Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1902)
- Date
- 1902-08-21
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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(Sott möge erhaben dich umschweben: ' Seines Wesens Erkenntniß serdir beschieden! Der Ewige möge auf Erden dir geben Sein höchstes Himmels-Gut: den Frieden! Es ist häßlich, eine „Absicht zu „merken"; aber beabsichtigt oder nicht, machen die Ausführungen des Herrn Professor Delitzsch folgenden Eindruck auf den Leser: 1) Der Priestersegen des Judenthums, der in allen Kirchen gehört wird, erlangt seine eigentliche Schönheit erst durch babylonisches Licht; 2) das ist nichts dem Judenthum Eigenthümliches, sondern — ein wahrhaft schöner Segensspruch des Orients; 3) Friedrich Rückert hat ihn an einen Vers des Korans anknüpfend besungen ..... alles Vorstellungen, um die Originalität des JudenthumI abzuschwächen. Vielleicht intereffirt es Herrn Professor Delitzsch, der das Friedens-Thema hier so ausführlich behandelt, auch eine spät-jüdische Dichtung, unser herrliches „Scholaum alechem", oder in spanischer Aussprache: „Schalom alekem", für Freitag Abend, bei der Rückkehr des Hausvaters aus der Synagoge und dem Eintritt in seine Wohnung, kennen zu lernen. Es ist in jedem israelitischen Gebetbuche gegeben. In dem oben erwähnten Buche wurde das wunderbar ergreifende Original in folgenden Versen wiedergegeben: ' Die Engel des Friedens. "Willkommen zum Frieden, ihr Engel der Weihe, Nach der Arbeits-Tage Mühe und Braus! . Willkommen, ihr Engel der Liebe und Treue, In meinem dem Sabbat geweihten Haus! Zieht ein zum Frieden, ihr Engel der Weihe, Nach der Arbeits-Tage Mühe und Braus! . Zieht ein, ihr Engel der Liebe und Treue, In mein dem Sabbat geweihtes Haus! ' O b r i n g t m i r den Frieden, ihr Engel der Weihe, Nach der Arbeits-Tage Mühe und Braus! O bringet den Frieden, ihr Engel der Treue, In mein dem Sabbat geweihtes Haus!. Und wenn ihr scheidet, ihr Engel der Weihe, So scheidet zum Frieden! Zum Frieden zieht aus, Ihr Engel der Liebe, ihr Engel der Treue, Aus meinem dem Sabbat geweihten Haus! Wir können aber hierfür noch mehr Beispiele anführen, z. B. den Spruch des Rabbi El'azar im Namen Rabbi Chanina's, mit dem wir Freitag Aknd und Sabbat Mittag das Gebet schließen: Religion und Frieden. . Die Schüler der Weisen, sie mehren denFrieden, Sie erbauen das Gottesreich hinieden. Wenn die Lehre du liebst, wird Frieden schalten. Im Heer, im Palast wird Frieden walten. Den Brüdern, den Freunden macht Fried e n ich . geben. Für das Gotteshaus den Frieden erstreben. Der Ewige hat Kraft Seinem Volke beschieden. Der Ewige segnet Sein Volk mit dem Frieden. Oder das Stück, mit dem unser Hauptgebet, das Schmone eßreh, dreimal täglich, an Sabbat und Festtagen viermal, am Versöhnungstage fünfmal, . zum Schlüsse uns erhebt, das „Ssim Scholaum": Frieden. : Gib Frieden uns und reichen Segen! Du bist allgütig, wir beten Dich an; . Auf Deines Lichtes heiligen Wegen Nur wandelt der Mensch des F r i e d e ns Bahn. Der reinste Quell des'Segens hinieden. Er entsprudelt dem Quell Deiner Ewigkeit: Dir,-Ewiger, Preis! Du segnest mit Frieden Israel, das Deinem Dienste sich weiht. Und am Abend, wenn des Tages Kämpfe zur Ruhe kommen, betet der Israelit in dem die Menschheit umfall enden „Haschkiwenu-Gebete": Die Hütte des Friedens. Der Tag geht zur Neige, laß schlafen uns gehen, O Ew'ger, o Gott, zum Frieden der Nacht! . Und laß uns, o König, zum Leben erstehen. Wenn freundlich des Morgens Strahl wieder lacht! Spanne aus über uns Deines Friedens Hütte, Wenn Arbeit und Kampf in Spannung uns hält. Und lenke zur Höhe unsere Schritte Zu unserem Heil und zum Heile der Welt! Und schütze uns auch gegen Feindes Gewalten, Gegen Hungersnoth, gegen Pest und Schwerts Und lasse des Hasses Gluthen erkalten. Der aus Höhen und Tiefen uns verzehrt! Und des Friedens Hütte laß aus sich breiten. Daß endlich das Leid der Menschheit heilt! — — Dir, Ewiger, Preis! Du bringst die Zeiten! —— Wo in der Hütte des F r i e d e n s auch Israel weilt. Diese Beispiele sind alle unserem Gebetbuche entnommen, sie könnten aus dieser Quelle noch vermehrt werden, und wollte man aus dem gesammten Schriftthume Israels schöpfen, so könnte man unzählige Stellen anführen. Das ist doch ganz natürlich; sind es doch Propheten Israels, die für die Zukunft der Menschheit verheißen: „Sie werden umschmieden ihre Schwerter zu Sicheln und ihre Spieße zu Winzermessern. nicht erhebt mehr ein Volk das Schwert gegen das andere und nicht lernen sie mehr das Kriegs-Handwerk." (Jesajah 2, 4 und Micha 4, 3.)