Delitzsch scheint nie etwas von Menschenfressern gelesen zu haben; auch die mittelalterlichen Folterkammern scheinen ihm unbekannt zu sein, denn wenn Erbarmen und Liebe ein unve^rä u'ß'ji r l i ch e s Erbe der menschlichen Natur bilden, wie wären diese Grausamkeiten möglich? Man sieht, welche Naivitäten man für gut genug hält,, um dem Judenthum den Lorbeer zu entreißen, zuerst das Gebot der Liebe der Menschheit verkündet zu haben.— Aber das ist Delitzsch's ^..Methode! Es sei aber schon hier bemerkt, daß diese Methode, den Israeliten die Originalität zu Gunsten der Babylonier zu entreißen, im Gegensatz zu der gewöhnlichen, der neutestamentlichen Thcologen steht, die die Originalität der Lehren der Humanität für das Christenthum in Anspruch nehmen. (Schluß folgt.); ZsiÄmgsnaHrrchSsrr imd TEespoKdsKZsrt. Deutschland. Berlin, 17. Aug. Ueber die sozialen Verhältnisse der Juden in Preußen und Deutschland gibt die „Politisch-Anthropologische Revue" sehr interessante Daten. Die Zahl der Juden auf der ganzen Erde beträgt etwa 7y2 Millionen, davon entfallen auf Europa 6,287.000, davon auf Oesterreich 1,142,000, Rußland 2,205.000, Deutschland 1,600,000, England 160,000. Frankreich 72,000. Bis zum Jahre 1880 stieg die prozentuale Zunahme der Juden in Preußen beständig, nmi ist sie von den damaligen 13,3 Prozent pro Mille auf 11,4 Prozent gesunken, und es ist in Folge einer fort-, gesetzt niedriger werdenden Geburtsziffer ein ähnlicher Rückgang in ganz Deutschland zu konstatiren. Auf 38,16 Geburten bei Christen kommen heute nur noch 22,25 bei Juden. Aber auch die jüd. Eheschließungen sind zurückgegangen, auf 1000 christliche Ehen im Jahrfünft 1875 bis 1879 entfielen 11, 42 jüdische, von 1895 bis 1899 nur noch 9,49 jüdische. Die Juden haben im Jahrfünft 1893 bis 1897 die außerordentlich kleine Sterbeziffer von 14,73 pro Mille erreicht, eine Zahl, die als Mortalitätsziffer der Gesammtbevölkerung heute von keinem Staat der Welt erreicht wird. Interessant ist, daß in den Ehen zwischen christlichen Frauen und jüdischen Männern jährlich nur 1,52 bis 1.85 Geburten, in solchen zwischen christlichen Männern und jüdischen Frauen 1,70 bis 1,83 Geburten auf eine Eheschließung kommen, während auf eine rein christliche Eheschließung 4,40 und auf eine rein jüdische 4,57 bis 4,77 Geburten fallen. Die Rassenkreuzungen sind also weniger fruchtbar, als man gemeinhin annimmt. Diese Angaben würden auch zu den Thatfachen stimmen, die Dr. M. Engländer in einem Aufsatz über die Krankheitserscheinungen der jüdischen Rasse mittheilt. Er konstatirt. daß die Juden des Ostens sich zweifellos in einem physischen Verfall befinden, die bei nicht genügender Nahrung und unter sonst ungünstigen Verhältnissen der Tuberkulose in großer Zahl verfallen. Die Juden des Westens leiden dagegen sehr an Nerven- und Geisteskrankheiten, Zuckerruhr und Glaukom (grüner Staar), während Alkohol und Syphilis weniger Verheerungen anrichten, als bei den Christen. Auf 763 Juden kommt ein Idiot, wogegen bei anderen Konfessionen erst beinahe auf die doppelte Zahl ein Idiot zu setzen ist. Die Hauptursachen dieser Entartung sind aufregende Nerven- und Gehirnarbeii im Daseinskampf, sei es auf geistigem Gebiet oder im Erwerbsleben und auch Verwandtenheirath oder Familieninzucht. _' _ A Vermischtes. * Leipzig? Zu dem Lustmord an der achtjährigen Anna Klein wird jetzt eine Thatfache bekannt, welche bisher den ersten Lichtblick in der gräßlichen Geschichte darstellt. Der Vater des jugendlichen Mörders, .Herr Grabich. ist persönlich bei Frau Klein, der Mutier der ermordeten Anna Kleine gewesen und hat der armen Frau sein innigstes Belleid zum Hinscheiden ihres hoffnungsvollen TLchterchens ausgesprochen. Herr Grabich hat sich sofort dazu entschlopen, für die verwittwete Frau Klein bis zu deren Lebensende dermaßen zn sorgen, daß diese arme israelitische Händlerin großer Sorgen für die Zukunft enthoben ist.