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Der Israelit · 1902-08-14 · Heft 65 (14.8.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 65 (14.8.1902)
Date
1902-08-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
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j! r L- - ‘f 1875 Nusrottungspolitik gegen die Juden verstimmen das Ausland, welches auch für die Juden Gerechtigkeit verlangt. Es müssen also die Kritiken des Standes der Finanzen widerlegt und die Schilderungen des Judenelends als Verleumdungen zurückgewiesen werden. Da stch das Elend aber nicht verbergen läßt, so mutz man es auf Elementarkatastrophen zurückführen. die mit der Politik nichts zu thun haben. Der erste Widerspruch zwischen den Versicherungen Sturdzas und seinen Darlegungen ergibt sich aus dieser Konstatirung seiner Tendenzen schon von selbst. Sturdza versichert, daß er auf viele Jahre hinaus ausländischen Geldes nicht bedürfe; sein ganzes Bestreben geht aber dahin, die Abneigung des verstimmten Auslandes gegen weitere rumänische Anleihen zu überwinden.' Rumänien muß bis znm 1. Dezember 1904 für fällige Schatzbonds im Betrage von 176 Millionen Francs Geld beschaffen und kann dies schlechterdings nicht ohne die Hilfe des Auslandes. Von dem Erfolge seiner Bemühungen, dieses Geld aufzutreiben, hängt die Eristenz des Kabinets ab, und diesen Erfolg zu sichern, gibt es wohl kein besseres Mittel, als die Leugnung jeder Sorge und jedes Bedürfnisses. Das Ausland soll sich zum Geschäfte drängen, nicht dazu erst bewogen werden. Herr Sturdza that die Frage nach der Convertirung der Schatzbonds mit der leicht hingeworfenen Bemerkung ab, daß sich diese ohne alle Schwierigkeiten vollziehenwerde. Es ' unterliegt aber gar keinen! Zweifel, daß gerade diese Schahbonds ibm die schwersten Sorgen bereiten und daß nur um ihretwillen die Presse des Auslandes derzeit mit offiziösen Darlegungen der glänzenden Zukunft Rumäniens und scharf gehaltenen Antikritiken der. pessimistischen Kritik des rumänischen Finanzstandes überschwemmt werden. Einen weiteren Widerspruch in sich enthält die Behauptung des Ministerpräsidenten, daß die Organe der „Alliance isr." den erbitterten Kampf gegen den Kredit. Rumäniens führen. Warum gerade diese? Wenn Rumänien wirklich das jndenfreundliche' Land ist. als welches es der Minister darstellt, wie kommen dann die Inden dank, ihre Glaubensgenossen draußen zu einer politischen Hilfsaktion oder Pression gegen Rumänien zu bewegen? Entweder sind es also nicht die -Organe der „Alliance", die sich böswillig gegen Rumänien kehren, oder es ist schlimm bestellt um die Wahrhaftigkeit der Behauptung, daß in Rumänien Niemand, am wenigsten die Regierung. den Juden etwas zu Leide .tbue.. Es sind aber sogar beide Behauptungen falsch. Es gibt keine Oraane der „Alliance", und dies Zentrum aller Bosheit wird nur erfunden, um ieder obieltiven Kritik der rumänischen Verhältnisse von vornherein die Glonbwürdiakeit zu benehmen: und es ist gänzlich unwahr, daß die Juden keinerlei Verfolgungen ausgesetzt seien. Das Geaentheil ist vielmehr wahr. Die rumänische Politik und insbesondere die des Herrn Sturdza hat überhaupt nur ein Ziel: das der AuSrottung der Juden.' ' ' ' : "?:'■\ . - Falsch, auf Irreführung des Landes. Unkundiger berechnet ist auch die Frage, warum sich Niemand um die nothleidende christliche Bevölkerung des Landes . kümmere, warum nur um die Juden. Gewiß geht es ' den rumänischen Bauern jämmerlich schlecht, dank der- ' selben Politik, die sich nur die Wohlfahrt eines. Häufleins von Familien angelegen sein läßt und alles klebrige dem überantwortet, der auch die Raben auf dem. ' ' Felde speist, aber es verfolgt Niemand direkt den Bauern; er wird weder durch Gesetze noch durch administrative Verfügungen aus jeder Erwerbsgeleg^nheit; : hinausgeworfen, er wird nicht systematisch ausgehungert. Gedeiht der Mais auch nur halbwegs, wie in diesem Jahre, so hat der in seinem Erdloche woh-. nende Bauer seine Polenta und damit seine BedürfnisseC befriedigt. Der Jude aber darf nicht einmal die 'Erde bebauen, er wird von jeder^Arbeit verdrängt, die auch nur entfernt das Auge des Vollbürgers reizen könnte, er soll nicht existiren können, er soll verkommen. Das iveiß Herr Sturdza, der einer der Hauptürheber . aller Verfolgungsmaßregeln ist — er heißt in Rumänien „der böse Geist Bratianus" — selbst am besten, und es fällt ihm auch nur dem Fremden gegenüber ein, ' dos in Abrede zu stellen. In seiner einheimischen Presse läßt er sich Lob dafür spenden, daß er so konseanent ist in seiner „nationalen" Politik, und eines der stärksten Mittel im Kampfe gegen die Opposition ist die wiederbolte Behauptuna, Take Jonescu habe sich verpflichtet. falls er zur Negierung gelange, die Wünsche der Juden zu erfüllen. , Eine taktische Umgehung der Hauptsache ist. auch die Darstellung, daß die Juden nur aus Mangel an Raum im Schulbesuche beschränkt und zur Zahlung eines hoben Schulgeldes verhalten werden, im Gegensatz, zur übriaen Bevölkerung, die unentgeltlich - die Schulen besucht. Der Minister erzählte igir von seinem . eigenen Sohne, der auf dem Gymnasium von Jena, ein Schulgeld von hundert Mark zu entrichten hatte gegenüber den Einheimischen, die nur zwanzig Mark zij bezahlen brauchten. Das aber verschwieg mir der Mi- ' nister, daß die den Juden verschlossenen Schulen von . den allgemeinen. Steuergeldern erhallen werden, au welchen die Juden wahrlich nicht geringen Beitrag beizusteuern haben. Auch das verschwieg er mir^ daß die Juden nicht einmal aus eigenen Mitteln Schulen erhalten können, obne daß ihnen von den Verwaltungsbehörden die größten und lächerlichsten Schwierigkeiten : bereitet werden. Auch feine Berechnung des. Prozent-. satzcs der jüdischen Schisser ist eine .falsch», denn die. .. Bauernschaft besucht überhaupt keine Schulen: im Äerbältniß zur Bevölkerung ihres. Wohnsitzes aber sind die. Juden auch entfernt nicht in entsprechendem Maße zum ' Schulbesuche zugelassen. Rein, die-Dinge liegen schon 1-- h * r.v :

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