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Der Israelit · 1902-08-14 · Heft 65 (14.8.1902) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 65 (14.8.1902)
Date
1902-08-14
Page
– (sequence 18)
Language
German
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1388 so glücklich-unglücklichen Juden entsprungen und mit dem Immergrün seiner festen Hoffnung, seines unerschütterlichen Gottvertrauens geschmückt, so standen sie einst, um dem vielgeplagten Ghettojuden seine Vermittlungssprache mit seinem Gotte zu verleihen, ihm Trost und Muth einzuflößen, ihm seine ihm streitig gemachte Menschenwürde wieder zu geben, so stehen sie heute noch da und so werden sie sich, wills Gott, auch den kommenden Generationen übertragen. Da z. B. ist das einfache, alltägliche Maarivgebet, wie wir es uns nicht schöner wünschen könnten. Eine ganz besondere Sorgfalt wird den Neginaus von Esther und Eichoh gewidmet, die, abgesehen von ihrem realen Werth, auch für Gönner und Forscher jüdisch-lithurgischer Musik von Interesse sein müssen. Das Morgengebet steht in seinem bescheidenen Putz und schönem, warmen Ton vollständig, von Adaun aulom bis zum Oleinu und Lern kadisch, vor uns, sowie die dieser Rubrik eingeschalteten S'lichaus, Kinaus und Pijutim uns zeigen, wie überall die traditionelle Innigkeit in moderne, ritmische Formen sich leicht hineinsügt und sich in ihnen meisterhaft bewegt. Als abgeschlossenes Ganzes verdient noch besonderer Beachtung das „Jaumkippurkoton", mit seinen alten, wehmuthsvollen Weisen, mit seinen Tönen aus längst verschwundenen Tagen, aus den Zeiten des Mausche Kordoweroh und des Rabbeinu Niffim. Den Kasualien ist in gleicher Weise durch einen besonderen Abschnitt Rechnung getragen, wo der Kantor für alle Fälle und Gelegenheiten privater, familiärer, oder öffentlicher Natur, insofern sie mit seiner amtlichen Wirksamkeit in Berührung kommen könnten, wie etwa „seider miloh", „Kiduschin", Birchas hamosaun, Psalme für Krankengebete. Gesänge anlässlich patriotischer Feierlichkeiten etc., sich Aufschluss und Anregung holen kann.' Wir können es nicht unterlassen, den Lehranstalten für Lehrer und Kantoren., allen jüngeren Kollegen, sowie allen Gönnern und Kennern jüdischen Synagogengesanges, das Werk angelegentlichst zu empfehlen und wünschen nur,'das ihm auch seine Brüder, die noch ungedruckten T^ile für den Sabbat- und Festgottesdienst, bald folgen mögen und sich desselben Anklanges und berechtigten Beifalles würdig zeigen. Sch. Zeikmgsrrachrrchken urw CsrresysrrdeKZsN. J © e « t f $ l a n b. Berlin, 7. Aug. (Jsr. Lehre rin neu- ° heim in Sieglitz, Albrechtstr. 41., gegr. 1899 für deutscheLehrerinnen.) In Lichterfelde, Karlsstr. 112. kam ein Gebäude unter Dach und Fach, welches im höchsten Sinne des Wortes dazu bestimmt ist, ein „Heim" zu werden. Das durch die Hochherzigkeit des Ehepaares Wydgodzinsky Berlin, Bellevuestr. 7, denl Vereine „Jsr. Lehrerinnenheim" gestiftete neue Haus ist ein Vorbild und ein Mahnruf für" alle, die ein mitfühlendes Herz haben, aber auch eine Hand, die helfen kann! Und wo thut Hilfe mehr noth, als da, wo Alter und Arbeitsmüdigkeit sich zu Mangel, Bildung und Vereinsamung gesellen?! Wahrlich, die Frauen und. Mädchen, die ihr Leben in Hingabe und Pflichttreue der Erziehung und dem Unterrichte unserer Jugend gewidmet haben, verdienen es, am Abend dieses Lebens ein sorgenfreies, freundliches Heim zu finden. Der Vollendung des Neubaues sieht man zum März 1903 entgegen, wo ein Fest diejenigen vereinigen wird, welche diesem echt humanen, segensreichen Verein „Jsr. Lehrinnenheim" ihr unermüdliches Interesse zuwendeten, oder beweisen wollen. . . Obgleich wir nun durch Schenkung ein eigenes Haus haben, reichen unsere Mittel leider doch nicht aus, um alle einlaufenden Bewerbungen berücksichtigen zu können. Auch die Gesuche, das Erholungsheim betreffend, dessen Eröffnung wir einem Legate der verehrten Frau Louis Liepmann, Bendlerstr. 43, verdanken und rühebedürftigen Damen 4—6 Wochen unentgeltlich zur Verfügung steht, sind so zahlreich, daß wir nicht in der Lage sind, allen Anforderungen gerecht zu werden. Wir richteten desshalb wiederholt an alle hilfsbereiten, edlen Menschenfreunde die herzliche Bitte, unser Streben unterstützen zu wollen. Geldsendungen zur Anschaffung der Einrichtung im neuen „Heim" sind ebenfalls sehr erwünscht. Annieldungen zur Mitgliedschaft, Mindestbeitrag 6 Mk., für Lehrinnen 4 Mk., richte man gefl. an unseren Schatzmeister, Herrn C. L. Netter, Berlin, Lindenstraße 6.; Zu jeder näheren Auskunft ist die zweite Vorsitzende, Frl. Pauline Münschhausen, 'Friedrich-Wilhelmstraße 17, bereit. ■ . Oesterreich. Wien, im Aug. (Antisemitismus in der Mittelschule.) Kaum ist der bekannte Fall des Professor Spika durch die Nachricht von dessen Enthebung aus der bisher innegehabten Stellung wenigstens theilweise erledigt — vollständig ist er es so lange nicht, als der Unterrichtsminister die diesfalls an ihn im Abgeordnetenhaus gestellte Interpellation ( nicht beantwortet hat— so ergibt sich wieder der unliebsame Anlaß, mit dem Verhalten eines Gymnasiallehrers sich zu beschäftigen. Am k. k. Maximilian-Gymnasium im IX. Bezirk schrieb kurz vor Schlich des Schuljahres ein Quintaner an einen seiner Lehrer einen anonymen Brief, worin er

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