Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1902)
- Date
- 1902-08-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1421 Dinslaken, 16. Äug. Am heutigen wnz jev waren 25 Jahre verflossen, daß der erste Vorsteher unserer Gemeinde, .Herr H. I a c o b s, sein Amt angetreten hatte. Zur freier des Tages fand in kleinem Kreise.-eine Festlichkeit statt, und wurde dem Jubilarvon den Gemeinde-Vertretern ein kunstvoll gearbeiteter Pokal mit Widmung überreicht. Möge es dem Herrn vergönnt sein, noch eine-Reihe von Jahren in steter Frische sein Amt zu verwalten, fest S. M. Mannsbach (Rgb. Cassel). Eine herrliche, edle Frau, eine Esches Chajil in des Wortes weitgehendster Bedeutung, Frau Röschen Spier, Gattin des Herrn Wolf S p i e r, hier, ist nicht mehr. Am Freitag Crew Schabbos Chasan hauchte ste ihre reine. Seele aus. Welche Liebe und Verehrung ste in allen Schichten der Bevölkerung genoß, davon legte die Sonntag stattgefundene Beerdigung beredtes Zeugniß ab. Von Fern und Rah —Juden und eine große Anzahl Christen — waren ste herbeigeeilt, um der Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Im Trauerhause schilderte in beredter Weise Herr Lehrer S t r a u ß die trefflichen Eigenschaften und vielen Tugenden der Dahingeschiedenen. Auf dem Friedhofe widmete der älteste Sohn. Herr Lehrer S p i e r aus Groß-Zimmern, schmerzlich bewegt in tief ergreifenden Worten feiner Mutter einen zu Herzen gehenden Nachruf. Wohl kein Auge blieb thränenleer, als er Abschied von der Mütter nahm, gelobend, in ihrem Geiste zu wirken und zu leben. Einen innigen Abschiedsgruß rief auch der zweite Sohn, Herr Lehrer Spie r aus Bad - Schwalbach, der Verklärten zu. M. M. aus F. ' S p r t ch s Aus Süddeutschland. (Gründung jüdischer Handlungsgehilfen - Vereine.) Der Anregung aus Leserkreisen in Nr. 59 Ihres gesch. Blattes betreffs Gründung jüdischer Handlungs-Gehilfen-Vereine bin ich mit lebhaftem Interesse gefolgt. Gestatten Sie mir, daß ich zu dieser Frage nicht vom streng-religiösen, sondern allgemein-jüdischen Standpunkt Stellung nehme. Wenn ich noch vor Jahren ein Gegner von Sonderbestrebungcn war, so gestehe ich, daß in meiner Gesinnung durch die im Laufe der Zeit zu Tage getretenen beklagenswerthen Erscheinungen eine große Wandlung eingetreten ist: ich bin ein eifriger Kämpfer fü r den engsten Zusammenschluß der Juden und deren energische Interessenvertretung geworden. Wenn wir sehen, daß sich unaufhörlich Vereine bilden, deren vornehmste Aufgabe es ist, das jüdische Element überall, also auch im kaufmännischen Leben, zu verdrängen, und zwar mit Erfolg, so ist es unsere heilige.Pflicht — ich spreche vom Standpunkte des jüdischen Handlungsgehilfen — uns zu organistren und eine geschlossene Phalanx zu bilden gegen übermäßige Ängrisfe.Aller- dings ist es vor allem nöthig. daß wir zuerst in ünseren eigenen Reihen Ordnung schaffen, und da muß man beschämt gestehen, daß hier noch vielzuthünübrig bleibt. Ist es doch höchst betrübend, zu sehen, wie mancher j ü d i sch e Prinzipal p r i n z i p iel l/ .nur > christliches Personal engagirt, ist es doch ferner eine. höchst beklagenswerthe Erscheinung, , daß von vielen : jüdischen Chefs in Geschäften, in denen jüdische und, christliche Angestellte Zusammenwirken,letztere in. der ' Behandlung und Salärrrung den ersteren vörgezögen / werden. Und warum? Leistet der jüdische Handlungs-! gehilfe nicht ebensoviel, wie sein, christlicher- Kollege, arbeitet er nicht mit dem gleichen Eifer und Geschäfts-/ intereffe wie.dieser? ^.. Es ist nicht zu leugnen, daß auch wir Handlüngsgehilfen an den jetzigen Zuständen theilweise Schuld tragen. Wir haben Mißgriffe geduldet und. Mißstayve. platzgreifen lassen. An uns selbst liegt es. unverdiente. Angriffe abzuwehren und Nebelstände zu beseitigen/ Es ist durchaus nicht. nothwendig, daß wir in eine feindselige Kampfesstellung zu den Chefs treten/ im- Gegentheil, die Harmonie .soll da, wo.sie besteht,. durch- . aus nicht gestört werden,, aber dort, wo der junge, jüdische Kaufmann unverdient herabgewiirdigt. wird und. in seiner Existenz bedroht erscheint, sollundmüß. der/ Hebel eingesetzt wecherw^,-,/./.-./-' - „.- Da ein Einzelner nichts-auszurichten vermag, ist / der Zusamenschluß aller jüdischen kaufmännischen.An-, gestellten nothwendig. Deßhalb kann ich Euch, jüdische.: Handlilngsgehilfen,. auch nur zurufen: , „O r.gan i -/ - s i r t Euch und vertretet selbst Eure Interessen.^ Der- , Erfolg kann und wird dann nicht aushleiben. /// 8./. f o l l d o r f (Baden), 17.! Gestatten Sie, daß ich zu dem Artikel „Gründung jüdischer Handlungsgehilfen-Bereine" in Nr. 59 Ihrer" geschätzten Zeitung, meine Meinung 'LutzereL-W^M'-^ . Mit Freuden begrüße ich Ihren Vorschlag, und/ würde dessen Durchführung als einen großartigen Erfolg betrachten, als ein Emporheben geknickter Blüthen im allgemeinen, als eine schöne Errungenschaft der jüdischen Handlungsgehilfen im besonderen/ Mir traurig ist die Thatsache, wie Sie sehr richtig bemerken, daß am Sabbat geschlossene Geschäfte zum großen Theil kein gleichkonfessionelles Personal beschäftigen, so : daß fromme junge Leute stellenlos herumwandern müssen. Mir selbst sind derartige Geschäfte zur Genüge bekannt/ ja, ich konditionirte einmal in einem jüdischen Geschäft, ' das zwar am Sabbat geöffnet war; dessen Inhaber sehr fromm zu sein glaubt, > doch -mir selbst nicht einen Sabbat freigab, im Gegentheil mußte ich, allerdings weil dies das Geschäft mit-sich brachte; am Sabbat mehr arbeiten, als an einem anderen Tage; Hier sollte man abhelfen, so länge es noch geht!^