Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 66 (18.8.1902)
- Date
- 1902-08-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1896 SertmrgZrrsHrWLeM «mV Tsrre-psttdsrssett. ' O e st e r r e i ch. Berlin, 14. Aug. Bei dem alljährlichen Festakt in der hiesigen Universität wurden die Ergebnisse der Preisaüsschreibungen pro 1901/02 verkündigt. Den Preis der' juristischen Falkultjit erhielt Stud. jur. Ernst Feder-Berlin, einen Theilpreis, Stud. jur. Bruno Plau-Marienwerder; der königliche Preis der medizinischen Fakultät wurde dem Stud. med. Franz Wohlauer, der königliche Preis der philosophischen Fakultät dem Stud'. phil. Abraham Hoffmann, Sohn des Herrn Seminardirketors Dr. D. Hoffmann-Berlin, der für die geschichtliche Aufgabe („Die Nachrichten des Flavius Jofephus über die römische Kaiserzeit") dem Stud. Phil. Eugen Täubler-Berlin und der englischphilologischen Aufgabe dem Stud. Phil. Bernhard Neuendorf-Berlin zuerkannt. Bon den (mit Ausnahme des ausscheidenden theologischen) insgesammt sieben verliehenen Preisen sind sechs von jüdischen Studirenden erworben worden. SamoLschin, im Aug. Ein überaus ehrwürdiger Greis, ein mit allen möglichen Vorzügen ausgestatteter Veteran aus dem verdienstvollen und ruhmreichen Heere der Lehrer und Erzieher, ein durch die mannigfachsten Ehrungen ausgezeichneter und von allen Konfessionen gleich hochgeachteter Mann, Herr Marcus Spiewkowski, ist uns in seinem 81. Lebensjahre entrissen und unter allgemeiner Theilnahme der jüdischen, wie nichtjüdischen Bevölkerung, Donnerstag, 7. d. M., beerdigt worden. Mit Herrn Spiewkowski ist die Zierde unserer Stadt, der Stolz unserer Gemeinde, eine Säule unseres Lehrervereins, in's Grab gesunken. Von der ganzen Bevölkerung hochgeachtet, im Lehrerverein, im Handwerkerverein, seiner hervorragenden Verdienste wegen, überaus beliebt und sehr geschätzt, bildete der - verklärte Greis eine Persönlichkeit, zu der Jung und Alt voll Liebe und Verehrung emporblickte. Von Sr. Majestät unserem glorreichen Herrn und Kaiser dekorirt, fehlte ihm auch die Allerhöchste Anerkennung und Zeugenschaft nicht, daß er ein muthiger, tapferer Held im heißen, 'harten Kampfe des Lebens gewesen. In der That, wersich vom armen, nothleidenden Vachur, wie er selber in.seiner Selbstbiographie erzählt, zu d e r Höhe emporschwingt.- -auf-,der er am Ende seines reichgesegneten Lebens gestanden, der verdient,, als „Held im Kampfe des. Lebens," als ^Gibbor". bezeichnet und als solcher gewürdigt zu werden,-und es bewährt sich an ibmdaZ Wort Jehüda ben^Thema's. nach jeder Richtung .. hin wvwfr wnw p! Dem.Achtzigjährigen: reichet . die Krone des Heldenthumswenn er wacker und tapfer gekämpft den Kampf, des Lebens! (Aboth 3, 24.) Als Schüler des Rabbi Salomon Eger-Posen f. %, war Herr Spiewkowski ein Ben Thora, ein Mann. großer und vielseitiger Kenntnisse auf dem Gebiete der. Thora, und da er stets „Thora" mit „Jirah" innig verknüpfte und Gottesfurchi das oberste Prinzip seines Lebens gebildet, konnte der Redner mit vollem Rechte von dem Heimgegangenen, ehrwürdigen Lehrer Marcus Spiewkowski' sagen: Ti-DDSi rro nw »'x der Verklärte war ein durch und durch aufrichtiger und begeisterter Jehudi, und sein Name hochgeehrt und hochgeachtet. ' Die Grabrede hielt der Mitarbeiter dieser weitverbreiteten und geschätzten Blätter, Herr Rabbiner Dr. K o h n - Jnowrazlaw, und wenn Sie mir gestatten, will ich mir erlauben, Einiges aus dieser Rede mitzutheilen. Den Text bildete ein Wort aus der Haftarah zu *ptn rnV.r * "’mr.'n ’itfrn d'ü „Kinder habe ich großgezogen und hoch erhoben". (Jesaia 1, 2.) Wer kann dieses Wort „Kinder habe ich großgezogen und hoch erhoben," mit mehr Recht ausrufen, als der, der fein ganzes Leben dem Unterricht, der Erziehung gewidmet, und zu seinem fünfzigjährigen Lehrerjubilaum Hunderte und Hunderte von Männern, in angesehener, hervöragender Lebensstellung, seine Schüler nennen durfte! „Es ist bezeichnend für die Anschauung des Judenthums," sagt der Redner, daß die hebräische Sprache, den Unterricht und die Unterweisung, die Lehre und die Wissenschaft mit dem Wort groß bezeichnet, und denjenigen, der Lehre und Wissenschaft inmitten der Menschheit verbreitet, sagen läßt, ’nVu B'» ich habe zur „Groß e" der Menschheit das Meinige beigetragen. Denn die wahre Große .des Menschen besteht nicht in Gold und Geld, in Reichthum und Besitz, nicht der Reiche und Begüterte, sondern der Intelligente und Gebildete, der Weise und Einsichtsvolle, ist der wahrhaft Große, und je mehr - Einer zur Bildung und Intelligenz der Menschheit beiträgt, desto mehr trägt er zur „wahren Größe und Würde" der Menschheit bei. Wer hat aber mehr „Bildung und Wissen" inmitten der aufstrebenden Jugend verbreitet, wer mehr zur wahren Größe seiner Rebcnmenschen beigetragen, als dieser ehrwürdige Greis, als dieser hochbetagte Lehrer, der sein Leben lang wie ein Hoherpriester im Heiligthum der Wissenschaft den heiligen Dienst verrichtet und aus dem Allerheilig-. sten der Gotteserkenntniß heraus, den Namen des - Allmächtigen Gottes in die Welt hinaus und. in die Herzen und in die Seelen hinein gerufen!!! Wissen und Bildung ist aber nicht Alles! Es gibt noch etwas. Höheres und Edleres, etwas Heiligeres und Weihevolleres, was den Menschen über allen Staub er-' hebt, ihn von der Niederung der Erde zu den Hohen des -- Himmels emporträgt, ihm das Siegel, das Gepräge dev' Gottähnlichkeit aufdrückt, und ihn im Glanze eines-'