Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-08-14 · Heft 65 (14.8.1902) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 65 (14.8.1902)
Date
1902-08-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449855--56473-2519145
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

gesenkt lvar, gab Herr Rabbiner Dr. Deutsch von Fürth in erhebenden Worten ein Bild von dem Lebensgang des Verblichenen. 1836 in Markt-Erlbach geboren, besuchte er später in Nürnberg die Handelsschule und erwarb sich eine Summe von Kenntnissen und Wissen, so.daß er im Jahre 1861 das väterliche Geschäsi übernehmen konnte. Im Jahre 1862 gründete er sich sein eigenes Heim, das er, im Verein mit seiner bereits verstorbenen, verständnißvollen Gattin, 37 Jahre lang zu einer Wohnstätte des Friedens und des Glückes machte. Klar, lauter und edel war sein Charakter, liebenswürdig,, leutselig und ein hingebender Menschenfreund war er stets; er verstand es, wie selten Einer, den Egoismus des gesättigten Reichthums von sich zu weisen, sein Glück fand er in der Arbeit. Das Interesse der Gesammtheit war sein Leitstern, er verstand es, sich seine ehrenvollen Auszeichnungen, die Bürgerkrone, durch Bürgertugenden zu erwerben. Ein freisinniger, sozialer Zug ging durch sein Leben, wie seine Stiftungen beweisen; er hatte ein warmes Herz für die arbeitende, Bevölkerung, war ein Förderer freiheitlicher Bestrebungen und der Wissenschaft, ein Mären der Kunst; sein selbstloses Wirken stand.im Dienste.der Allgemeinheit; Liebe, Dankbarkeit, die Achtung der Besten hat er sich errungen. Dann gab Herr Hofrath Bürgermeister Dr. v. S ch u h in formvollendeter, markiger Rede ein Bild von der Thätigkeit des Verlebten, der sich in mehr als zehnjähriger Thätigkeit durch den reichen Schatz seiner Erfahrungen nutzbar gemacht;'so einfach seine äußere Erscheinung, so ritterlich war seine Gesinnung; ideal war sein Bestrehen, für die Armuth hatte er stets eine offene Hand, die Stadt betrauert ihren besten Sohn, die Kollegien einen treu besorgten Mitarbeiter. Redner legte sodann unter den Worten: „Sein Andenken wird bleiben! . Empfange die letzten Grüße von Deinen Kollegen, Mitbürgern und Freunden," einen prachtvollen Kranz auf das Grab nieder. Mit tiefgefühlten Worten des Dankes und der Liebe .wurden. sodann noch Kränze niedergelegt vom Lokalausschuß der Freisinnigen Partei, Namens des Vereins Freisinn, vom Verein Jugendhort-Steinbühl durch einen Schüler, dem Verein für Geisteskranke, dem Verein südlicher Vorstädte, vom Künsilerverein, von den Bediensteten des städtischen Gaswerkes und von seinem Arbeiterpersonal. Ein Gebet des Rabbiners schloß die tiefergreifende Feier. Soest, im Aug. Auf der Tagesordnung einer der letzten Stadtverordnetensitzungen stand unter Anderem die Position: Festsetzung der Schlachtgebühren für geschachtetes Vieh. Von den im letzten Jahre im Schlachthause geschachteten 1488 Stück Rindvieh sind 820 geschlichtet und nur 638 geschlachtet. Um dem leider bestehenden Zuge der Zeit zu folgen und das Schächten zu beschränken, schlagen Magistrat und Schlachthauskommiffion die Verdoppelung der Schlachtgebühr für geschächtetes Vieh vor. Es wurde die Frage gestellt, ob - das Schächten einen qualvolleren Tod als das Schlachten darstelle, und da diese viel, auch früher von der Versammlung schon erwogene Frage keine Erledigung fand, wurde der Antrag auf Vertagung des Gegenstandes gestellt, um der Versammlung inzwischen Gelegenheit zu geben, sich über das Schächtverfahren entweder durch den Augenschein Klarheit zu verschaffen, oder auch durch Nachfragen bei den Metzgermeistern und bei den Nächstinteressirten, wie über das Bedürfniß des Schächtens überhaupt Erkundigungen anzustellen. Dieser Antrag fand einstimmige Annahme. Hoffentlich werden, sich die Herren durch den Augenschein von den Vorzügen der Schächtmethode überzeugen. .; . 7V. ..; ‘ O e st e r t e i ch. - fv Wicn, im Aug. Die Fremdenverkehrs-Sektion' Kitzbühel in Tirol versieht ihre Prospekte, Wohnungslisten etc. mit folgendem Stampiglien-Aufdruck: „Beschluß der General-Versammlung 1897: Anfragen von Juden haben unberücksichtigt zu bleibem" Nachdem wir wissen, daß mehrere jüdische Familien, z. B. aus München,, jährlich einige Wochen da' verbrachten, nehmen wir Veranlassung, obigen Beschluß der Fremdenverkehrs-Sektion zur Kenntniß zu bringen, um unsere Glaubensgenossen, denen derselbe etwa nicht bekannt geworden sein sollte, abzuhalten, ihr Geld nach Kitzbühelzu tragen. Neugierig, waren wir ober doch, zu erfahren, wie sich das Gemeindeamt Kitzbuhel zu dieser Kundgebung verhält und besonders, ob der Deutsch-österreichische Alpenverein, der doch in ganz Tirol eine dominirende Stellung einnimmt Und in seinen Reihen eine stattliche Zahl Juden hat, diesen Beschluß kennt und dazu geschwiegen hat. -v- Lemberg, im Aug. (Iudenp l ü n d e t u n g e n in Galizien.) Die alte Geschichte, daß der Jude' bei allen Gelegenheiten den Prügelknaben abgeben muß. ist anläßlich des soeben in Galizien wüthenden Bauernstrikes wieder zur Wahrheit geworden. Die Arbeiter und Großgrundbesitzer raufen miteinander, und der Jude kriegt die Prügel. Der Judenhaß in Galizien ist eine altbekannte Thatsache. Judenverfolgungen, sind in Galizien schon seit Jahren auf der Tagesordnung. Die blutigen Excesse in Neusandec, Co.dorow, Schodnica u. s. w., welche zur vollständigen Verarmung fast aller in diesen Städten wohnenden Juden führten, sind noch in lebhafter Erinnerung, und so ist es nicht zu verwundern, daß die Juden Galiziens vom jüngsten Arbciterstrike am härtesten betroffen worden , sind. . -Die Bauernarbeiter Galiziens dürsteten.nach Judenblüt und nun nützen sie die Gelegenheit aus, sich mit demselben in vollen Zügen Vollzutrinken7 Am ' .Sontag,'• 20. .Juli, wurde in dem Dorfe Alt-Jariczow. 'eine . Baüernversammlung gegen den christlichen Gutsbesitzer Baltarowicz veranstaltet und, merkwürdig, oder besser gesägt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.