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Der Israelit · 1902-08-14 · Heft 65 (14.8.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 65 (14.8.1902)
Date
1902-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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so, daß man den Juden die Staatsbürgerrechte verweigert, weil sie keine rumänische Bildung haben, und wollen , sie rumänische Schulen besuchen oder gründen, so hindert man sie daran, weil sie Juden sind. Das ist alles aktenmäßig erwiesen und man müßte staunen über die Kaltblütigkeit, mit der ein leitender Staatsmann über diese Thatsachen var einem Fremden hinweggeht, wüßte man nicht, daß in den Ländern ohne Weltsprache die Politiker sich für unkontrolirt halten und im klebrigen auf die Indolenz des Auslandes rechnen, das mit exotischen Angelegenheiten nicht belästigt sein will. . Trotzdem muß ich gestehen, daß der Minister bei allen seinen Darlegungen auf mich den Eindruck eines aufrichtigen Mannes machte, der sich einer gewollten Irreführung durchaus nicht bewußt ist. Psychologisch erkläre ich mir diese seltsame Unbefangenheit daraus, daß Sturdza in der That nicht das Gefühl hat, ein Feind der Juden zu sein und daß in ihm, dem philosophisch gebildeten Manne, von einem Religionshasse wirklich nur noch die Rudimente vorhanden sein mögen. Herr Sturdza verehrt einen Juden, Jacob Bernays, als Lehrer,'er hat jüdische Parteifreunde, wie den Bankier Blank, er erinnert sich der Trauung der Tochter des Herrn v. Frank, deren Gast er war: wie kommt, man dazu, ihm Judenhaß zu imputiren? Was er scheinbar gegen die Juden thut, das thut er für sein Volk und so ist sein Gewissen vollständig.beruhigt,, wie ja doch Jedermann nur aus der Moral des seinigen heraus handelt. Ich bin auch der Ueberzeugung, daß man Herrn Sturdza bitter Unrecht thäte, wenn man ihn für einen' Barbaren, für einen herzlosen Menschen, , für bar jeder Treu und jedes Glaubens halten würde. Herr Sturdza ist gewiß als Privatmann die Redlichkeit selbst, er genießt in Rumänien den Ruf fast legendarischer Unbestechlichkeit und Unkäuflichkeit, wenn er auch seinen Parteigängern gegenüber beide Augen zudrückt; er ist jeder Regung des Mitleids und der Menschenliebe zugänglich, dabei ein Mann von uneigennützigem Wollen und patrotischer Ambition. Für die konsequente Grausamkeit seiner antisemitischen Politik gibt es nur eine Erklärung: Herr Sturdza ist blinder Rationalist, ein Nationalist wie Drumont, Rochefort oder Graf Alexander Karolyi; er hat nichts gegen den einzelnen Juden, den er stets nach seiner Persönlichkeit beurtheilen wird, aber das jüdische Element in seiner Gesammtheit betrachtet er mit einer Abneigung und einer abergläubischen Furcht,, die wie. alle feigen Empfindungen ' jede Art von Grausamkeit rechtfertigt. Diese Nicht-Rümänen oder Roch-nicht-Rumänen müssen mit allen legalen und illegalen Mitteln verhindert werden,' sich in Rumänien einzuwurzeln, wo man doch so schon seine Roth hat, die ganze regierende Klasse zu versorgen und Sturdza selbst zur Entlassung von Tausenden von Beamten hat schreiten müssen. Diesem fremden Volkstheil gegenüber schweigt sein moralisches Gefühl vollständig und es geht ihm dessen-Roth nicht nur nicht nahe, sie erfüllt ihn sogar mit Befriedigung, weil sie seine nationale Furcht entlastet. Freilich, die subjektive Ehrlichkeit seiner antisemitischen Gesinnung gäbe dem Minister noch kein Rechts deren faktische Bethätigung zu verleugnen. Man soliden Muth seines — Patriotismus haben. Aber ich zweifle nicht daran, daß es wiederum nur.Patriotismus war, der den Minister bestimmte, seinem abendländischen Besucher gegenüber sowohl die Zustände des Landes schöner darzustellen, als sie sind^ als auch die. antisemitischen Krallen tief in den Sammt der Pfötchen einzuziehen. Ein Minister spricht auch in feinem Hause nicht Wahrheiten, sondern Politik, nicht für den Besucher, sondern zum Fenster hinaus. Em Schelm, wer ihm daraus einen Vorwurf macht. Aber auch ein Thor, wer nicht erkennt, wie seine Darstellung der Dinge durch sein Bestreben bestimmt ist, auf das Ausland zu wirken und insbesondere auf jene Finanzkreise, die trotz allen den Liebesbewerbungen der rumänischen'Regierung Zuspruches der Diplomatie sich noch immer gegenüber so spröde verhalten. Das Kabinet Sturdza braucht Geld, Geld, Geld. Grund genug, seinen Antisemitismus eine Weile zwar nicht außer Kraft zu setzen, wohl aber zu verleugnen. F e ttiil et o n. Die j)lobexredigt. Humoreske von Nabelte Fried aus Prag. Mit sanften, jedoch eindringlichen Worten suchte der Rabbinatskandidat das still vor sich himveinende. Mädchen zu trösten. > „Gib nicht alle Hoffnung auf, Emma! vertraue auf Gott, auf mich und auf unsere Liebe. Blicke mich an, wie heiter ich der Zukunft entgegensehe. Es wird, es muß ein Mittel geben, unsere Vereinigung durchzusetzen." — . - Traurig schüttelte Emma ihr schönes Lockenköpfchen. „Wenn mein Vater einmal „Rein" gesagt hat, dann gibt es kein Mittel, ihn zu einem „Ja" zu bewegen." . ' .• , , . . „Heute noch nicht, aber wir können warten.- Verdrießt Dich das, Emma?" . Das Mädchen wurde feuerroth. „Q, bas Warten, soll mich nicht verdrießen, aber daß es voraussichtlich ein vergebliches wird, das kann mich zur Verzweiflung treiben." - „Nicht vergeblich, liebes Kind! Ich habe eine» Plan. Dein Vater hat mir Deine Hand versagt, aus

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