Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1902)
- Date
- 1902-08-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1398: ... :Bad Loh, int Aug.;: (E rinnerungen eine s K urgaste s.) Nach Beendigung der diesjährigen „Sommerfrische*, für welche eher die Bezeichnung „frischer Sommer* am Platze wäre, dürfte es für den Lesertreis des „Israelit* von Interesse sein, so Manches über den Aufenthalt im bayerischen Alpen- 1 gebiete zu erfahren, die Freuden und Leiden eines orthodoxen Jehudi mitzufühlen an einem Platze, wo. es weder eine rituelle Speiseanstalt gibt, noch eine Kultusgemeinde existirt. „Wer wird aber auch dahin gehen,* höre ich fragen, „da doch das Nöthigste fehlt?*. Gut : gefprochen und schnell - gesagt, freundliche Leserin, geehrter Leser, und ich selbst würde vielleicht die gleiche Ansicht, theilen, wenn die Erfahrung der maßgebenden Verhältnisse nicht die bessere Lehrmeisterin wäre vvn px piw 122, und so war der entschiedene Rath de: Aerzte stärker, als der Selbstwille. „Mt Kind und Kegel nach Tölz," lautete die Parole, und wer Lust hat, den „Küchenwagcn* einpacken zu helfen, mag mir liebenswürdigst im Geiste Gefolgschaft leisten, oder besser, beim Auspacken zur Seite stehen, um sich gleichzeitig zu überzeugen, ob auch alles gut angekommen sei. Also selbst dort soll der besseren Hälfte das Regiment des Kochlöffels nicht abgenommen werden, und damit die Reue nicht folge und das Reiseprogramm störe, wollen wir schleunigst abdampfen. Gefährten gab es unterwegs nirgends, denn Jeder drückte sich um das Koupee herum, / wenn er die lieben Kleinen erblickte oder deren holde Stimmchen von Ferne vernahm. Nach glücklicher An- ' tunst mußte zunächst für entsprechende Wohnung mit Küche gesorgt werden, und eine solche war sehr rasch: 'und in prachtvoller Lage gefunden und bezogen, und das Gepäck ließ kein Viertelstündchen länger auf sich warten. Gehen wir sogleich daran, die verborgenen Schätze der voluminösen Kisten und Kasten auszukramen. - Ein' kräftiges „Halt* aus dem Munde der Gattin hält die Arbeit noch ein Weilchen auf, weil noch noch nichts „geglüht und belegt" ist. Endlich sind die unentbehrlichen Hohelspäne zur Stelle geschafft, die Platte des traulichen Herdchens lodert und leuchtet im unheimlichen Roth züngelnder Flammen, währenddessen die geschäftige, niemals rastende Hand der Meisterin und neugebackenen Herrin mit Papierstreifen die Schüssel- und Tellerrahmen fürsorglich umwickelt, die von zu Hause mitgebrachten Zäckchen befestigt, Tischchen, Platten und andere Gegenstände mit dünnen Brettern und dergleichen bedeckt, und nun mag Hammer und Zange in den Dienst treten, um die Geheimnisse der schweren Gepäckstücke an das Tageslicht zu fördern. Jetzt beißt es aufgepaßt! Töpfe und Näpfe, Teller und . Schüsseln, Pfannen und Krüge schlüpfen aus dem Ver- , stecke hervor und wandern zur fleischigen Abtheilung, , während die Milchgefäße ihren Separatraum beziehen. Da 'stand nun wieder alles in Pracht und Herrlichkeit und triumphirend gleitet der Kennerblick der emsigen Gebieterin darüber hinweg. „Sie zählt die Häupter > ihrer Lieben!* Hier weilte alles vom wohlbekannten Pokale Papas bis zum Breischüffelchen Nesthäkchens-'. und harren im fremden, fernen Lande der gewohnten Bestimmung. „Alles hat den Transport unversehrt überstanden", spricht mit gewissem Stolze die „Mutter der Kinder* „und doch,* unterbricht sie sich selbst, „wo blieb denn unser Familienstück, die unentbehrliche, treugehütete Suppenterine mit dem schon aus der frühesten Jugendzeit besessenen Sprunge? Ich habe sie selbst vorzüglich in Heu eingelvickelt, damit dieselbe auch weitab von der Heimath ^hrer Pflicht obliege, um' nicht, einsam und verlassen, als Haushälterin der Langeweile: fröhnen zu müssen." Hier kommt sie zum Vorschein,- " Mama," ließ sich die Stimme des Töchterleins alsbald vernehmen, aber, o Graus! Die Wand war ihr eingedrückt und die Scherben bedeckten die Hülle. Eist vorwitziger Topfthunichtgut neueren Datums hatte sich mit Gewalt hervorgedrängt, ihre alten, steifen Glieder rücksichtslos zur Seite schiebend. So viele Jahre hattesie mancherlei Widerwärtigkeiten und Stürmen Trotz geboten, um endlich, ferm der Heimath, dem Zahne der ' Zeit den schuldigen Tribut zu entrichten. Ein Wehlaut entrang sich den Lippen jedes einzelnen Familiengliedes; doch man mußte sich in's Unabänderliche in Geduld und Ergebung fügen. Mit dem Begleitsatze: „alles Böse soll mit weg sein und alle Scherben bedeuten Massel*, wanderte das nunmehr werthlose Geräthe den Weg alles Fleisches, Pardon, des zerbrochenen Geschirres^ Arme Alte, Dir sollte im Kurorte keine Erholung zu Theil werden, im Gegentheil, dieser war Dein Grab geworden. „Der König ist todt, es lebe der König!" Bald war das Leid und der Schmerz der Königin des Hauses gestillt, denn ganz unbemerkt hatte Papa zur „Billigen Quelle" geschickt, um den. schweren Verlust ersehen zu lassen, und „neues Leben blüht aus den Ruinen." " - ' ' (Fortsetzung folgt.)- v ' : V - .' . . . . U n g a r n. Pest, int Aug. (Antisemitisin ns mit' Jndengeld.) Antisemitische Propaganda mit jü- " dilchem Gelde betreibt die Ungarische Landwirthschaftliche Vereinigung in Budapest. Diese Körperschaft, die ihrer Judenfeindlichkeit ein agrarisches Mäntelchen' umhängt und an der Spitze der. sog. „antimerkantilistischen" Bewegung einherschreitet, welche durch Schaffung antisemitischer Konsumgenossenschaften tausende von. jüdischen Existenzen auf dem flachen Lände zu Grunde gerichtet hat, besteht zu einem Viertel aus jüdischen Mitgliedern. Nicht weniger als 800 Juden gehören, dem „Egyenlöseg" nach, dieser Vereinigung an, ohne daß.' deren offen bethätigter Antisemitismus diese 800 Mitglieder zum Austritte oder auch nur zur Beschwerdeführüng veranlaßt hätte. Die jährlichen Vereinsbeiträge dir jüdischen-Mitglieder belaufen sich auf 1O.OOO'