Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1902)
- Date
- 1902-08-18
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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- Sousse 1× ep/1045746
- Tunis 1× ep/1048155
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M!ij,u ijüU ÜiÜ im i ¥ i- Kronen, die zum guten Thüle judenfeindlichen Zwecken dienen..::/ .... "' F r a n.k r e i ch^. ' Paris. Der französische Antisemitenhauptling Marquis Mores war vor sechs Jahren in sträflich leichtünniger Weise, trotz aller Warnungen, in die Wüste gezogen und wurde dort ermordet. Seme Gesinnungsgenossen logen nun der Welt vor, die Mörder.seien von der französischen Regierung beauftragt gewesen. Das gab eine schöne Reklame und aus dem Demagogen wurde ein: Märtyrer. Aber die vor einigen Tagen in Susa; (Tunis) stattgehabte Gerichtsverhandlung zerstörte die Schwindellegende. Mores ist von Arabern ausgeplündert und getödtet worden. Zwei. Thäter standen vor Gericht. El Kheir Den Abdel Kader wurde zum Tode und Hamma Ben Scheik zu 20 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt. 6ns I a n d. London, 10. Aug. Die religiöse Ceremönie bei der Krönung des Königs. - vollzog sich, wie sie vor 3000 Jahren schon vollzogen wurde, nach folgendem Berichte des ersten Buches der Könige:. „Da gingen hinab, der Priester Zadok und der Prophet Nathan und Benaja, der Sohn Jojada und Krethi und Plethi. Und der Priester Zadok nahm das Oelhorn und salbete Salomo. Und sie bliesen mit der Posaune und alles Volk sprach: Glück dem Könige Salomo! Und alles Volk zog ihm nach heraus, und das Volk pfiff mit Pfeifen und war sehr fröhlich, daß die Erde von ihrem Geschrei erschallete." Die Uebereinstimmung der englischen Königskrönnng mit der altisraelitischen Salbung des König? ist. auffallend. : Fe. u f l l e t o n* Die j)robepredigt. Humoreske von Babette Fried aus Prag. Aber was - war dies? Träumte oder wachte er? Das Lächeln aus seinen Zügen.war. mit einemmale verschwunden und harte dem Ausdruck von Verlegenheit rrnd Staunen Platz gemacht. Aus dem Munde seines Widersagers — als solchen betrachtete er den Redner, tönte ihm seine eigene Predigt — Satz für Satz -— entgegen. Kein Passus der festgefügten, glänzenden Rede fehlte; und so wie er es von dieser erwartet hatte, so wirkte sie gerade überwältigend auf die zahlreiche Zuhörerschaft. Die eine Partei warf der. andern, höhnische Blicke zu, gleichsam, als wollten sie sagen: „Schaut doch, was - der von uns Vorgeschlagene zu - leisten vermag!.: Die:, Gegner schienen wider Willen bekehrt zu sein und nickten : zustimmend den geistvollen Auseinandersetzungen.. des Predigers zu. „Habeam papam!"' schien auf Aller Lippen : zu schweben. . ^.7 In der allgemeinen Begeisterung achtete man des.. jungen Kandidaten nicht, der.in stiller Verzweiflung an seiner Unterlippe nagte. Die wohlberechtigte Frage; . Woher hat Herzig meine Predigt hergenommen, wurde von der in diesem Augenblicke viel richtigeren verdrängt:: Was nun?. Wie kann ich mich aus dieser Verlegenheit herausziehen? Was werde ich sprechen, , wenn die Reihe an mich kommt? Kann ich denn Reden, aus der. Erde stampfen? Wächst mir eine Predigt auf der; flachen - Hand?/ . ..;. Der Prediger hatte zu Ende gesprochen und die Gemeinde gesegnet. Sein Amen verschmolz mit dem hundertfachen Jejascher koach, welches ihm zügerufen wurde,, und stolz, wie ein Sieger das Schlachtfeld, ver- . ließ er die Kanzel, noch im Herabsteigen einen triumphirenden Blick auf seinen Rivalen werfend.. ' Dieser Blick hatte einen Gedanken in dem jungen Candidaten hervorgerufen, wie der drohenden Blamage mit Ehren zu entgehen sei. Kaum konnte er das Ende - des Gottesdienstes erwarten, dessen Schluß seine Rede bilden sollte. Hocherhobenen Hauptes bestieg er die Kanzel. „Meine andächtigen Zuhörer!" begann er,'" „mein hochverehrter Herr Vorredner hat soeben eine Predigt gehalten, die so gediegen ist, daß sich die von mir vorbereitete keineswegs damit messen kann. Da ich aber vielfach den Wunsch äußern hörte, diese Rede noch ein- / mal zu hören, so glaube ich, einem allgemeinen Ver-. langen zu willfahren, wenn ich die vor Kurzem gehörte Rede aus dem Gedächtnisse wiederhole." Und Dr. Adler begann Herzig's Predigt zu recapituliren. Es war dieselbe, Satz für Satz, und doch nicht dieselbe, denn Dr. Adler trug die Predigt mit einer solch' feinen Nuancirung und Betonung vor, daß die geistvollen Worte erst durch die Vortragsweise des jungen Redners zur. vollen Geltung kamen. -. - . . Die zahlreichen Zuschauer wußten nicht,was sie an Adler mehr bewundern sollten, ob das Verständniß und die Innigkeit seines Vortrages, welcher einen glänzenden Contrast bildete zu dem monotonen Tone, in welchem - der erste Redner: ein und dieselben Worte vorgetragen hatte, oder die an's Wunderbare streifende Gedächtnißgäbe, welche es ihm ermöglichte, eine lange Predigt nach einmaligem Hören fast wörtlich wiederzugeben, und zwar besser und verständnißvoller, als es der . eigentliche Verfasser gethan. : ' '