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Der Israelit · 1902-08-21 · Heft 67 (21.8.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 67 (21.8.1902)
Date
1902-08-21
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1420 Gaster über den Zionismus unterhalten. -Was die zionistische ÄeHguyg anbelüngt, so ' war der) König/ welcher dieselbe als eine religiöse Bewegung gehalten hätte, befriedigt, zu erfahren,"daß. sie einen politischnationalen Charakter habe. Der König erklärte sich als Anhänger dieser von einem Ideale getragenen Bewegung und billigte die Bestrebungen für die'Wiederherstellung des alten Vaterlandes der Israeliten. Der Bericht fügt hinzu/daß der König Herrn Dr. Gaster ermächtigt habe, seine Worte zu wiederholen. ' - . Vielleicht hängt die nachfolgende Mittheilung mit dem Besuche in irgendwelchem Zusammenhänge. (Siehe letzte Nachrichten.) - Jassy, 18. Aug. Der hiesige. Bürgermeister, Herr Pe n e scu, hat gegenüber einem Redakteur des rumänischen Blattes „Universule" erklärt, daß in der Hauptstadt der Moldau große Roth herrsche und ztvar hauptsächlich unter, den Arbeitern, Handwerkern und kleinen Beamten. Am schmerzlichsten aber würde von der Ärmuth ein großer Theil der jüdischen Bevölkerung betroffen. Er, Penescü, habe persönlich eine Untersuchung veranstaltet und sich davon überzeugt/daß es jüdische. Familien gebe, die mit 30'Centimes täglich leben! Auf die Frage, zu welchem Zwecke er diese Un- . tersuchüng veranstaltet habe, antwortete Herr Penescu, daß er dem Könige Bericht erstatten solle, der von ihm allerhand Einzelheiten habe wissen wollen. Der Bürgermeister von Jassy bemerkte ferner, daß nur die : fürchterliche wirthschaftliche Lage die Auswanderung der Juden veranlaßt habe. AuS Jassy seien 6000 Juden ausgewandert, aber er hoffe, daß sich die materielle Lage der Einwohner von Jassy demnächst bessern werde, da'man neue Industrien schaffen wolle. Nebenbei sei bemerkt, daß der Schulirsspektor Mustazu in dem einen Jahre 1901/1902 fünfzig jüdische .Schulen auf administrativem Wege geschlossen hat. weil die Lehrgegenstände „nicht entsprechend demanalytischen Programm" gelehrt werden. Derselbe Inspektor hat bei seinem letzten Besuche der Talmud-Thora, von Padul-Jloiei bei Jassy dieses Institut geschlossen, weil .der Unterricht inder hebräischen Sprache nicht entsprechend dem Programm gewesen sei und die Schüler nicht Handbücher mit hebräisch-rumänischem Textgehabt hätten. — Die Auswanderungsbewegung hat nun auch die besser gestellten jüdischen Bevölkerungsklassen ergriffen — Kaufleüte und Industrielle liquiden ihre Geschäfte und wandern nach Amerika aus. Nach der Abreise dieser Familien wird das Elend unter den Zurückbleibenden nur noch größer werden. Besonders arg scheint die Noth unter den jüdischen Handwerkern von Piätra zu sein, wo es an Arbeit fehlt. — Die zweite Sektion des Kassationshofes hat vor Kurzem in einem Streitfälle zwischen Juden ein Urtheil gefällt, das insofern interessant ist, als in demselben die Bemerkung . vorkommt, daß, obgleich der Bittsteller selbst Jude ist. „dennoch die Juden nicht Fremde sind, außer wenn nach- ' gewiesen wird,, daß sie Unterthanen eines fremden - Staates sind."' Diese Definition sollte sobald als möglich auch von der Regieruna und den Kammern als die einzige richtige anerkannt werden. / . /; 7 A m t t i r cu'-./;" -''-; ' y ■; Newhork, im Aug. (Prot est der örthodoxen G e m e i n d e n.) Der Verband der ortho- . doxen Gemeinden der Ver. Staaten von Nordamerika ü. 5tanäda hat, wie die „Jsr. Wchschr." berichtet, hier unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. H. Pereira Mendes eine Delegiertenversammlung abgehalten, die sich ausschließlich mit der aus der Rabbinerversammlung zu New- ' Orleans vorgeschlagenen Verlegung, des Sabbats auf den Sontag beschäftigte. Nach längerer Verathung wurde folgender iom Rabbiner Meldola de Sola aus Montreal formulierter Protest gegen-jenen Vorschlag beschlossen: „Der im Dekalog für den siebenten Tag festgesetzte Sabbat ist der Eckstein des Judenthums. Er ist ein „ewiges Zeichen" zwischen dem Gott Israels und Seinem Volk, ein „immerwährendes Bündniß." Seine Beobachtung, bedeutet die Anerkennung des Allmächtigen als Schöpfer des Weltalls, die Anerkennung der- Wahrheit und Autorität seines Gesetzes. Ein Einwand gegen den Sabbat des Dekalogs ist Verrath am Gott Israels und Empörung gegen seine unwandelbaren Vorschriften^ Der Verband der orthodoxen Gemeinden der Vereinigten Staaten ünd Kanadas protestirt gegen das Vorgehen der letzten Konferenz von Reformrabbinern zu New-Orleans, die eine Diskussion über den Vorschlag einer Verlegung des Sabbats auf den'ersten Tag der Woche überhaupt zugelassen Hat. Daß die Mehrheit der an der Debatte beteiligt gewesenen Mitglieder diese Verlegung bekämpft haben, kann die verderblichen Wirkungen dieser Diskussion nicht beeinträchtigen. Sie hat dazu beigetragen, bei vielen unserer. Brüder die Vorstellung über den obligatorischen Charakter der die Sabbatruhe vorschreibenden Gesetze zu erschüttern und der Welt eine irrthümliche Meinung beizubringen über die Stellung des Jüdischen Volkes gegenüber dem Sabbat. Der Sabbat steht als eine göttüche Einrichtung unendlich erhaben über der Thätigkeit menschlicher berathender Körperschaften. Es ist. der Gipfel der Vermessenheit, wenn Sterbliche daran zu rühren versuchen. Wir protestiren deßhalb gegen jene Diskussion über die Verlegung des Sabbats, die mit dem Geist des Judenthums absolut unvereinbar ist." Bei dem Begräbniß von Rabbi Jacob Joseph soll große Unordnung geherrscht haben; von den geladenen Rabbinern der Nachbarstädte, die alle große Trauerreden vorbereitet hatten, kam Keiner zum Worte. Ob dabei, eine gewisse Absichtlichkeit mitgespielt hat, mag dahingestellt sein. Außer Herrn Dr. Klein hat Niemand gesprochen. . . / / / . . . ' .

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