Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1902)
- Date
- 1902-08-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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jj :i ':!! t & 1397 höheren Wesens erscheinen, erstrahlen macht. Es gibt noch etwas Höheres und Edleres, als die Wissenschaft, das sind die Ideale der Religion und des Glaubens, das sind die Tugenden der Moral und Sittlichkeit, das sind die geweihten Höhen der Nächstenliebe und Menschenfreundlichkeit, das sind die uns mit Ehrfurcht erfüllenden Tiefen der Demuth und' Bescheidenheit, das sind die unverrückbaren Grenzen der Redlichkeit und Rechtschaffenheit, der Reinheit und Lauterkeit. Je mehr Einer die Menschheit mit diesen Idealen des Lebens ziert und schmückt, je tiefer er diese Ideale in die Seele der Menschen eingräbt, desto berechtigter ist er zu dem Rufe: "mvvrn 'nbis Ich habe die Menschen nicht nur großgezogen, sondern auch erhoben, veredelt, geweiht und geheiligt, sie von der Niederung des Alltagslebens zu den Höhen des Ideals emporgetragen! Wer hat aber zur Erhebung und Veredelung. seiner Nebenmenschen mehr betgetragen, wer die Ideale der Religion und des Glaubens tiefer in die Seele seiner Nebenmenschen eingegraben, als dieser Greis, der die hiesige kleine Gemeinde nicht nur groß gemacht, sondern sie auch erhoben, sie moralisch, sittlich gehoben, geweiht und geheiligt, sie zu einer der besten und würdigsten in Israel gemacht! Er war der Begründer der Chewra Kadischa, der Gründer des Frauenvereins, er war der Urheber und Schöpfer alles Edlen und Heiligen, - alles Schönen und Guten, das in der hiesigen Gemeinde geschaffen wurde. Wenn von irgend Jemand, gilt von diesem edlen Greis das Wort der Schrift: „Und die Verständigen werden, glänzen" wie der Glanz des Himmels und die, welche Viele zur Gerechtigkeit führten, wie die Sterne immer und ewig." (Daniel 12, 3.) "n’m pnasi, sagt der Talmud, die Viele zur Gerechtigkeit' führen, mpnwi 'ivbv ibrr. das sind die Lehrer und Erzieher, die geistigen Bildner und Wohlthäter der Menschheit! (Baba Bathra 8 tr.) Zu diesen gehörte der verklärte Greis, an ihm bewährte sich das Schriftwort: „Die Krone des Aters wird auf dem Wege der Tugend gefunden!" (Spr. 16, 31.) Ruhe seiner Asche. Menachem. München, 16. Aug. (Vom RathHaus- Neubau.) Hoch droben an dem Giebel des neuen Rathhausbaues, der sich in der Landschaftsstraße über dem Erker beim Anschluß an den alten Theil erhebt, schauen als Konsolen zwei Judenköpfe hernieder, ein Mann und eine Frau mit charakteristischen Zügen und Spruchbändern in den Händen, darauf allgemein gül-- tige Worte eingemeißelt sind. Zunächst völlig unbeachtet, erregten die Bildwerke erst vor Kurzem größere Aufmerksamkeit,, da sie Veranlassung waren zu gehässiger Auslegung und zu vom Künstler nicht beabsichtigten'Mtzen. Denn nichts liegt dem Meister ferner, als durch den Bildschmuck, den er harmlos über das. Gebäude vertheilt, irgend Jemandes Gefühle oder Interessen zu verletzen. Er ist aber wohl der Ansicht, daß ein Gebäude wie unser Rathhaus, gleich wie es. berufen - ist, in seinen Hallen die gegenwärtige und kommende: . Geschichte der Stadt sich abspiegeln zu seW, so auch der ' Erinnerung an die Ereignisse früherer Jahrhunderte dienen müsse, und zwar in klar ersichtlicher . Weise, so ' daß das Volk aus den verschiedenartigsten Bildwerken- . welche die Mauern schmücken und .belemtn, ' wke/.m. einem - - Buche die Vergangenheit studiren kann, Ein Rathhaus;; ist die bauliche Verkörperung eines Gemeinwesens und da Reiche und Arme, Gebildete und minder Gebildete, .. einem solchen angehören, muß die monumentale Ausbildung des Hauses zur Freude und Belehrung. Aller dienen, dort auch durch die Feinheit der Details, hier durch den reichen, sprechenden plastischen Schmuck,, der Allen Denen, welche nur unbewußt unter dem Eindruck des mächtigen Gesammtbaues stehen, zunächst in's Auge. . fällt und sie ästhetisch befriedigt..- / . So haben denn auch der Jude und die Jüdin-, welche dort angebracht sind, gerade an dieser Stelle ihre;. tiefere Bedeutung. Sie schauen aus der Landschafts-: - straße über das Häusergewirr u. das schmale Zwischen-/ gäßchen hinüber in die heutige Gruftstraße, an die ' Stelle, wo einstens vor vielen hundert Jahren die damalige Kultstätte der Juden lag. Denn die heutige Landschaftsstraße zusammen mit der Gruftstraße, bil-: . deten vor Alters das Judenviertel der Stadt, dessen Mittelpunkt, die Synagoge, dort stand, wo heute der östliche Flügel des kgl. Polizeigebäudes sich erhebt. Die. Geschichte des Ortes ist blutig und ernst. Bereits 1286 - ■' zerstörten die Münchener anläßlich einer JudeNver- - folgung das Gebäude und verbrannten in ihm. an 180 ' ' Juden jeden Alters und Geschlechts; die Trümmer aber > blieben Jahrhunderte lang öde liegen, bis Herzog M-. . brecht IV. nach 1440 d. g. Z. den Platz seinem und seiner Gemahlin Anna von Braunschweig Leibarzt Dr. Hans Hartlieb schenkte. Dieser Mann baute zunächst das „untere Gewölbe" zu einer Kirche um, die,so zähl?- reichen Zuspruchs sich erfreute, daß sie erweitert werten mußte. Später, 1494, kämen Haus und Kirche än das Kloster Andechs, das 1763 eine gründliche Renopirüng vornahm, wobei in einem mächtigen, noch aus der alten.; Synagoge stammenden Pfeiler ein merkwürdiges; ewig... brennendes Licht in einer gläsernen Phiole gefunden WUrde. . / ' .; „Die „Münchener Neuesten Nachrichten"-, -denen wir diese Mittheilungen entnehmen, machen hierzu fol- ' gende eigenthümliche Bemerkung:- Düs. Lichtist Wahr?-. . scheinlich ein „Esch-tamid", ein Exemplar des heiligen Feuers, das in seiner Verborgenheit fürdie Juden das ' Bild ihrer Hoffnung auf bas Erscheinendes:Messias' darstellt und nach längerem . Verlust inuralten..Zeiten v durch göttliche Inspiration wieder hergestellt in je einem - Exemplar im Besitze der Rabbiner der zwölf,Stämme > gewesen sein soll. : - , .