Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1902)
- Date
- 1902-08-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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schaumigen und Ideen, die in's Türkische übersetzt und unverzüglich dem Sultan unterbreitet wurden. In denselben erläuterte Dr. Herz! den Standpunkt der Zionisten und formulirte die Bedingungen einer jüdischen Ansiedlung in einem Lheile von Palästina und anderwärts in Kleinasien auf der Grundlage eines grotzherrlichen Freibriefes. Nach reiflicher Erwägung dieser Vorschläge ließ der Sultan durch seine Vertreter in erster Reihe seine tiefe Sympathie für das jüdische Volk ausdrücken. Die Zugeständnisse, welche er für eine jüdische Ansiedlung zu machen vorbereitet war,, wurden indessen nicht als den Zielen der Führer der Zionisten-Bewegung völlig entsprechend erachtet. Mitr ' hin wurden keine endgiltigen Ergebnisse erzielt, aber Dr. Herzl gibt sich der sanguinischen Hoffnung hin, daß .die türkische Regierung in einer nicht fernen Zukunft' die Vortheile begreifen werde, die ihrem Reiche s aus " einer jüdischen Ansiedelung auf der Basis des Zionisten- Programms erwachsen würden. Y Rußland. > Petersburg(Jüdische - Volksschnl-! Ref0rm in- Rußland.) Die 'vor einiger Zeit avisirten Reformen, welche von der russischen Regierung bei den jüdischen zweiklassigen Volksschulen eingeführt werden sollen, bilden unter den Provinzial-Schulinfpckioren, denen diese Reform zur Zeit'zur Begut-' achtung vorliegt, den Gegenstand einer lebhaften Kontroverse. Die der ganzen Reform zu Grunde liegende Idee ist eine sehr gesunde. Es handelt sich darum, die - zweiklassigen Schulen in drei- und vierklässige umzuwandeln und sie sp zu mittleren Bürgerschulen zu erheben. Nur über das Maß der diesen Schulen zu gewährenden Privilegien sind die Behörden unter sich noch nicht einig, Wenn die neu zu schaffenden jüdischen , Bürgerschulen ihren Schülern die für alle anderen Bürgerschulen stipulirte verkürzte Dienstzeit beim Militär . gewähren würden, könnten sie auf einen sehr starken Zuspruch rechnen. ' ' - V ' " A m e r i k a. Chicago,- im Äug. Ein Chicago» Religionsstifier - Namens Dowie beabsichtigt nichts mehr und nichts ’ weniger, als Jerusalem zu kaufen und mit feinen Anhängern dorthin auszuwandern, sowie er das nöthige . Geld dazu beisammen haben werde. Aber auch andere Christen als Herr Dowie haben sich mit der zionistischen Idee befreundet. Ernster jedenfalls, als Herr Dowie, meint es Herr Arthur Smedley Green, der in einer Nummer, von „Everybodys Magazine" allen Ernstes die Christenheit zu einem modernen Kreuzzug auffordert, um.das heilige Land zu gewinnen.' Aber nicht mit hcn Waffen der alten Kreuzfahrer soll PalLstma in blutigem Ringen erobert, sondern es soll mit dem »allmächtigen Dollar" gekauft werden. Alle Christen'ohne Unterschied des Bekenntnisses sollen beisteuern zu der? jedenfalls nicht geringen Kaüfsumme, die den Sultan; _Y zur Herausgabe des heiligen Landes geneigt' machen i soll. Ist der große Wurf gelungen, dann soll Palästina eine zu Ehren des Stifters der christlichen Religion ge-'- schafsene Republik werden, deren Unabhängigkeit, Neu-' tralität und Unantastbarkeit die christlichen Mächte zu \ verbürgen hätten. Bereits sind, wie Herr Green behauptet, »Vorarbeiten" im Gänge, um ausfindig zu ' machen, wie viel ungefähr die Ausführung dieses Pro- . jektes kosten könnte. - ' Novelle von WahMeKried-Prag. li gf e it i I l e 1 a y ' .'.7 1. Eine Hochzeit. > Wenn andere Erzählungen mit einer Hochzeit . enden, so beginnt die vorliegende mit einer solchen. Die vor Kurzem neuerbaute und im modernsten Styl einge- . richtete Synagoge zu M. strählte im Lichte unzähliger. Y Petroleumlampen, welche zur Ehre der Hochzeitsfeier,;: die soeben stattfinden sollte, ängezündet waren.^ Der . Tempel, wie man in M. sägte, war gedrängt voller y.-' Neugierigen, Zuschauer beiderlei Geschlechts, denn bei' - einer Trauung durften selbst Damen den unteren Raum . des Gotteshauses betreten, statt - auf die Frauengallerie > beschränkt zu sein, und zwar hatte man dem zarten 7 Geschlechte die ganze rechte Seite des mittleren Schiffes eingeräumt, während das starke Geschlecht sich auf der - linken postirte.? >7.:; 7-' / ' '-Y Y/- - - Einige der 'vorderen Reihen waren auf'beideii - Seiten für die eigentliche Hochzeitsgesellschaft reservirt, . welche noch im Hause'heS'.Brautvaters' weilte?- Ein in . diesem Räume nur wahrend ähnlicher Veranlassung-. \ vorkommendes Gemurmel Und Gesumme dürchtönte den weiten Raum. Jeder der Anwesenden tauscht: mit. dem Nachbar Ansichten und Bemerkungen über ' hie Hochzeitsfeier aus, schon aus dem Grunde, um sich die Zeit deS Wartens auf das Heranna^n des HochzeitszugeS in etwas zu verkürzen. Und Stoff zur Unterhaltung . war ja hinlänglich vorhanden. / ) ', - ,Y. Es war Adolf Hönig, der reichste Mann der Gr- . ■ meinde und vielleicht der nicht gär kleinen, aber'ätmeü F- Stadt, der heute seine jüngste Tochter verheiratete. '' Yt Der elegante, junge Stadtarzt, Doktor Diesen, 7 hatte mit Vorliebe dessen gastfreies Haus besucht/ sich von den Vorzügen der. schonen -Marthäbezaubern -- lassen und sich mit ihr verlobt. Heute sollte die Hochzeit'/