Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 65 (14.8.1902)
- Date
- 1902-08-14
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1374 in galizifcher, logischer Weise, wurde das Dorf aus diesem Anlasse zum Schauplatze der 'ärgsten Judenexzesse. Um 10 Uhr Nachts begann der Aufzug zur Versammlung? Fast alle Teilnehmer waren betrunken, mit Stöcken, Holzscheiten und Steinen bewaffnet. Auf Kommando begannen die Judenmetzeleien. Die ganze Versammlung rückte zunächst gegen die von Juden bewohnten Häuser, schlug die Fenster ein und mißhandelte die Bewohner derselben. Schutzlos, wie die Juden waren, mußten ste, um ihr nacktes Leben in Sicherheit zu bringen, vor dem überwiegenden Feinde die Flucht ergreifen, und demselben ihr Hab und Gut als Beute überlassen. Nun ging die Plünderung los! Bald waren die erstürmten Judenhäufer leer; was nicht sortzuschaffen war,, wurde kleingeschlagen. Die Exzedenten marschierten dann unter ohrenzerreißendem Gejohle: „Nieder mit den Juden!" „Tod den Juden!" weiter, bis sämmtliche jüdischen Häuser ausgeplündert und zerstört waren. Das geringe Aufgebot der ständigen Gendarmeriewache zeigte sich als viel zu schwach, dem Treiben dieser Diebesbande ein Ende zu machen, und erst als tags darauf aus Lemberg eine Kompagnie Gendarmerie requirirt wurde, konnten die drei Rädelsführer ausgeforscht, verhaftet und nach Lemberg überführt tverden. Trotzdem nun die Ruhe wieder einzuireten schien, getrauten sich die Juden nicht, in das Dorf zurückzukehren und ihrem Berufe nachzugehen, bis ihnen seitens der. Gendarmerie die Versicherung gegeben wurdet daß keine weiteren Ausschreitungen zugelassen werden. Angesichts dieser wahren Schilderung gehört gewiß eine bodenlose Frechheit twzu, wenn die antisemitischen Blätter behaupten, daß die galizischen Unruhen von den Juden verursacht oder gar angezettelt werden, andererseits fordern wir nicht nur die vollständige Ausforschung sammtlicher Mitschuldigen an diesem Raubzuge, sondern auch, daß den vollständig ruinierten Juden ihre geplünderte Habe ersetzt werde, denn, so lange die Regierung sich dessen bewußt wird, daß das Gesetz nicht nur gegen die Juden, sondern auch zum Schutze der Juden als Bürger dieses Staates zur Geltung kommen muß, wird Galizien immer der Schandfleck unseres Staatswesens bleiben. U n g a t nv Neutra. Dem Vorstände der hiesigen Kultusgemeinde. Josef Engel, verdankt die Gemeinde eine ganz Reihe wichtiger Institutionen, so die neue jüdische Volksschule, die' Talmud-Thora-Schule. die Regelung der Pensionen für frühere Kultusbeamte; Herr Engel sucht sein Werk zu krönen, indem er für den Neubau eines Tempels eine größere Summe spendete. / Und schließlich wird Herr Engel mit einem Kostenaufwande von öa. 200,000 Kr. ein Siechenhaus für jüdische Greise und Erwerbsunfähige erbauen. : Frankreich. : Paris, 11. Aug. Da das Ministerium Combes fest entschlossen ist, das von Waldeck-Rousseau begonnene Werk fortzusetzen, sind unlängst in ganz Frankreich sehr viele von Mönchen und Nonnen geleitete Schulen, in denen man den Kindern Haß gegen die Republik und gegen Andersgläubige predigte, geschloffen worden. Die antisemitische Presse hat daraus folgenden, heiteren Schluß gezogen: Das Ministerium Combes stehe im Dienste der reichen Juden; Combes führe nur die ihm von den reichen Juden ertheilten Befehle aus; man müsse daher für die Schließung der Ordensschulen nicht etwa Combes und seine Minister, sondern die reichen Juden verantwortlich machen. Diese Schlußfolgerung ist nicht nur lächerlich, sondern auch absolut falsch. Vor einiger Zeit hat man die Frage der Mönchsorden in der Kammer diskutirt. Alle freisinnige und aufrichtige Republikaner haben für die Regierung gestimmt. Ein jüdischer Millionär, der der Kammer angehört, hat in Gesellschaft seiner antisemitischen und konservativen Kollegen gegen die Regierung und für die volle Aufrechthaltung der Mönchsorden gestimmt. Man kann daher aus diesem Beispiele leicht ersehen, daß die antisemitische Schlußfolgerung ganz erlogen ist. Wenn man auch diese bornirten, von Haß verblendeten Menschen sieht, so muß man den Heimgang . eines edlen, toleranten, vorurtheilsfreien Mannes noch um so mehr bedauern. Oberstleutnant Cord rer ist todt! In aller Erinnerung ist noch seine kewunderswerthe Haltung im Drcysusprozesse. Er hat sich weder beeinflussen, noch einschüchtern lassen, und als redlicher und ehrlicher Zeuge hat er alles das, was er-wußte,, voll Muth und Tapferkeit gesagt. Darum hat der Redner, der an seinem Grabe im Namen der Ligue des Droits de l'Homme das Wort ergriffen hatte, mit vollem Rechte gesagt: Auf seinen Grabstein muß man dieses höchste und schönste Zeugniß setzen: veritutem coluit! Pi. R u m 8 nie n. Bukarest, H. Aug. Wer den Darlegungen des Ministerpräsidenten Sturdza bei dem Interview durch Dr. Hugo Ganz (Wien) scharf gefolgt ist, wird zwei Tendenzen in denselben erkannt haben. Es kam dem Staatsmann darauf au, dem ihm besuchenden Publizisten zu beweisen, daß Rumänien und insbesondere das Regime Sturdza jeden materiellen Kredit verdienen. und daß Rumänien wie das Regime Sturdza bei allem. ..Chauvinismus" frei seien von Intoleranz. Fremdenfeindlichkeit und Jllovalität in der Behandlung der ..Fremd-Einheimischen." Der Interviewer knüpfte hieran in der „Ffter. Ztg." noch folgende Ausführunaen: Beide Beweise verfolgten am letzten Ende denselben Zweck. Die vom . Anslande wiederholten Anklagen der konservaiiven Opposition aeaen das Budget erschüttern den. Kredit des Landes, und die Schilderungen der im Lande geübten