Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1902)
- Date
- 1902-08-21
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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43» ZahrMNg. 4.M9zerLrr«gs«achrichLett und Esrresporrvenzskr. D e ü t s ch l a n d. Berlin, 19. Aug. Die Gemeinde Altenstadt in Schwaben feierte dieser Tage den Gedächtnißtag des hundertjährigen Bestehens ihrer Synagoge. Es mag daher angebracht erscheinen, einen Blick auf die Entstehungsgeschichte der Gemeinde Altenstädt-zu werfen. Am 17. Oktober 1651 gewährte Caspar Bernhard von Rechberg zu Illereichen fünf jüdischen Familien das Ansiedelungsrecht in Altenstadt. Das waren vermuth^ lich Emigranten, die aus irgend - einer benachbarten .Stadt vertrieben wurden. Das Geschlecht derer, von Nechberg kommt mit der Geschichte der schwäbischen Juden öfters in Berührung. Im Jahre 1566 klagte Hans von Rechberg gegen Mosis, Jakob und Wossain, Juden von Angelberg, die angeblich M.ißstände im Familien- und Staatsleben' der Grafschaft Schwabcck hervorgerufen hatten. Kaiser Maximilian II. ertheilte 1567 den Gebrüder Hans und Christoph von Rechberg zu Hohenrechberg einige Privilegien und Freiheiten wider die Juden. Diese Privilegien wurden 1569 den Juden zu Münsterhausen, Tannhausen, ' Krumbach, Neuburg a. d. Kamel, Burgau und in Angelstadt bekannt gegeben.' Die jüdische Ansiedelung in Altenstadt erhielt im Jahre 1719 eine rvesentliche Vergrößerung. Einer weiteren Anzahl Juden wurde Schutz. Schirm und Wohnrecht gewährt. Man hatte ihre Nützlichkeit erkannt und baute ihnen eigene Häuser. Jedes Haus war für drei Parteien eingerichtet. Die Juden leisteten ein jährliches Schutzgeld von 20 Gulden pro Familie. Dazu kommen noch manche Abgaben, die in Schwaben allgemein üblich waren. Zum Beispiel brachte jede Familie der Herrschaft jährlich eine Gans als Geschenk dar; ferner gab es Todfallgelder,. die in Alienstadt zwei Gulden betrugen. Im Jahre 1719 erhielt die Gemeinde auch , die Bauerlaubniß zu einer Synagoge; das nöthige Bauholz schenkte die Herrschaft. Als diese Synagoge gegen Ende des 18. Jahrhunderts baufällig wurde, sah man sich zu einem Neubau, der 1802 beendet wurde, veranlaßt. ' In einem mir vorliegenden Schristchen vom Jahre 1831. (Kramer. Handbuch für den Oberdonaukceis) wird dieser Tempel als besonders geschmackvoll gepriesen. Das gleiche Buch giebt als Erbauungsjahr der ersten Altenstädter Synagoge irrigerweise .die Jahreszahl 1717 statt 17)9 an. L o u i s L a m m. Aus Württemberg. Awerah gaureres.Awerah. eine Sünde zieht die andere nach. Wie die Entweihung des von Gott gebotenen Ruhetages dazu führt, unwahre Thatsachen zu verbreiten, dafür nachfolgend ein drastisches Beispiel. Das „Israelit. Familenblatt" in Hambürg berichtete ist Nr. 30, daß am Sonntag, den 8. Juni die israelitische Gemeinde in Heilbronn das fünfundzwanzigjährige Bestehen ihrer Synagoge gefeiert, die -Orgel zu diesem Zwecke festlich dekorirt worden sei u. s. w. Diese Angaben sind von vorne bis hinten einfach' unwahr. •■/ -/ ' : ’’ An Sab.bat Paraschath Schelach löcho vor - 25 Jahren wurde genannte Synagoge ihren Zwecken übergeben und am gleichen Sabbat dieses Jahres, also am 28. Juni wurde ein Fesigottesdienst mit Predigt abgehalten und wäre damit die einfache Festlichkeit , erledigt gewesen, wenn nicht einige Mitglieder des Synagogenchors es.anders gewollt hätten. Am Freitag, den 27. Juni d. I. beim Abendgottesdienp war . in der Synagoge alles wie gewöhnlich -- irgend welche Veränderung war daselbst nirgends zu erblicken -— ganz anders sah jedoch am Samstag beim Frühgottesdienst die Synagoge aus. — Auf Veranlassung einiger Mitglieder deS Synagogenchors wurde in früher Morgenstunde' (am Sabbat) unter Beaufsichtigung des Herrn Vorsänger Drey f u s die Emporen bei der Orgel durch Aufstellen von Kübel- und Blattpflanzen, durch Anbringen von Nägel' zur Befestigung -der Guirlanden an der Brüstung, diese ganze Parthie in einen Blumengarten verwandelt. Als Schlußeffekt fänden sich am gleichen Samstag Nachmittag Damen und Herren des' Synagogenchors wiederholt in der Synagoge. ein, um ein photographisches Gefammtbild der Mitglieder, inclusive, des Herrn Vorsängers Dreyfus,. ausnehmen zu lassen. Die Aufnahme erfolgte in der Weise, daß sich die anwesenden Mitglieder wie gewöhnlich um die Orgel aufstellten, der Photograph mit seinem Apparat postirte sich gegenüber auf der frei und erhöht stehenden Kanzel. Fragliches Bild kam mit dem im Eingang , des erwähnten Berichtes gleichfalls in genannter jüdischer Zeitung zum Abdruck. — Jedes Commentar hierzu ist überflüssig. Es. würde die Wucht der Thatsachen nur abschwächen. ' ' - , . , . . .. R u m a n i «ji.* _"*■^ : : - ‘v Bukarest, im Aug. König Karl, unter dessen Schutz die rumänische Judenheit den grausamen Verfolgungen einer raffinirten Ausrottungspolitik sich ausgeliefert sieht, hält es an der Zeit, sich als Freund der Juden, wenigstens nach einer gewissen Richtung hin, /zch bekennen':/... Aus Bukarest wird nämlich über eine Audienz des einstens aus dem Lande verjagten, gegenwärtigen Ober-, rabbiners der portugiesischen Gemeinde in London, Herrn Dr. M. Gaster, beim, König Carol im Schlosse Pelesch gemeldet. Danach hat sich der König mit Herrn