Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 67 (21.8.1902)
- Date
- 1902-08-21
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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F l\ f;- Lv- K.!‘ ohne Zwang zur Ehe, um ihm eine treue ünd ergebene Gattin zu sein?" - Nicht so laut, wie der Bräutigam sein „Ja" ausgerufen hatte, aber doch für die Nachstehenden vernehmbar,-klang ein „Nein!" ans dem Munde der schonen Braut. - V., v - .. . ' Des Rabbiners edles Gesicht ward noch um einen . Schein bleicher, als vorher. Er glaubte, nickt recht verstanden zu haben oder verstanden worden zu sein. Bevor er jedoch seine Formel wiederholen konnte, bevor einer der Umstehenden sich vom ersten Schrecken erholen konnte, hatte die Braut'den Arm ihrer nebenstehenden Schwester erfaßt, hatte mit ihr durch.eine.nahe Seitenthüre das Gotteshaus verlassen, den nächststehenden Wagen bestiegen und war fortgefahren, den Bräutigam und alle Hochzeitsgäste in höchster Verwirrung zurück-' lassend. \; . :; " Angesichts der gaffenden, skandalsüchtigen Menge, die hier versammelt, war in der Synagoge kein Platz zn Auseinandersetzungen,, und alle Gäste eilten hinaus, - um mit möglichster Eile zurück Hochzeitshaus zu fahren, wo sie Aufklärung über das bisher unerhörte Ereignis erwarteten. Der Brautvater trat zu dem ganz aufgeregten Rabbiner mit der Bitte heran, sich den zurückkehrenden Gästen anzuschließen und in's Hochzeitshaus zu kommen, denn wenn irgend jemand im Stande ist, dem überspannten Mädchen seine absonderliche Grille auszureden, so sei dies er, der Rabbiner, der immer so großen Einfluß bei. seiner Tochter besessen hatte. Schließlich könne er' dann im Elternhause die Trauung vornehmen, wenn sich die Braut gefügig zeigen würde. Der Rabbiner sträubte sich mit aller Macht gegen die an ihn gestellte Zumuthung, in dem Familiendrama, welches sich ohne Zweifel hier entwickeln werde, irgend eine Rolle zu spielen,. oder vermittelnd einzugreifen, doch alle seine Ausflüchte halfen ihm nichts, er mußte mit Honig durch einige Seitengäßchen dessen Hause zuschreiten. ~ 2. Die Aufklärung. Die Braut hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, woselbst sie mit Hülfe ihrer weinenden und zürnenden Schwester ihr Hochzeitsgewand ablegte und der Dinge harrte, die kommen würden. Martha war aus jede Art von Widerstand gefaßt, und war gerüstet, allem zu trotzen. Sie war entschlossen, ihre Heimath zu verlassen, da sie ja durch das Erbtheil ihrer Mutter gegen Noth und Sorge geschützt war. Wohin sie sich event. zu wenden habe, auch darüber war sie im Klaren. Die Schwester wollte sich eben entfernen, um draußen einige nothwendige Anordnungen zu treffen, und als si.e .die Thüre.öffnete, trat durch dieselbe der Rabbiner ^. „Sie werden entschuldigen, gnädige Frau, .wenn ich störe, aber man hat mich hergewiesen, daß ich hier in diesem Zimmer Fräulein. Martha'^reffen/Wer^/ mit'F^ welcher ich dringend zu sprechen habe.":- F- „Bitte, Herr Doktor, nehmen Sie meine Stelle bei dem Trotzkopf da ein, vielleicht sind Sie glücklicher, als -vFF. Der Rabbiner verbeugte sich vor der sich! entfernen- - den jungen Frau und nahm auf dem ihm von derselben ' dargebotenen Sitze, Martha gegenüber, Platz. c, Eine lange Weile saßen - sich die' Beiden still- 7 ' schweigend gegenüber, und weder Rabbiner noch Martha wagte es, das Schweigen zu unterbrechen. / Beide hätten das Pochen des eigenen Herzens vernehmen kösinen/.. - F Hellmann beendete zuerst diese peinliche Situation. „Ihr heutiges Benehmen, mein Fräulein, war so selt-- sam, daß ich wirklich verlegen bin, auf welche Art. ich' ' Sie im Namen Ihres Herrn Vaters , um Aufklärung;;y bitten soll." ’ ' - - „Ihnen, dem Freunde unseres' Hauses^ und," :/ y/ fügte sie unter tiefem Erröthen bei, „auch dem meinen,' '; bin ich eine Aufklärung schuldig: DenMann.den ich . bis zum heutigen Tage als meinen Verlobten betrachtet, /' habe ich niemals geliebt, doch wäre ich ihm eine treues ' ergebene Gattin geworden, eine treue Gehilfin in seinem schtveren, aufopfernden Berufe.- Ich habe'ihn hochgeachtet, und das genügte mir. Als ich ihn aber-meiner' Achtung unwürdig befunden, da blieb mir nichts anders . übrig, als derart vorzugehen." Der Rabbiner schüttelte mißbilligend, das-Haupt.... . „So sollte das nicht geschehen, auf diese Ark nicht: Eint. .. ' Verlobung kann auf eine. minder auffällige Art gelöst ' werderr, als es hier zum Gaudium der' skanvalsüchtigen ' /? Menge geschah, wenn Piesen sich wirklich derart benom- - - men, daß er Ihrer Achtung unwerth ist" — :/ , „Sie zweifeln noch daran, Herr. Doktor? - -Hier. .' > / lesen Sie diesen Brief, der mir heute durch die Post zugekommen, zu spät, um zurücktreten zü können.- .' Mein. Vater wollte von einem Zuriickireten 'nichts hören,". \ und mit Piesen zu sprechen, verbot mir mein Ehrgefühl. Schließlich ist es besser für mich, daß allgemein bekannt., .: wird, ich wäre freiwillig. zurückgetreten, äls! daß; may.■; glaubte, ich wäre eine verschmähte PraU",^?A; „Sie sind sehr überlegt, sehr vorsichtig, mein Fräu-. lein," sagte der Rabbiner.';S.Ute, lesen Sie. e^.. . :. Der Rabbiner zog sich in eine. Fensternische zurück. 7? - " und vertiefte sich in das Lesen des umfangreichen v Schreibens.'welches ihm Martha übergeben Haltes Diese beobachtete unterdessen Völler. Spannung die Gesichtszüge des Lesenden, forschte nach jeder Verande- 'V .- rung in dessen Mienen. . Nachdem er gelesen hattet reichte Hellniänn den Brief seiner Eigenthümerin. - f ' .Mie haben ganz Iecht.^FräülHk! Hiesen' ist^ . Ihrer Liebe, Ihrer Ächtung unwürdig, wenn das'währ ist, was in diesem Briese steht, wenn nicht elende Rach- 7 F