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Der Israelit · 1902-08-21 · Heft 67 (21.8.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 67 (21.8.1902)
Date
1902-08-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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TT" 1416 stattfrnden. Galt der alte Honig als der reichste Mann der Stadt und Umgebung, so gebührte seinem Töchterchen mit Fug und Recht das Prädikat: das schönste Mädchen aus Meilen cheit zu. sein. , - . -Beide Ursachen, der Reichthum des Vaters und die Schönheit der Tochter, der Braut, vermochten es, die vollgepfropfte Synagoge in. Spannung zu halten.; Horch! das Rollen eines Wagens. Das laute Gemurmel verstummt, in athemloser Spannung blickte alles nach der Thüre, deren Flügel weit geöffnet waren, um die Hochzeitsgesellschaft einzulassen. Aber oweh! es waren nur zwei alte Damen, die beiden würdigen Vorsteherinnendes Frauenvereins „Bes Jaakov", welche bei jeder Trauung zugegen sind, um für Zwecke des Vereins von der. Hochzeitsgesellschaft Spenden einzusammeln. / Ein zweiter Wagen brachte schon eher Befriedigung der Neugier. Er hatte den Rabbiner der Gemeinde, Dr. phil. Julius Hellmann, gebracht.. Wer den jungen Mattn,^ der seit zwei Jahren^ seit dem Ableben seines Vorgängers nämlich, in der Gemeinde als Rabbiner .angestellt war/ betrachtete/'dem konnte ein Zug von Schwermuth, wenn nicht gär inneren Leides, auf seinen intelligenten,-' durchgeistigten Zügen nicht, entgehen. Er begab sich, das Haupt geneigt, geradezu auf seinen Sitz, worauf er sich müde niederließ, mit seiner weißen, wohlgepflegten Hand hie und. da über die ho^ Denkerstirne^ fahrend, -gleichsam, als wollte er mit dieser unwillkürlichen Handbewegung die sich aufdringenden bösen Gedanken verscheuchen. . Seine Gemeinde aber sah nichts dergleichen. Ihre Aufmerksamkeit war . nicht auf den Rabbinersitz gerichtet, sondern auf. die Eingangsthüre, durch , welche ein Paar nach - dem andern der eleganten Hochzeitsgesellschaft eintraten.^ Wagen auf Wagen fuhr in ununterbrochener -Reihenfolge am Portal' des Tempels vor, dessen Insassen, je Männer und Frauen^ in die Synagoge eintraten/ Die Herren in schwarzen Fracks oder Gehröcken, mit glänzenden Cylindern auf dein frisirten undpomadisirten Kopfe, ..die Frauen in rauschende Seide gehüstt, mit Spitzen und Juwelen geschmückt. .. . . . Das Auge der Zuschauer konnte sich in dieser Pracht, >die da ausgestellt war, nicht sattsehen. Jedes andere Interesse, sogar das wahlberechtigt erscheinende Gefühl des Reides verstummte vor dem Glanze und der Pracht, , die sich da entfaltete. ...Jetzt ertönte aber ein Chorgesang undnun erschienen-nacheinander der Bräutigam und die Braut. ' v Hm Blick fiel auf den feschen Doktor, aste Augen richtHnsichaufdieBraut, welche auf den für sie bestimmten -Platz zwischndenzwei Unterfüherinnen zuj:: -Und, wirklich verlohnte es sich, diese herrliche Gestalt näher zu 'betrachten Hoheitsvoll, wie eine Fürstin, schritt MarthaHonigdurchdie Reihen der sie angaffenden Menge. Der milchweiße Atlas ihres kostbaren Brautkleides umspannte eine Taille voll herrlichen Ebenmaßes und endete in. einer Schleppe, welche die' Bräüt mit vollendeter Grazie trüg. Das Gewebe des Spitzenschleiers verhüllte nicht ganz ihre seinen, regelmäßigen Züge, welche heute einen wunderbaren, unerklärlichen Zauber besaßen. Der Myrthenkranz hatte kaum je ein lieblicheres Haupt geschmückt/ als das Martha Hönigs. - .; : .. .;;;; :: ' Als die Braut auf ihrem Sitze Platz genommen hatte, reichte.ihr deren älteste, verheirathete Schwester, welche statt der bereits gestorbenen Mutter bei der Schwester die Stelle einer Unterführerin versah, das Gebetbuch,, damit sie sich am nun folgenden Minchagebet betheilige, und dabei das große Sündenbekenntniß des Versöhnungstages ablege, wie es Sitte ist bei allen jü-. dischen Bräuten von altersher bis heutzutage. . Ein blitzartiges Lächeln huschte, für einen Moment über die Züge der jugendlichen Braut, um aber gleich dem früheren, für die weihevolle Stunde angemessenen Ernst zu weichen.- : -v Martha betete Mincha mit der Gemeinde,, sagte sie sich ja, daß sie Muth und Kraft zur nächsten ernstesten Stunde ihres Lebens benöthige und sich diese nur im Ge-, bete holen konnte. .... . \; .... ..... ’ Das übliche tägliche Gebet war zu Ende.. Von den . Unterführern' bezw. Unterführerinnen begleitet, begab sich das Brautpaar unter den indessen ausgestellten, rothsammtenen Trauhimmel. Die hohe, schlanke Gestalt Martha's reichte fast bis an. die herabschlagenden goldenen Fransen, welche den Trauhimmel umgaben. . Nachdem das vom Qberkantor angestimmte und vom Chor begleitete, kunstvolle Miadir ausgeklungen, begann der Rabbiner seine Traurede zu halten, welche merkwürdig kurz und trocken ausfiel/, trotzdem Dr. Hellmann als ein guter Prediger und besonders brillanter Gelegenheitsredner bekannt war. Die Zuhörer glaubten nicht anders, Äs habe der '. Brautvater, der alles nach .modernstem Schnitte, einge- , .richtet haben wollte, den Rabbiner zu dieser kurzen Rede veranlaßt. ' / V.-.v - Jetzt begann die Ceremonie. Die Brautleute hatten von dem ihnen dargereichten Weinbecher genippt, und der Rabbiner richtete darauf an den . Bräutigam die Frage, ob er aus freier. Neigung, ohne Zwang, gewillt sei, die ihm verlobte Braut, Fräulein Martha Honig, ans M., zu seinem ehelichen Gemahl zu nehmen, die besagte Jungfrau zu ehren und zu. lieben, wie es einem jüdischen Ehegatten'.'zLkömmE^'H'; I; - . Ein lautes, weithin vernehmbares «Ja" wardie Antwort des Doktors. v.„:x . •. Jetzt wendete sich der Rabbiner an hie Braut: „Fräulein Martha Honig! solgen Sie Jhrenr Verlobten, dem Herrn Mediziner Doktor Heinrich Piesen aus Prag, , gegenwärtig Stadkarzt in M.. freiwillig und. * V * - . < -

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