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Der Israelit · 1902-08-18 · Heft 66 (18.8.1902) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 66 (18.8.1902)
Date
1902-08-18
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1404 verflüchtigen zu lassen, sollten die Juden ihre Religion und auch nur'das pietätvolle Beobachtm ihrer Gebräuche, die Befolgung der humanen und nützlichen Vorschriften der Thora aufgeben? Das wäre jetzt noch unsinniger, als es früher je gewesen wäre. , Das Judenthum will keine Proselyten machen. Es hat früher als anderen Religionen den Andersgläubigen auf Erden Duldung und Fortleben im Jenseits zugestanden. Das Judenthum läßt gern alle Christen nach ihrer Faxon selig werden. Alles, was die Juden verlangen und zu verlangen jetzt mehr als je ein gutes Recht haben, ist, daß man sie selbst nach ihrer Fa^on selig werden lasse. — ZsiLWNtZsssachrLHLeN Eorrespsrrderrzerr. Deutschland. Frankfurt a. M., 15. Aug. Am 18. Menachem des Jahres 6602 erschien in der Hausflur eines alten, mit allen Mängeln behafteten Hauses in der Juoengasse — „Zur Klaus" genannt — ein Bote und frug nach Herrn Moses Lob Mainz. „Er ist oben in der „Chevras Ha-Schaß", tönte ihm eine Stimme entgegen. Man muß sich diesen Raum in seinem damaligen Zustande vergegenwärtigen, um die Genügsamkeit unserer Altvordern, -die nur der Simcha schel Mizwoh lebten, begreifen zu lernen. In der ersten Etage, nach hinten zu gelegen, in einem Gemache, in dessen Fenster die Düste der gegenüberliegenden Schlachtereien eintrater, umgeben von einer moosbewachsenen Mauer, die deutliche Spuren Jahrzehnte langer Vernachlässigung an sich trug; morsche, wackelnde Fensterrahmen, bleieingefaßte, mit Papier verklebte Scheiben, so war die Oertlichkeit beschaffen, wo sich allabendlich. : ebenso bei größter Hitze, wie bei stärkster Kälte, ungefähr zwanzig Männer zusammenfanden, um sich nach des Tages Last und Mühe nochmals gemeinschaftlich dem .Thorastudium hinzugeben. Wir sagen „nochmals", denn die meisten von ihnen hatten schon am Tage bestimmte Stunden dem Talmud-Thora-Studium gewidmet. Die innere Einrichtung paßte zw dem Aeußern des Gemaches, ein paar Oellämpchen bildeten das hervorragende Vereinsmobilar. Nachdem der - Bote : unter - Anklammerung an das Treppenseil den dunklen Vorplatz im ersten Stock erreicht hatte, öffnete er ein wenig die Thüre und rief in die Stube: „Ich soll Herrn Mainz sagen, daß ihm ein Sohn geboren wurde." „Maseltow, Maseltow," t'önte es von allen .Seiten und HerrMoses-Mainz sprach sofort den Segensspruch ^.Hatow webametiw." . Und wie sich diese „Berachah" vor versammelter Chewra zu Ehren des Neugeborenen^ der den Namen Michael erhielt, bewahrheitet hat, dies sollen die nachfolgenden Zeilen bekunden. Es gibt wohl heute auf dem gesammten Erdenrunde kaum eine jüdische Gemeinde, in der der Name Michael Moses Mainz nicht in Verbindung mit irgend einer guten Sache genannt wird. Es gibt wohl kaum einen Verein, eine Wohlthätigkeitseinrichtung in unserer Stadt, an der Herr Michael Mainz, sei es als Gründer, Leiter oder Vorstandsmitglied nicht hervorragend betheiligt wäre. Es würde zu weit führen, sie hier alle aufzuzählen, wie die Suppenanstalt, der Wöchnerinnenverein, die Schulgelderkasse, Hospital- und Waisenanstalten u. s. w., die seiner Anregung ihr Entstehen, seiner aufopfernden Thätigkeit, ihr Gedeihen verdanken. Noch eins wollen wir nicht unerwähnt lassen. Baron Milli von Rothschild s. A., auf den biederen, offenen Charakter des Mannes aufmerksam geworden, berief ihn zum steten Berather in allen Angelegenheiten der von ihm in so weitem Maße ausgeübten Zedaka. Und wie dankte er diese Zuneigung des hohen Herrn? Mit Hintansetzung aller seiner persönlichen Interessen war er Tag und Nacht bemüht, für Arme, Verlassene, Wittwen und Waisen zu sorgen. . Möge sein Wirken Nachahmung finden und möge ihm der Allgütige noch eine lange Reihe von Jahren seines der Thora, Aboda und dem Gemilus.Cheset gewidmeten Lebens beschieden sein lassen. ' ‘Tont Wiesbaden, 12. Aug. lieber das in Nr. 66 L I. Ihres gesch. Blattes bereits rühmlichst erwähnte Buch „Die Frau auf richtiger Fährte" von Lena K.ahn-Basel äußert sich der bekannte Stadtpfärrer von Freiburg — Herr Hansjakob — wie folgt: „Ein für Frauen von einer Frau geschriebenes Buch, das zwei Driitheile seines Inhalts der Kochkunst widmet, ist in meinen Augen — ungelesen — ein gutes Buch, weil es die Frauen auf ihre richtige Fährte weist. Aber auch was sonst in dem Buche gesagt wird, hat meinen vollen Beifall. Mir scheinen die israelitischen Frauen noch besser zu wissen, was Aufgabe des Weibes ist, als unsere modernen Kulturdamen christlicher Konfession Das Familienleben ist bei den Israeliten überaus tiefer und ächter, als bei den meisten neuzeitigen Christen. Jahrhunderte lang verfolgt und aus Welt und Gesellschaft verdrängt, hat das israelitische Volk das, was ihm die Gesellschaft versagt, in dem Familienleben gesucht und gefunden." Diese, der Antwort des Herrn Stadtpfarrers entnommenen Worte, sollten besonders in den jüdischen Kreisen Beachtung finden, in denen der Sinn für das innige, jüdische Familienleben gelockert ist, die mit aller Macht und allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln in die fogen'annte „Gesellschaft", die ihnen ja doch nie ganz zugänglich sein wird, einzudringen bestrebt sind. Möge -

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